Die Währung ist meistens nicht nur der erste Kontakt. Sie ist regelrecht eine Visitenkarte des Landes, auf der es sich präsentiert; mit seinen Persönlichkeiten, seinen Werten und seiner Geschichte. Wir verraten, was es mit den Geldscheinen der Bahamas auf sich hat.

Wer die Ferien in der Heimat oder in den meisten europäischen Nachbarländern verbringt, kennt sie nicht mehr, diese Art der ersten Kontaktaufnahme mit dem Urlaubsland – eine Begrüßung per Handschlag quasi. Anders ist es bei Fernreisen, da gibt es sie noch, die Freude aufs Urlaubsziel, die den Reisenden schon beim bloßen Anblick der Landeswährung überfällt.

Die Bahamas-Geldscheine erinnern an ein »Gruppenbild mit Dame«: Als einzige Frau überhaupt ist Königin Elizabeth II. gleich auf vier Banknoten präsent.

Queen Elizabeth auf Bahamas-Geldschein

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Nicht ohne Grund, denn die Bahamas sind zwar seit 1973 Inselstaat und unabhängig von der britischen Krone, aber Mitglied des Commonwealth of Nations und erkennen daher ihre Majestät als Staatsoberhaupt an. Sie ziert die Vorderseiten des halben Dollars, des 3-Dollar-Scheines, des 10-Dollar-Scheines und des größten Scheins, der 100-Dollar-Note. Die weiteren Personen auf den Bahamas-Geldscheinen gleichen einer Rittergarde rund um die Königin. Vier ehemalige Politiker der Bahamas, die alle von der Queen geadelt wurden, zieren das Konterfei der restlichen Scheine.

Premierminister a.D. auf den 1- und 50-Dollar-Scheinen

Der bedeutendste unter ihnen ist Sir Lynden Oscar Pindling, der auf dem 1-Dollar-Schein zu sehen ist. Er wurde 1967 der erste schwarze Premierminister der Inseln und führte die ehemalige britische Kronkolonie 1973 in die Unabhängigkeit. Bis 1992 war er außerdem der erste Premierminister des Commonwealth der Bahamas. Pindling galt als „Vater der Nation”, der sich für die Gleichheit der Bahamaer einsetzte. Er führte eine Bürgerversicherung ein und gründete ein College auf den Bahamas. Außerdem gab der überzeugte Anglikaner ein Drittel seines Einkommens an die Partei und ein Zehntel an die Kirche ab. Volksnähe demonstrierte Pindling selbst nach seinem Tod, indem er seine letzte Ruhestätte auf dem öffentlichen Friedhof der St. Agnes Anglican Church in Nassau wählte. Zehntausende Bahamaer säumten die Straßen, als der Trauerzug vorbeizog.

Pindlings Vorgänger (Premierminister von 1964 bis 1967) Sir Roland Theodore Symonette, ist auf dem 50-Dollar-Schein verewigt. Als Autodidakt, wurde durch Rumlieferungen nach Amerika zu Prohibitionszeiten reich und investierte sein Geld in Schnapsläden, Grundbesitz und eine eigene Werft. Von 1955 bis 1964 stand er an der Spitze der bahamaischen Regierung und wurde anschließend der erste Premierminister der Bahamas. Später scheiterte er durch einen Korruptionsskandal, in dem er zusammen mit anderen Parlamentsmitgliedern bezichtigt wurde, große Summen von US-amerikanischen Kasinos als Gegenwert für eine Glückspiellizenz erhalten zu haben. Symonette wurde 1980 auf seinem Familienfriedhof in Green Roofs, in Nassau begraben. Auch er wird für seinen Einsatz für die Bevölkerung verehrt, vor allem für seine wohltätige Großzügigkeit.

Whitfields und Butlers auf den 5- und 20-Dollar-Scheinen

Sir Cecil Wallace Whitfields Konterfei ist auf dem 5-Dollar-Schein abgebildet. Das Gründungsmitglied der Free National Movement (FNM) Partei, die sich 1971 von Pindlings PLP absplitterte, gilt als Gründer der modernen Demokratie auf den Bahamas. Als Bildungsminister gründete er zahlreiche Schulen im ganzen Inselstaat. 1990 verstarb er nach einem Krebsleiden mit nur 60 Jahren in einem Krankenhaus in Miami.

5-Dollar-Geldschein der Bahamas

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Sir Milo B. Butlers Portrait ist auf der 20-Dollar-Note zu sehen. Er war von 1973 bis 1979 zweiter Generalgouverneur der Bahamas und Mitglied im Kabinett von Premierminister Pindling als Minister für Arbeit, Landwirtschaft und Fischerei. Auch er war engagiertes Mitglied seiner Kirche, der St. Matthew’s Anglican’s Church. Nach langer schwerer Krankheit verstarb er 1979.

Landestypisches auf den Rückseiten der Bahamas-Geldscheine

Die Rückseiten der Bahamas-Geldscheine zieren landestypische Motive und Institutionen. Schwester Sarah auf dem Nassauer Strohmarkt (halber Dollar Schein) steht dabei stellvertretend für die einfache Bevölkerung. Die Royal Bahamas Police Force Band zeigt sich auf dem 1-Dollar-Schein als traditionelle Institution. 2013 feierte sie ihr 120jähriges Bestehen. Auf der Rückseite der 3-Dollar-Note ist ein Bild einer Family Island Regatta zu finden. Die 5-Dollar-Note honoriert die Junkanoo-Parade, die jedes Jahr nach Weihnachten stattfindet. Sie geht auf afrikanische Bräuche zurück.

Junkanoo-Parade auf den Bahamas

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Die Rückseite der 10-Dollar-Note zeigt eine Ansicht von Hope Town auf Abaco, die 20-Dollar-Note schmückt ein Bild des Nassau Harbour in New Providence und die 50-Dollar-Note ein Bild der Zentralbank in Nassau. Aus dem Rahmen allerdings fällt der 100-Dollar-Schein. Seine Rückseite ziert ein Blauer Marlin – der Fisch, der einst Ernest Hemingway zur Novelle „Der alte Mann und das Meer” inspirierte. Der weltberühmte Schriftsteller lebte von 1935 bis 1937 immer wieder in Alice Town auf North Bimini und verbrachte viel Zeit beim Fischen. Die Vermutung liegt nah, dass der Blaue Marlin als Mahnung die wertvollste Banknote der Bahamas ziert: Schließlich hat er dem Protagonisten in Hemingways Novelle seine eigenen Grenzen deutlich gemacht.

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