Jeder Passagier kennt die Situation im Flugzeug: Nach dem Start gehen die Anschnallzeichen aus und der Sitz des Vordermanns kippt nach hinten. Beinfreiheit Fehlanzeige! Ärger programmiert? Skyscanner, die globale Reisesuchmaschine, hat 1.000 Fluggäste nach ihrer Meinung zu zurückklappbaren Sitzen in Flugzeugen befragt: Sollte es zeitliche Beschränkungen für das Zurücklehnen geben oder es sogar ganz verboten werden?


Das Ergebnis ist erstaunlich: Neun von zehn Reisenden wünschen sich ein Ende des eingeschränkten Platzes durch den Vordermann. So sprachen sich 91 Prozent der Befragten dafür aus, das Zurückklappen von Sitzen auf Kurzstrecken komplett zu verbieten oder zumindest auf bestimmte Zeiten zu beschränken. Auf Langstreckenflügen sind es immerhin noch 43 Prozent, die festgelegte Zeiten für das Verstellen der Rückenlehne für wünschenswert halten. Obwohl die Beweglichkeit der Sitze eigentlich als Komfort für die Passagiere gedacht ist, zeigt die Umfrage deutlich, dass Fluggäste diese Annehmlichkeit eher störend als nützlich empfinden. Fast ein Drittel der Umfrage-Teilnehmer gibt an, sich durch zurückgelehnte Sitze maßgeblich beeinträchtig zu fühlen. Drei Prozent haben sich sogar schon einmal an der Lehne des Vordermanns verletzt. Auch für Crew Personal könnte ein Verbot von zurückstellbaren Sitzen eine willkommene Änderung sein, denn in einer Befragung von Flugbegleitern in Zusammenarbeit mit Cabin Crew kam heraus, dass 60 Prozent bereits Zeuge einer Auseinandersetzung zwischen Passagieren wurden, die durch das rücksichtslose Zurückklappen der Rückenlehne entstanden ist.

„Auch wenn es objektiv durch eine zurückgestellte Rückenlehne zu keinen Beeinträchtigungen zum Beispiel beim Lesen oder Essen kommt, wird der persönliche Raum fühlbar eingeschränkt“, sagt Psychologe Professor Manfred Schmitt von der Universität Koblenz-Landau. „Man kann als Reisender weder vorhersehen, wann die Rückenlehne schräg gestellt wird, noch kann man es verhindern. Man ist sozusagen der Willkür einer anderen Person ausgesetzt, was für viele Menschen sehr unangenehm ist.“

Erschwerend kommt hinzu, dass der Anteil der Egoisten an Bord erschreckend hoch ist: 70 Prozent der Fluggäste gaben an, die Rückenlehen auch dann zurückzuklappen, wenn hinter ihnen eine schwangere Frau säße. 80 Prozent wäre es egal, ob eine ältere Person den Sitzplatz hinter ihnen belegen würde. Dabei stellte sich die Gruppe von Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren als überwiegend zuvorkommende Charaktere heraus, während die Gruppe der Männer über 35 Jahre eher eine Tendenz zum Egoismus zeigte.

„Die Sitzposition des Vordermanns kann sich negativ auf das gesamte Flugerlebnis einer Person auswirken, vor allem, wenn dieser besonders rücksichtslos ist“, sagt Professor Schmitt. „Konflikte könnten reduziert werden, indem Fluggäste ihren Hintermann um Erlaubnis bitten würden, sobald sie den Sitz zurückstellen möchten.“ Laut Skycanner-Umfrage hat jedoch ein Drittel der Passagiere zu große Angst, dass die Reaktion nicht ihren Wünschen entspricht. Deshalb haben 64 Prozent der Umfrage-Teilnehmer noch nie um Erlaubnis gefragt. „Auch zeitliche Regelungen könnten sinnvoll sein, weil sich Reisende besser auf die zurückgestellte Lehne des Vordermanns einstellen könnten“, ergänzt der Experte.

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