Seit dem 15. Juni dieses Jahres dürfen Telekommunikationsunternehmen keine zusätzlichen Gebühren mehr für Gespräche, SMS oder mobile Internetnutzung aus dem EU-Ausland nach Deutschland erheben. Ganz so selbstverständlich ist das allerdings nicht für einige Kunden des Telekommunikationsunternehmens Telefonica.

Die Sache ist eigentlich klar: Seit Mitte Juni kostet Telefonieren, SMS schreiben und Surfen im EU-Ausland so viel wie zu Hause. Beim Telekommunikationsunternehmens Telefonica ist das allerdings nicht bei allen Kunden automatisch so. Bestimmte Kunden des Unternehmens sollen von dem Wegfall der Roaminggebühren erst dann profitieren, wenn sie zuvor eine SMS an ihren Anbieter geschickt haben. Diesen aktiven Wechsel müssen all jene Kunden vollziehen, die bislang keinen regulierten EU-Roaming-Tarif des Anbieters haben.

EU-Roaming bei O2: SMS an die 65544

»Alle O2 Kunden können ab dem 22.05.2017 den Wechsel in den regulierten EU-Roaming-Tarif per SMS vornehmen. Hierfür schickst du bitte eine SMS mit dem Kennwort „JA“ an die 65544. Du wirst dann automatisch auf den regulierten Tarif umgestellt. Nach erfolgreicher Umstellung erhältst du eine Bestätigungs-SMS«, informiert O2 auf seiner Internetseite. Das stößt bei der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf Kritik. Sie will Telefonica dieses Vorgehen gerichtlich untersagen lassen.

»EU-Roaming gilt aus Sicht des vzbv automatisch und nicht erst, wenn Verbraucher ihren Telefonanbieter darum bitten. Wir sehen uns darin durch öffentliche Erklärungen der Europäischen Kommission bestätigt«, sagt Heiko Dünkel,  Rechtsreferent beim vzbv. »Nach einer erfolglosen Abmahnung wird der vzbv deshalb nun gerichtliche Schritte gegen O2 einleiten«, kündigt Dünkel an.

O2: »Wollen Kunden die freie Wahl lassen«

Jörg Borm, Telefónica-Pressesprecher, weist die Kritik der vzbv gegenüber reisen EXCLUSIV zurück: »Wir haben mit der Bundesnetzagentur vorher über unseren Weg gesprochen und von dort grünes Licht erhalten. Wir wollen denjenigen Kunden, die sich vor dem 15. Juni bewusst für einen alternativen Roaming-Tarif entschieden haben, die freie Wahl lassen. Der Kunde als mündiger Bürger soll selbst entscheiden, welcher EU-Auslandstarif zukünftig für ihn gelten soll.« Borm nennt als Beispiel Kunden, die sich bereits früher für einen EU-Auslandstarif entschieden hätten und bei einer Umstellung auf die neue EU-Roamingverordnung unter Umständen Nachteile hätten. »Das gilt beispielsweise für Kunden, die bisher die EU-Flat nutzen. Die Schweiz ist kein EU-Land, aber in dieser Flat enthalten und sie würde bei der Wahl von Roam-like-at-home entfallen. Darüber hinaus haben die Kunden auch bei einer Reise gegen Ende des Monats das enthaltene Datenvolumen on top, beim »Roam-Like-At-Home«-Modell der EU dagegen nicht«, sagt Borm.

»Roam-Like-At-Home«  – für Telefongespräche und Internetsurfen so viel zahlen wie zu Hause: Das war die Idee des europäischen Gesetzgebers. Danach sollten Anbieter den beschlossenen Roaming-Tarif automatisch anwenden, damit Kunden ohne zusätzliche Gebühren im EU-Ausland telefonieren und surfen können. Verbraucher müssten, unabhängig von ihrem Tarif, nicht selbst aktiv werden, so die Auffassung der vzbv. Der Knatsch um das EU-Roaming bei O2 dürfte also bald die Gerichte beschäftigen.

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