Sanfte Hügel, grüne Rebstöcke und malerische Verschnaufpausen, wohin man schaut. Der Rheingau ist nicht nur ein Paradies für Rieslingliebhaber, sondern auch eines für Wanderer. Das Beste daran: Nach der Weinprobe braucht man ans Auto gar nicht erst zu denken. Text: Andreas Dauerer

Auf der Rieslingroute also

Nein, das ist nichts für bekennende Alkoholiker, der Wanderweg heißt nun einmal so. Richtig, Wanderweg, nicht Trinkweg. Wobei, wenn man es recht bedenkt, dann vermischt sich das schon das eine oder andere Mal auf den insgesamt rund 120 Kilometern, die man zu Fuß den kleinen grünen Schildern mit dem weißen Weinglas folgt. Weinberge schlängeln sich rechtsrheinisch die Hügel hinauf von Lorchhausen bis Wicker am Main.

David Kay

Und wer den weißgrünen Pfaden folgt, der erwandert sich ganz nebenbei eine der schönsten Landschaften Deutschlands. Dass im Rheingau zu 80 Prozent Reben für erstklassigen Riesling angebaut werden, lässt das lukullische Weinwanderherz ganz von selbst höherschlagen. An Weinproben kommt man hier im wahrsten Wortsinne nach gar nicht vorbei. Und man sollte sie auch nicht auslassen.

Dabei hat man als wanderwilliger Urlauber in Hessen die Qual der Wahl bei der Routenwahl.

Das Land buhlt mit ausgesuchten Premiumwegen ganz besonders um seine aktive Urlaubsklientel und macht das ganze Bundesland zu einem kleinen Eldorado für Aktivurlauber. Spessartbogen, Rheinsteig, Bonifatiusroute oder Lahn-Dill-Berglandpfad heißen die Routen, um nur einige wenige zu nennen.

Andreas Dauerer

Aber keiner ist so schön, abwechslungsreich und erfrischend wie der im Rheingau. Wer dann schon mal frühmorgens vor dem Kloster Eberbach steht, die Sonne hat es noch nicht über den kleinen Hang geschafft, und zarter Reif benetzt die Wanderschuhe, der versteht augenblicklich, warum Sean Connery sich hier wohlfühlen musste. Inmitten dieses Idylls nämlich drehte der schottische Schauspieler so manche Szene für einen seiner besten Filme: Umberto Ecos »Der Name der Rose«.

Selbst ausländische Location­scouts wissen offenbar, wo es hierzulande schön ist und wo, ein nicht zu verachtender Punkt, man auch kulinarisch gut versorgt werden kann. Beides ist hier im ehemaligen Zisterzienserkloster aus dem Jahre 1136 kein Problem. Zwar wird das Kloster heute überwiegend als kultureller Veranstaltungsort genutzt, aber Cineasten sollten sich einen Blick in das Mönchsdormitorium nicht entgehen lassen, ehe ganz andere Sinne bei der Weinprobe samt anschließendem Einkehren in der Klostergastronomie gefordert werden.

Der Duft der großen weiten Weinwelt

Nach den ersten Schritten auf der Route in Richtung Schloss Johannisberg hat man spätestens an der Domäne Steinberg den Film gedanklich beiseitegeschoben. Stattdessen spürt man die frische Luft bei jedem Atemzug, manchmal ist es ein säuerlicher Hauch der Reben, der einem den Mund wässrig macht.

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Vögel pfeifen, vereinzelt hört man Traktoren, ansonsten ist es angenehm still, und mit jeder Minute mehr bahnt sich die Sonne peu à peu ihren Weg über die Berge. Das Weingut gilt mit seinem 2008 eröffneten und durchgestylten Weinkeller als eines der modernsten in ganz Europa. Altes Fachwerk nimmt Stahl und Glas wie selbstverständlich auf, und die preisgekrönte Architektur schmiegt sich wunderbar an die sanfte Hügellandschaft.

