In Malmö öffnete gestern das »Disgusting Food Museum« seine Pforten. Disgusting? Ganz richtig gelesen. Die präsentierten »Köstlichkeiten« sind nichts für schwache (Geschmacks-)Nerven … Text: Kirsten Bungart

Keine Sorge, hier sind nicht Liveschlachtungen die Hauptattraktion. Für Vegetarier ist der Museumsrundgang jedoch trotzdem kein Zuckerschlecken. Bereits am Eingang werden sonderbare, naja, vielmehr schauerliche Häppchen gereicht. Dieses Museum ist nichts für empfindliche Mägen.

Was ist schon »normal«

Nur wenige Gehminuten vom Bahnhof Malmö entfernt, präsentiert die Ausstellung mit achtzig ungewöhnlichen Speisen aus aller Welt die Essgewohnheiten anderer Kulturen.

gebackenes Meerschweinchen

Anja Barte Telin

Denn was bei den einen Übelkeit erzeugt, ist für andere das tägliche Brot – und völlig normal. Normal scheint hier allerdings gar nichts. Jedenfalls nicht für das europäische Auge. Denn was einen hier erwartet, sind eher kulinarische Geister. Ein Besuch des Museums dürfte in jedem Fall ein interessanter Familienausflug mit garantiertem Diskussionsstoff werden. Aber der Reihe nach …

Die Highlights der Ausstellung sind: die nach Abwasser duftende Durianfrucht, der verfault riechende Stinkefisch, genannt Surströmming, und das gegrillte Meerschweinchen. Wobei: sich hier auf die Highlights festlegen zu müssen, dürfte nicht leicht fallen. Eine Köstlichkeit übertrifft die andere Delikatesse. Allerdings in punkto Ekel.

Ekel überwinden für Nachhaltigkeit

Mit Ekel ist das so eine Sache. Das findet auchder Erfinder des Museums, Dr. Samuel West. »Was genau wir abstoßend finden, liegt nicht in unseren Genen, sondern in der jeweiligen Kultur«. Damit spricht er den ersten Hintergrund der Ausstellung an. »Ekel ist eine der Grundemotionen des Menschen«. Doch während kulturelle Unterschiede oft Grenzen schaffen, kann ein gemeinsames Essen verbinden. Die Mahlzeiten zu teilen, beweist den Respekt und die Akzeptanz gegenüber der jeweiligen Kultur.

»Wir müssen unsere Vorstellung von Ekelessen überdenken, wenn wir uns nachhaltig ernähren wollen«

Dabei verweist Dr. Samuel West auf eine Fleisch-Alternative: Insekten als Proteinquelle. Was für uns im ersten Moment sonderbar klingt, ist in der Forschung schon längst Alltag. Das Zukunftslabor Space10 werkelt beispielsweise für den Möbelriesen Ikea an einer Köttbullar-Alternative aus Mehlwürmern und Algen. Und da ist Ikea längst nicht das einzige experimentierfreudige Unternehmen. Es hat sich ein regelrechter Wirtschaftszweig um die Herstellung ökologisch nachhaltiger Nahrung gebildet.

Madenkäse, Mäusewein und Co.

Doch nun noch einmal zum schwedischen Museum der ekelhaften Speisen. Was genau ist eigentlich zu sehen? Neben den bereits vorgestellten Highlights gibt es erschreckend liebevoll platzierte »Gerichte« wie den Stierpenis, Mäusewein mit toten Babymäusen, Madenkäse und vieles mehr.

Tote Fledermaus auf Salatblatt und Teller

Anja Barte Telin

Mit liebevoll angerichtet ist gemeint: eine tote Fledermaus auf Salatbouquet. Hier wird relativ zurückhaltend die Fledermaus-Suppe aus Palau angedeutet. Zurückhaltend deswegen, weil die Fledermaus in der Schüssel samt Suppe sogar noch ekeliger aussieht, als es sich eh schon anhört. Im Vergleich dazu sieht der kleine Vampir auf Salatblatt sogar noch ganz hübsch aus …

Wer einmal dieses Dschungelcamp-Feeling erleben, oder seine Grenzen des Ekels überwinden möchte: Bis zum 27. Januar 2019 ist das alte Schlachthaus eine kulinarische Erfahrung der Extreme. Noch mehr außergewöhnliche Museen findet ihr hier.

 

 

 

 

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