Eine Region im Dornröschenschlaf und ein Reeder mit einer Vision ­– im westlichsten Zipfel der Peloponnes schuf er eine Luxusdestination mit hohem ökologischen Anspruch. Willkommen im »The Romanos«. Text: Ulrike Klaas

Einen alten Baum verpflanzt man nicht? Für Vassilis C. Constantakopoulos, eher bekannt unter dem Namen »Capitano«, trifft das zu. Der 73-jährige griechische Reeder ist tief verwurzelt in seiner Heimat in Messenien. Eine ursprüngliche und kraftvolle Region, wo Traktoren zwischen den Dörfchen, zwischen Melonen- und Tomatenfeldern die von Schlaglöchern gespickte Straße entlangruckeln. Ein Ort, wo der Gesang der Zikaden den Tag ankündigt. Sozusagen ein Dornröschen, das sich noch im Tiefschlaf befindet. Vassilis Constantakopoulos ist der Prinz, der versucht, es wachzuküssen. Seit 1984 rüttelt und schüttelt er. Kauft Grundstücke und ruft das Projekt Costa Navarino ins Leben, um aus der verschlafenen Küstenregion ein Urlaubsparadies zu machen. Und holte Premiumhotelketten wie Starwood mit ins Boot.

Eine Stunde dauert die Fahrt vom Militärflughafen in Kalamata zur Küste Messeniens. Auf dem Weg kommt man an akkurat aufgereihten Weinreben, die sich die steinigen, aber üppig grün bewachsenen Berge hinaufziehen, vorbei sowie an Tausenden knorriger Olivenbäume und ab und an einem Dörfchen mit den so typischen weißen Häuschen. Später, wenn man den ersten Blick auf das tintenblaue Meer erhascht, ist es nicht mehr weit bis zu The Romanos, dem zur Starwood Luxury Collection gehörenden ersten Luxusresort der Costa Navarino.

Man fühlt sich wie auf der Brücke eines Containerschiffes, den Horizont stets im Blick

Eindrucksvoll ist die Empfangshalle. Mit weißen einladenden Sofas und einem goldenen Teleskop, das zum Ionischen Meer und den Dünen hin ausgerichtet ist. Tritt man an die Brüstung, breitet sich das The Romanos vor den Gästen aus. Fast ist es wie auf der Brücke eines Containerschiffes, den Horizont immer fest im Blick, während einem die laue Brise um die Nase weht.

Auch im Re­sort ist alles zum Meer hin ausgerichtet – ob die elegant und modern eingerichteten Zimmer oder die Bar, die schnörkellos schick mit hellen Möbeln ausgestattet ist und von ihrer Form sowie der Decke aus dunklen schweren Holzbalken an ein altes Schiff erinnert. Von der Terrasse aus genießt man einen herrlichen Blick auf die Poollandschaft, die von weißen Daybeds und grünen Rasenflächen umsäumt ist. Linker Hand befindet sich sozusagen die Dorfmitte, das Zentrum mit edlen Boutiquen mit Desig­nerware, Café, Restaurants, luxuriösem Spa und dem Konferenzzentrum. Das Westin, eher ein Familiehotel, schließt sich direkt hinter dem großen, in den Himmel ragenden Bibliotheksturm an.

18-Loch-Platz mit Signature-Qualitätssiegel

Das alles zählt zu Navarino Dunes: eben ein Dorf für 2300 stetig wechselnde Einwohner. In den nächsten Jahren kommen noch drei andere Gelände mit weiteren Fünf-Sterne-Resorts, Privathäusern und Villen hinzu sowie insgesamt fünf Golfplätze. Der erste 18-Loch-Platz, der Navarino-Dunes-Platz, ist spielbereit. Passiert man die Schranke zur Costa Navarino, liegen links und rechts der Straße die Flaggen, Greens und Fairways. Es ist der erste 18-Loch-Platz mit Signature-Qualitätssiegel in der Region.

Der Designer? Golflegende Bernhard Langer. Luxusurlauber sind eben oft auch Golfer, und das Klima an der Küste ist perfekt: im Sommer kühler als beispielsweise das Golfeldorado Mallorca und im Winter milder. 2016 soll das gigantische Projekt Costa Navarino fertig sein. Aber keine Sorge: von den Bauarbeiten sehen Urlauber höchstens einen vorbeirauschenden, mit Split beladenen Lkw, denn die einzelnen Gelände liegen verstreut an der Küste und in den umliegenden Hügeln. Von den insgesamt 1000 Hektar Gesamtfläche sollen nur zehn Prozent bebaut werden.

5500 Olivenbäume hatten sie ausgegraben und vorübergehend verpflanzt

Nachhaltiger landschaftsverträglicher Luxustourismus – so lautet das Credo. »Luxusurlaub und Ökologie stehen nicht im Widerspruch«, sagt Vasilis Karakousis, Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanager der Temes, der ausführenden Firma, deren Mehrheitsinhaber die Familie Constantakopoulos ist. Dabei liegt die ökologische Messlatte auf Olympiarekordhöhe. Gigantische Solaranlagen, eine biologische Abwasseraufbereitungsanlage, zwei künstlich angelegte Seen, die 700000 Liter Regenwasser auffangen und die völlige Unabhängigkeit vom kommunalen Wassernetz sichern, sowie ein energiesparendes Geothermiksystem.

»Wir haben 150 Kilometer Röhren unter den Rasen des Golfplatzes verlegt«, erzählt Manager Karakousis.

Es sei das größte System seiner Art in Europa. Im Sommer kühle es die Räume, und im Winter heize es sie auf. Auch an die Schäden, die die Bauarbeiten in der Natur anrichten, haben der Nachhaltigkeitsmanager und seine Leute gedacht. 5500 Olivenbäume haben sie auf dem 130 Hektar großen Areal von Navarino Dunes ausgegraben und vorübergehend verpflanzt. Nun wachsen und gedeihen sie wieder an ihrem angestammten Platz und prägen das Gesicht des Resorts.

Mit den Olivenbäumen ist es wohl wie mit Capitano Constantakopoulos selbst. Mit 18 Jahren verließ er Diavolitsi, sein Heimatdorf im Osten Messeniens, und heuerte als Matrose an. Gut 50 Jahre später hat er es zu einer der größten Containerflotten der Welt gebracht und ist Großgrundbesitzer. Die Verpflanzung war wohl nur ein kurzer Abstecher, um Neues zu ermöglichen.

Anreise. Air Berlin fliegt von Mai bis Oktober immer donnerstags nonstop von Nürnberg nach Kalamata, mit Anschlussflügen von Berlin, Hamburg und Düsseldorf. Oder mit Lufthansa nach Athen, die Airline fliegt einmal täglich die Hauptstadt an.

Hotels. The Romanos ist seit Mai dieses Jahres geöffnet. Eine Nacht im DZ ab 230 Euro p. P. Das Westin liegt in derselben Preiskategorie. Buchungen unter Tel.: +800 325 45454 oder unter www.starwoodhotels.com

Ausflüge. Die Region ist wunderschön und Ausflüge lohnen. Die hübsche Provinzhauptstadt Pylos ist in circa 20 Autominuten erreichbar. Ebenso wie das Naturreservat mit der Lagune von Gialova, wo eine Chamäleon-Art lebt, die einzigartig in Europa ist.