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TWA Hotel
John F. Kennedy Airport

TWA Hotel, 1 Idlewild Drive, Queens,
New York 11430-1962, USA
Telefon: +1 212-806-9000
https://www.twahotel.com
512 Zimmer und Suiten
€€€

getestet von Harald Braun
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Der erste Eindruck

Außergewöhnlich, in jeder Hinsicht. Das beginnt damit, dass der Weg zum TWA Hotel bereits in den Terminals des JFK-Flughafens in New York besser ausgezeichnet ist als der Jakobsweg in Spanien. Anreise ungewöhnlich, denn das Designhotel ist mit dem Air Train (gelbe Linie) zu erreichen, es befindet sich am Terminal 5.

Schon von Weitem ist das elegant geschwungene, rot-weiße Gebäude gut zu erkennen, auf dem Parkplatz stehen ein paar (ramponierte) Straßenkreuzer aus den 1960er-Jahren, so als ob die Corleones gerade erst zum Drive-by-Shooting vorbeigeschaut hätten.

Nach einem Blick in die weiß getünchte Eingangshalle des Hotels stellen sich Fragen: Kommen gleich Eva Pflug und Dietmar Schönherr um die Ecke - und ist man versehentlich in einem Revival von »Raumpatrouille Orion« gelandet? Und: Wie geil ist das denn?

Wer wohnt hier?

Es gibt wohl kaum einen besseren Aufenthaltsort, wenn man spät auf dem JFK in New York landet und der Anschlussflug erst am nächsten Morgen startet. Da ist also der Anteil an pragmatischen Vielfliegern, die einfach einen angenehmen Ort zur Überbrückung suchen.

Allerdings auch Designliebhaber aus aller Welt dürften gezielt hierher reisen und eine Nacht bleiben. Schließlich hat der weltbekannte finnische Architekt Eero Saarinen das TWA-Building zwischen 1959 und 1962 erbaut. Damals war das Hauptquartier der Trans World Airlines noch State of the Art, heute eine spektakulär-nostalgische Erinnerung an die Zeiten, als Fluglinien wie Pan Am und TWA noch überragenden Stil und Glamour ausstrahlten und verkörperten.

Gut geschlafen?

Einzigartig nennen viele Hotels den Ausblick aus ihren Zimmern. Damit ist oft ein Pool gemeint, oder - wenn´s gut läuft - ein malerisches Meer. Schön ist das womöglich, aber wohl kaum einzigartig.

Dieses Superlativ hat das TWA in New York exklusiv, denn bei einem Blick aus dem Zimmer des Hotels könnte man leicht den Eindruck gewinnen, man befände sich auf der Start- und Landebahn des JFK-Flughafens. Die Idee, dass früher oder später einer der Flieger mitten ins Zimmer poltert, klingt gar nicht mal so absurd. Für Flughafenspotter dürfte es nichts Schöneres geben, als eine Nacht in solch einem – ansonsten eher puristisch-nüchtern ausgestatteten - Zimmer zu verbringen. Wobei, da es in New York kein Nachtflugverbot gibt, kommt so ein Flugzeug-Spanner ohnehin nicht zum Schlafen.

Der Wellnessfaktor

Wie so oft eine Frage der Perspektive. Wer sich prima fühlt, wenn er sich in einem riesigen Gym austoben kann, wird sich im TWA Hotel sehr wohl fühlen. 1.000 Quadratmeter misst dieser spektakuläre, mit den modernsten Geräten ausgestattete Raum.

Auf dem Dach des Geländes befindet sich zudem ein Infinitypool gleich neben einer Cocktailbar. Auch hier stellt sich bei sachgemäßer Behandlung von Pool und Bar (Reihenfolge einhalten!) ein akkurates Wohlgefühl ein. Nur getrübt vom Umstand, dass man für die Pool-Benutzung Eintritt kassiert.

Ein klassisches Spa mit allem Drum und Dran hat das TWA nicht. Als es gebaut wurde, war an derartige Annehmlichkeiten kaum zu denken.

Bauchgefühl

In diesem Flughafenhotel residiert ein Sternekoch. Dieser schlichte Umstand relativiert sich allerdings ein wenig durch die Tatsache, dass dieser Koch Jean-Georges Vongerichten heißt und so eine Art kulinarischer Vermehrer ist. Allein in New York hat der umtriebige Messerkünstler elf (!) Restaurants. Das hoteleigene Paris Café gehört dazu und bietet auf einer kleinen Karte einen soliden Mix aus zeitgenössischer amerikanischer Küche mit asiatischem Twist.

Ansonsten ist die langgezogene Theke in der Food Hall für Kaffee, Frühstück, Snacks und Sandwiches zuständig. Sogar Waffeln und frisches Obst werden angeboten.

Burgerküche gibt’s in der Poolbar auf dem Dach. Und Drinks in einer Lockheed Constellation von 1958, die auf der Landebahn als Bar immer noch in Betrieb ist.

Das besondere Etwas

Das TWA Hotel IST das besondere Etwas auf dem Markt der vielen – oft doch sehr austauschbaren – Hotels. Checkt man ein, unterschreibt man für eine Tour mit Zeitreise, Besuch eines nostalgischen »Sweet’N Glow Salons« oder ein Spielchen auf der Curling-Bahn inklusive.

Im TWA-Shop findet man zudem eine Menge Fanartikel für Vielflieger der ersten Stunde, auf einer Empore ist auch die Stewardessen-Mode der ersten Generationen zu bewundern. Rundum ein gelungenes Hotelerlebnis.

3 gute Gründe, dort zu buchen

1. Auch wenn kein DeLorean auf der Landebahn steht – die Zeitreise im TWA ist trotzdem perfekt.
2. Die Anreise nach New York ist stressig – warum nicht mal gleich am Flughafen übernachten, um sich dann am nächsten Tag in das Energie-Kraftwerk zu stürzen?
3. Die Howard Hughes Presidential Suite dürfte eine der elegantesten Zimmer in ganz New York sein. Wenn auch nicht ganz billig...
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Fotocredits: TWA Hotel

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