Die Burg der Träume

Fotos: Sabine Braun Fotos: Sabine Braun

Das Qasr Al Sarab ist nicht bloß eine Luxusherberge in der Wüste Abu Dhabis. Nein, dieser magische Ort regt die Fantasie an. Man muss das nur zulassen, meint reisen EXCLUSIV-Autorin Sabine Braun.

Zu den Begebenheiten, die ich vor der Rezeption eines Luxushotels nicht unbedingt erwarte, gehört ein Mann in einem blütenweißen Gewand, der aussieht wie Ali Baba und mir einen Falken auf den Arm setzt. Ajub aber kümmert das nicht. Er trägt einen struppigen Bart und hat dieses Feuer im Blick, das wenig Widerspruch duldet. Männer wie Ajub sind es, die den Ruf des arabischen Mannes geprägt haben: Er strahlt Stolz, Vitalität und Selbstbewusstsein aus – und bei ihm kommen sogar noch charmante Umgangsformen obendrauf. Erst als sich Sahab (oder war es Saheb?) auf meinem Arm einen irritierenden Moment lang unwohl zu fühlen scheint, wirkt Ajub kurz alarmiert, ja, besorgt. Ich mache mir da keine Illusionen. Ajub geht es nur um seinen Falken. Höflich und mit souveränen Griffen holt er ihn wieder zu sich hinüber, lächelt mich leise und beinahe entschuldigend an und ist im nächsten Moment schon wieder verschwunden. Ich bin noch keine 30 Sekunden im Qasr Al Sarab und schon mitten in einem orientalischen Traum. Überrascht mich das? Nicht wirklich ...

Ich hörte im Vorfeld meiner Reise von einem magischen Ort mitten in der Liwa-Wüste, umgeben nur von 100 Meter hoch geschwungenen Sanddünen in Goldgelb und Safrantönen. Schon der Name der riesigen Sandfläche »Empty Quarter« regte meine Fantasie an: Ausgerechnet in der Leere hat die Anantara-Hotelgruppe ein neues Prachthotel mit dem poetisch klingenden Namen Qasr Al Sarab angesiedelt. Ich stellte mir vor, mit welchen Gefühlen man sich wohl vor Jahrhunderten auf solch einen Ort zubewegte, schaukelnd auf dem Rücken von Kamelen, in lange Gewänder gehüllt. Als die ersten Umrisse der sandsteinfarbenen Burg in der Wüste auftauchen und am Horizont die Bilder des brennenden Mordor einen surrealen Kontrast zu den mächtigen Steinmauern des Hotelpalastes bilden, bin ich schon nicht mehr von dieser Welt. (Dass die magischen Flackerfeuer am Horizont nur dem lapidaren Umstand geschuldet sind, dass dort reiche Araber ihr überflüssiges Erdgas abfackeln, erwähne ich bloß, um meiner journalistischen Sorgfalt Genüge zu tun ...) Wir erreichen das Qasr Al Sarab über eine monumentale Brücke aus Stein, flankiert von nostalgischen Laternen und Menschen, die gerade erst von der letzten 1001-Nacht-Verfilmung ausgespuckt wurden. Unwillkürlich kontrolliere ich, ob die Brücke hochgezogen werden kann (natürlich nicht!) und wo sich die Gaukler, Feuerschlucker oder Schlangenbeschwörer versteckt haben mögen (oder gern auch Männer, die an Lampen drehen und sich auf fliegenden Teppichen fortbewegen...). Das ist der Moment, an dem Ajub an meine Seite tritt und mir kommentarlos den Falken auf den Arm setzt – und von dem an ich für ein paar Tage vergesse, dass da draußen weit weg Menschen im 21. Jahrhundert leben.

Das Qasr Al Sarab ist ein diskreter, geheimnisvoller Ort, im Stil eines arabischen Oasendorfs angelegt. Innerhalb seiner Gemäuer bewegen sich Gäste und Angestellte ganz automatisch langsam, fast erhaben, man spürt den Geist der arabischen Beduinen, die in solch einer nostalgisch anmutenden Umgebung Jahrhunderte gelebt haben (abzüglich des Zimmerservices natürlich ...). Das korrespondiert mit der ungewohnten, absoluten Stille, die an diesem Ort herrscht. Man spürt sie fast physisch, wenn man sich auf einer der vielen Terrassen auf dem Gelände niederlässt, Fackeln anzündet und den hypnotischen Sonnenuntergang in der Wüste auf sich einwirken lässt. Man kann sich auf dem weitläufigen Areal in den verwinkelten Ecken und Gassen auch verlieren, was eine gute Nachricht ist: Man schreitet durch orientalische Torbögen, bewundert die charmanten Kuppelbauten, die spärlichen, aber geschmackvoll ausgewählten Details der Einrichtung, bis man plötzlich wieder – überraschend beinahe und gar nicht immer mit Freude – auf Spuren des modernen Hotelbetriebes stößt und aus dieser Märchenwelt gerissen wird.

Aber soll man sich wirklich beschweren über gleich drei feine Restaurants auf dem Gelände – von denen ich besonders das »Suheil« empfehlen kann, weil es auf dem Dach des Hotels liegt und neben seinen exquisiten Fischgerichten auch immer einen Blick auf die unglaublichen Sternennächte in der Wüste ermöglicht? Oder über den aufwendig inszenierten Wellnessbereich mit seinem schicken Marmor-Hamam? An meinem letzten Tag reiten wir mit den Kamelen in die Wüste und treffen auch Ajub mit seinem Falken ein letztes Mal. Man kann das »Falknern« hier buchen wie einen Ballonflug oder eine Sause mit dem Vierradantrieb über die majestätischen Dünen in der Liwa-Wüste. Aber die Eindrücke, die über den Tag hinaus bleiben, sind nicht so einfach am Counter zu buchen. Das Qasr Al Sarab ist ein mystischer Ort, an dem Träume wahr werden, von denen ich vorher nicht mal wusste, dass ich sie hegte ...


Flug. Turkish Airlines fliegt täglich von zwölf Flughäfen in Deutschland via Istanbul nach Abu Dhabi. Der Flugpreis beträgt ab
€ 407. www.turkishairlines.com 


Unterkunft. Qasr Al Sarab, Abu Dhabi, das Resort verfügt über 206 Zimmer, Suiten und Poolvillen in acht Kategorien. Doppelzimmer ab rund € 300 die Nacht, Tel: +971 (0) 2 886 2088. www.anantara.de.com 

Infos. Auf der deutschsprachigen Website erhält man zahlreiche Informationen für einen Urlaub in Abu Dhabi. www.visitabudhabi.ae/de 

 

ella Verlag
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