Dorothee Fleck ist im Alter von 44 Jahren kühn genug, ihre Stelle als Projektmanagerin in einem internationalen Pharmaunternehmen zu kündigen und sich mit dem Fahrrad auf eine Weltreise zu begeben. 127 Wochen durch 26 Länder. Interview: Frank Störbrauck

Frau Fleck, ein ganz schön riskantes Unterfangen, das sie mit ihrer Reise in Angriff genommen hatten. Hatten Sie sich wenigstens die Option gesichert, in den Job zurückzukehren?

Nein, gesichert kann man es nicht nennen. Aber ich habe versucht, nicht alle Brücken hinter mir abzureißen. Ich wusste ja nicht, was ich nach der Rückkehr machen möchte. Ich war auch zu manchen Leuten noch nett und freundlich und habe nicht unverblümt meine Meinung gesagt.


Dann sind Sie losgezogen. Warum mit dem Fahrrad?


Für mich ist es das beste Reisegefährt: so langsam, dass man einiges unterwegs sehen, riechen und hören kann und schnell genug, dass man eine gute Strecken vorwärts kommt. Man kommt sichtbar und antastbar an und ist gleich mitten im Geschehen, in vielen Gegenden umzingelt von Leuten.

Das kann auch anstrengend sein …

Ja, im Auto hat man eine „Knautschzone“, ein Schutzschild um sich herum und ist meist auch nicht sichtbar. Dies erzeugt eine Distanz zur Bevölkerung. Zugegeben, manchmal wünsche ich mir diese Distanz auch, wenn mich zu viele Leute zu lange belagern. Das muss man auch aushalten können. Aber ich möchte die Kontakte mit der Bevölkerung nicht missen, die sich ergeben, wenn ich mit dem Fahrrad komme.

Sind Sie dann einfach drauf losgefahren oder hatten Sie eine feste Route im Visier?


Nein, ich hatte keine feste Route geplant. Ich wusste die Richtung, ich wollte in die Mongolei. Wie ich genau dahin kam, habe ich unterwegs entschieden.


Wie haben die Menschen unterwegs auf Ihre Reise reagiert?


Unterschiedlich, je nach Kultur: Bewunderung , Unverständnis, Mitleid. In der westlichen Kultur werde ich eher bewundert, dass ich alles so hinter mir lassen konnte. Manche haben dafür aber auch kein Verständnis, dass ich mir die Strapazen antue. In asiatischen Kulturen, wo die Familie und der Zusammenhalt sehr wichtig sind, hatten sie Mitleid mit mir und fragten sich, was ich wohl angestellt habe, dass ich jetzt so ganz alleine um die Welt fahren muss.


Hat es Ihnen auch irgendwo nicht gut gefallen?


Bangkok war wegen dem Verkehr sehr unangenehm. In China wurde ich ständig kontrolliert und verhört, ich war vor und während der Olympischen Spiele dort.

Und was machen Sie jetzt?

Ich reise immer noch. Nach der ersten Weltreise kam die zweite und jetzt bin ich auf meiner Afrika-Tour. Dazwischen bin ich immer für etwa ein Jahr in Deutschland, halte Vorträge, schreibe Berichte und habe auch das Buch geschrieben.

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