Josef Ebner ist der Grandsigneur der Hotellerie in Kanada. Seit mehr als 40 Jahren arbeitet der 64-Jährige in dem Land. Heute ist er Chef des Eaton Hotels in Toronto, des mit 1.590 Zimmern größten Hotels in Kanada. Ein Interview von Frank Störbrauck.

Herr Ebner, seit wann sind Sie in der Hotellerie tätig?

Als ich 14 Jahre alt war, habe ich meine Lehre begonnen. Das heißt, ich bin nun seit 50 Jahren in der Hotellerie tätig.

Was hat Sie nach Kanada verschlagen?

Ich wollte eigentlich in die USA, aber zur damaligen Zeit, 1969 war das, war wegen des Vietnam-Kriegs in den USA die Einberufung zum Militär Pflicht. Ich wollte aber keinem anderen Land militärisch dienen. Darum habe ich mich entschlossen, nach Kanada auszuwandern.

Warum ausgerechnet Toronto? Damals galt ja eher Montréal als angesagteste Stadt in Kanada …

Ein Onkel von mir lebte damals in Toronto. Er war schon 1953 aus Österreich nach Kanada ausgewandert. Bei ihm konnte ich wohnen. Ich kam ja ohne Job in Kanada an und hatte kaum Geld dabei. Wenigstens ein Dach über dem Kopf, so dachte ich mir, das ist ja schon einmal was. Innerhalb von drei Tagen habe ich dann einen Job bekommen. Außerdem ist Toronto ein gut gelegener Ausgangspunkt für eine Reise in die USA. Mit dem Zug ist man ja in ein paar Stunden in Manhattan.

Wie hat sich Toronto seitdem verändert?

Oh, sehr! Die Stadt hat sich seit 1970 irrsinnig verändert. Nur zwei Beispiele: Als ich damals ankam, gab es vier Hochhäuser. Heute gibt es Hunderte. Zur Zeit werden über 150 Hochhäuser gebaut, mehr als nirgendwo sonst in Nordamerika. Damals gab es rund 2,5 Millionen Einwohner, heute sind es fast 5 Millionen. Toronto ist heute eine sehr kosmopolitische Stadt, über 110 Kulturen leben hier friedlich zusammen.

Was müssen Touristen gesehen haben, die Toronto heute besuchen?

Die verschiedenen Stadtteile, wie zum Beispiel Greek Town, Little Italy oder Little Portugal – oder auch den Distillery District, Kensington Market, St. Lawrence Market und die Inseln. Da ich sehr sportlich bin, fahre ich am Wochenende gerne mit meinem Fahrrad um die Stadt herum. Rund 60 Kilometer fahre ich dann, größtenteils auf Fahrradwegen. Man kann auch ganz auf die äußeren Inseln hinausfahren, wo es ein Vogel-Paradies zu bestaunen gibt. Wirklich ganz toll. Die Touristen-Klassiker wie der CN Tower mit seinem »Edgewalk«, die Hockey Hall of Fame, das Royal Ontario Museum, die Art Gallery of Ontario, der Skydome, das Aquarium, das Air Canada Centre dürfen natürlich auch nicht fehlen. Ja, und die Niagarafälle sind ja auch nicht allzu weit weg. Mit dem Auto ist man in rund anderthalb Stunden schon da.

Das Eaton Chelsea ist mit seinen 1.590 Zimmern nicht nur das größte Hotel der Stadt, sondern auch des Landes. Wie behalten Sie als Hoteldirektor den Überblick?

Ich habe die besten Mitarbeiter. Ich gebe ihnen die Freiheit, allein Entscheidungen zu treffen. Alles, was ich verlange, ist, dass ich auf dem Laufenden gehalten werde, damit ich den Überblick nicht verliere. Wir bieten sehr gute Einschulungen und Weiterbildungen im Haus und bezahlen auch für eine externe Weiterbildung. Aus diesem Grund haben wir nie Probleme, wenn wir auf der Suche nach neuen guten Mitarbeitern sind. Die Bewerber wissen, dass sie hier etwas lernen und aufsteigen können.

Haben Sie eigentlich viele Gäste aus Deutschland und Österreich?

Die meisten Gäste kommen aus Ontario, die machen rund 50 Prozent aus. Aus dem Rest des Landes weitere 10 Prozent, ebenso viele aus den USA. Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen rund 8 bis 10 Prozent der internationalen Gäste. Aber Deutsch hört man bei uns eigentlich immer im Hotel, denn die Crews von Austrian Airlines und der Lufthansa sind quasi Dauergäste bei uns.

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