Man nehme ein englisches Schloss im Tudor-Stil, ein Baumhaus und ein Spa der Extraklasse, setze es vor die Zugspitze und schaue was passiert. Erholung. Und zwar vom Feinsten. Willkommen im Kranzbach-Hotel in Garmisch-Partenkirchen. Text: Jennifer Latuperisa-Andresen

Es ist das Jahr 1913, als die  Engländerin Mary Isabel Portman in die Alpen reiste und den irrwitzigen Entschluss fasst, hinter Garmisch-Partenkirchen ein Country House im Tudor-Stil auf eine bayerische Wiese zu bauen. Wie diese unverheiratete, adelige und durchaus eigenwillige Dame damals in das doch versteckte Elmauer Hochtal kam, weiß keiner. Aber es gefiel ihr so gut, dass sie sich die 130.000 Quadratmeter (!) große Kranzbachwiese kaufte und ein Schlösschen errichtete. Leider kam dann der Erste Weltkrieg dazwischen. Das Haus wurde zwar fertig, aber wegen des Krieges musste Frau Portman flüchten. Sie kehrte nicht mehr zurück.

Nun schreiben wir das Jahr 2017 und aus dem verlassenen Schloss ist ein Hotel und Wellness-Refugium geworden. Genannt »Das Kranzbach«. Besser kann ein Ort der Einkehr nicht liegen. Schöner kann eine Atmosphäre gar nicht sein. Das ist keine Lobhudelei. Das ist schlichtweg die Wahrheit. Hier wird auch die gestressteste Seele in den Einklang mit der Natur geführt. Aber dazu Schritt für Schritt.

Bad im Wald

Schon Hildegard von Bingen wusste. »Es gibt eine Kraft aus der Ewigkeit. Und die ist grün«. Achtung, dies verkommt jetzt nicht zu einem esotherischen Wir-wollen-alle-Bäume-umarmen-Text. Das Hotel hat sich den Biophilia-Effekt angesehen und möchte mit ihrem Konzept dagegen steuern. Bei diesem Effekt geht es darum, dass Forscher herausgefunden haben, dass Menschen, die sich eh zu wenig bewegen und einer erhöhten Feinstaub-Belastung ausgesetzt sind, unter dem Lärmpegel einer Stadt leiden und von den steigenden Anforderungen im Berufs-und Privatleben am besten im Wald Erholung finden.

Die Japaner nennen das Waldbaden (shinrin-yoku) und das ist dort eine anerkannte Therapiemethode. Und genau hier setzt das Hotel auf die Wirkung seiner Lage. Das fängt mit der großen Kranzwiese an, die voller Berg-Blumen und Kräutern steht. Daran schließen sich weite Wälder zu Füßen des Kranzberges und der Zugspitze an. Lange Spaziergänge, Wanderungen und Nordic-Walking-Touren, die vom Hotel angeboten werden, unterstützen das Konzept. Ein Highlight: Die Yoga-Holz-Plattform mitten im Wald. Dr. Christine Müller, ärztliche Leiterin des Spas im Kranzbach, erklärt: »Der Wald wirkt wie ein Therapeutikum. Der gast wird Teil des Kraftfeldes, kann neu auftanken und sich ausbalancieren.«

Unterwegs auf Wahrnehmungspfaden

Der Pfad zu sich kann jedoch auch kein leichter sein. Zumindest wenn man auch daheim nicht die Sportskanone ist und die Tüte Chips den Joggingschuhen vorzieht. Doch das Kranzbach hat Überzeugungskraft und das Aktivprogramm zahlreiche attraktive Punkte. Wie wäre es also mit Nature Running?

Die Natur mit allen Sinnen genießen und den die Eindrücke ins Ich aufsaugen – das klappt am besten abseits der asphaltierten Straßen, beispielsweise auf dem weichen Waldboden. Mit Anweisungen und professioneller Begleitung wird gejoggt und es gibt Einheiten, die innehalten lassen. Beispielsweise an Wahrnehmungspfaden oder Körperübungen auf einer Lichtung, um sich selbst zu spüren. Am Ende läuft der Gast barfuß, um sich zu erden oder macht Achtsamkeitsübungen, um der Ruhe einen Platz zu geben. Das Handy wird auf dem Zimmer gelassen. Und es wirkt. Garantiert.

Doch keine Sorge, man darf im Kranzbach auch alle Viere von sich strecken. Vielleicht sogar recht extravagant. Beispielsweise in dem Baumhaus, das 100 Metern entfernt vom Hotelkomplex in den Wald gebaut wurde. Und dabei handelt es sich um ein echtes romantisches Hideaway. Mit 50 Quadratmeter Wohlfühlfläche, einer XXL-Badewanne mit Blick auf die Baumwipfel und einer Terrasse mit Kuschelliege.

Kein Hipster-Schnickschnack

Ach ja, und das Hotel selbst? Das ist zauberhaft. Zauberhaft charmant. Kein Hipster-Schick, sondern ganz authentisch. Das Äußere passt zum Inneren und umgekehrt. Auch wenn der Oma-Schick am Anfang gewöhnungsbedürftig ist. Wer sich darauf einlässt, wird selbst in den großen Sofas vor dem offenen Kamin im blauen Salon ein tiefes Wohlgefühl bei einer Tasse Tee empfinden. Vom Spa – oder Badehaus – ganz zu schweigen. Denn hier lässt sich blendend ausruhen. Und wer seinen Bademantel dann doch irgendwann mal verlassen will, der wird kulinarisch verführt.

Das beginnet schon am Morgen, beim großen Frühstücksbüffet mit den selbst gemachten Marmeladen, geht über zu den superleckeren Kuchen am Nachmittag und findet seinen fulminanten Abschluss beim Fünf-Gänge-Menü am Abend. Ach ja, wüsste nur Mary Portman, welche Erholungsoase aus ihrem Landsitz geworden ist. Sie könnte stolzer nicht sein.

Info. »Das Kranzbach«, vier Sterne, 82493 Kranzbach bei Garmisch-Partenkirchen, Tel. 08823/92800-0, Fax 92800-900, DZ im Mary Portman House ab 133 Euro pro Person inklusive Halbpension, im Gartenflügel ab 143 Euro pro Person inklusive Halbpension.

Unbedingt: Eine Entspannungsmassage im Spa buchen. Danach bekommt man ein Kissen mit warmen Kräutern um den Hals gelegt und eine heiße Milch mit Honig serviert.

Achtung: Sehr schlechter Handyempfang. Das wollten die Erbauer so, weil die Hotelanlage elektrosmogfrei sein sollte. Daher sind die Neubauten wie ein »Faraday’scher Käfig« konstruiert worden. Nervt manchmal, aber ist ja irgendwie auch ganz schön. ​

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