30 Hektar haben die Reben hier, um zu wachsen und irgendwann später als wohlschmeckender Riesling auf dem Tisch zu landen. Weinberge, wohin das Auge blickt, Weinstock an Weinstock, Rebe an Rebe. »Ein, zwei Trauben mal stibitzen, da regt sich kein Winzer auf«, sagt Wanderführerin Frau Nägler, die uns heute begleitet. Und man sollte das auch ein-, zweimal gemacht haben, damit man sich ins Gedächtnis ruft, wie die Frucht tatsächlich schmeckt, ehe man sie in flüssiger Form zum zweiten Frühstück am Schwarzen Häuschen bekommt. Denn diese Pause ist für jeden Wanderer Pflicht, hat man doch von hier nicht nur den schönsten Ausblick über den ganzen Rheingau, sondern auch noch die Gelegenheit, einen ersten Riesling samt deftiger Brotzeit in bester Atmosphäre zu genießen.

Roter Riesling

Maja Petric

Dem Wein auf der Spur

Beschwingt geht es dann weiter in Richtung Rhein, hinab nach Hattenheim. Von Weitem sieht man schon die gleichnamige Burg und das Schloss Reichartshausen. Wir aber wollen gemütlich zwischen Weinbergen zum Schloss Vollrads in Oestrich-Winkel wandern. Seit Jahrhunderten schon wird dort Wein angebaut, genauer seit 1211.

Und im Jahre 1330 bekam das Schloss auf römischen Grundfesten seinen markanten Viereckturm, der inmitten eines quadratischen Weihers steht und wo nach wie vor ein Teil der Ernte gelagert wird. Das eigentliche Herrenhaus und weitere Anbauten wurden erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts erbaut. Heute ist das Schloss Vollrads vor allem ein beliebtes Ausflugsziel, nicht nur für Urlauber, sondern auch für hiesige Tagesausflügler. Natürlich kann man auch hier eine Führung durch den Weinkeller samt Verkostung machen. Oder im Gutshaus in gediegenem Ambiente erstklassig essen. Kein Wunder, dass das Schloss auch einen würdigen Rahmen für allerlei andere Veranstaltungen wie etwa Hochzeiten oder Familienfeiern bildet.

Mr Hicks46/flickr.com

Aber auch wir Wanderer kommen unter dem Sonnenschirm auf der Schlossterrasse auf unsere Kosten. Die Weinkarte ist vollgepackt mit der eigenen Weinkelterei, und auch das Mittagessen lässt nur wenige Wünsche offen. Klassischer Zwiebel- oder französischer Flammkuchen steht etwa ebenso auf der Karte wie Räucherlachs, Saiblingsfilet oder Schweinebäckchen. Ehe man sich’s versieht, ist man beim dritten oder vierten Schoppen Wein angelangt und sticht die Gabel in den lauwarmen Apfelstrudel. Da kann die Zeit schon einmal ungewollt schnell vorbeifliegen. Das erste Rieslingweingut der Welt im Schloss Johannisberg samt seiner berühmten Spätlese jedenfalls muss noch einen Tag auf uns warten. Mindestens.

 

Infos. Die Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH hilft mit weiteren Informationen rund um den Rheingau weiter. Tel.: 06723 995 50, www.kulturland-rheingau.de

Lage. Der Rheingau verläuft sich von Flörsheim am Main über Wiesbaden, Eltville, Rüdesheim bis Lorch am Rhein. Der Rieslingpfad erstreckt sich insgesamt etwa 120 Kilometer rechtsrheinisch entlang der Weinberge.

Reisezeit. Die beste Wanderzeit ist von April bis Oktober. Im Frühjahr beginnt die kulinarische Saison mit den Rheingauer Schlemmerwochen und im Anschluss folgt ein Weinfest dem nächsten. Infos unter www.rheingau.de

Sehenswertes. Klöster und Schlösser säumen den gesamten Weg: Kloster Eberbach, Schloss Vollrads, Schloss Johannisberg, Kloster Marienthal und Kloster Eibingen.

 

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