Im Berliner Hinterhof braut Manu Kumar Bio-Tee nach traditionellen indischen Rezepten. Dabei folgt er seinem Credo: drink global – brew local. Text: Jennifer Latuperisa-Andresen

Manu Kumar ist ein unerbittlicher Perfektionist: Eigenhändig mahlt und röstet er die frischen, wertvollen Teegewürze aus aller Welt wie Anis, Muskat, Zitronengras oder Himalaya-Salz. Begießt seine kostbaren Schätze mit energetischem Wasser, fügt frische Minzeblätter oder Orangenscheiben hinzu. Kocht den vitalisierenden Sud auf den Punkt. Füllt die fertigen Tees ab, liefert die kostbare Ware selbst aus. Sogar die Etiketten klebt er selbst. Er scheut keinen Handgriff. Dabei kopiert er nicht einfach nur die indische Teekultur, um ein weiteres Kultgetränk für die Berliner Schickeria zu servieren. Und auch das Bio-Siegel ist für ihn kein hohles Marketinginstrument.

Nur die erlesensten Zutaten sind ihm gerade gut genug. Noch zu Beginn seiner Experimentierphase ließ er notgedrungen typische Bio-Teegewürze wie marokkanische Nana-Minze oder Zitronengras aus Fernost importieren, da er die gewünschte Qualität in Deutschland nicht auftreiben konnte; bereits ein Jahr später erntet er nun vor den Toren Berlins – also ganz lokal – seine eigenen Bio-Kräuter.

Manu beim Tee produzieren

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Manu Kumar ist viel herumgekommen. Er selbst sagt, die Welt sei sein Zuhause. Eine Kultur, die er bereits mit in die Wiege bekam. Sein Vater, ein indischer Arzt, die Mutter Ostpreußin aus Königsberg. Die Familie reiste, um Freunde zu besuchen und sich kulturell zu bilden. Manu Kumar war deshalb schon als Kind mittendrin und überall daheim. Um seine Wurzeln aufzuspüren, lebte er in Indien. Architektur studierte er in Japan, wo er auch seine Frau kennenlernte. Und in Australien ging er einst zur Schule. Am meisten beeindruckte ihn die jeweilige landestypische Teekultur, das Zelebrieren von jahrhundertealten Ritualen.

Die Wertschätzung für frische Gewürze und deren Einwirken auf den menschlichen Organismus.

Tee, so erzählt er mit einem Leuchten in den Augen, sei von jeher Bestandteil seines Alltags gewesen. Und auch die Zusatzausbildung seines Vaters, der zwar Mediziner nach westlichem System war, aber zudem ayurvedisch tätig war, prägte seinen Hang zu Kräutermischungen jeglicher Art. All sein Wissen, seine Experimentierfreudigkeit, auch seine Unangepasstheit meint man aus den verschieden Teevariationen herauszuschmecken. Nach seinen Reisen ließ sich der Weltenbürger in Berlin nieder, um alte und neue Werte, Philosophien und Traditionen in einen harmonischen Einklang zu bringen.

Teeoase in Berlin

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Die Philosophie, die dahintersteckt, und ja, Tee ist hochphilosophisch: Die vielfältigen Teekreationen sollen den menschlichen Geist entschleunigen und beleben. Kumar hat neue Kunstwerke geschaffen – Stücke, die nicht auf der Leinwand existieren, sondern in Glasflaschen aus der Apotheke daherkommen.

Open when open

Die Teemanufaktur liegt im Herzen von Kreuzberg in einem ruhigen, versteckten Hinterhof. Kein Schild, keine Reklame weist darauf hin. Man muss ihn suchen, um ihn zu finden. Aber nicht, weil er seine Geschäftsidee nicht ernst nimmt, ganz im Gegenteil. Seine Hauptenergie steckt in diesem Projekt. Und es treibt ihn an – pausenlos. Tag und Nacht.

Teemischung Eden Politt

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Und dennoch ist er die Ruhe selbst. Vielleicht sogar ein wenig stoisch. Mit Esoterik hat der bekennende Yogi und Vegetarier nicht viel am Hut. Kumar liebt krasse Gegensätze und bringt zusammen, was nicht so recht zusammenpassen mag: Auf Partys oder in Szenebars kredenzt er seine Bio-Eistees auch gerne unkonventionell mit einem guten Wodka oder Cointreau. Unangepasst scheint auch das Schild vor seinem Studio: »open when open«. Aber eigentlich trifft man ihn doch immer in seinem »tea house« beim Werkeln. Dabei hat er kühne Pläne: Bald schon will er seine hochwertigen Teekreationen in New York anbieten. Denn auch dort lebt man rasant und sehnt sich doch eigentlich nach Gelassenheit und Ruhe.

Teearomen, die auf der Zunge tanzen

In seinem puristischen Kreuzberger Hinterhofstudio braut Manu Kumar seit 2012 hocharomatische Eistees nach traditionellen Rezepturen. In den Sommermonaten verkauft er erfrischende Teevariationen wie Tuareg Mint Tea oder Lemon Grass Tea. Im Winter serviert Kumar wärmenden Indian Masala Chai nach ayurvedischem Rezept in Samowaren.

Das Rezept dafür stammt von seinen Vorfahren.

Die Tees aus der ManuTeeFaktur sind bis jetzt ausschließlich im Berliner Raum erhältlich. Die Getränke stehen unter anderem bei Bio Company, in kleinen Szenebars oder in schicken Designhotels. Sein neuester Clou sieht nicht nur absolut stylisch aus, sondern lässt zudem herrlich belebende Teearomen auf der Zunge tanzen: Ab September 2013 vertreibt Manu Kumar handgeröstete, Raw-getrocknete Teemischungen wie Indian Masala Chai Tea über seine Website. Wer Expansionspläne für New York hat, nennt die Teemischungen natürlich international verständlich, ganz nach seinem Credo: »drink global – brew local«.

Info. Paul-Lincke-Ufer 44a/zweiter Hof, Berlin Kreuzberg, www.ManuTeeFaktur.com

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