Wer nach Vietnam reist, hat ein strammes Programm: Hue, Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt, Tausende von Inseln, unzählige Tempel und Pagoden. Um dabei nicht aus der Puste zu kommen, heißt es mittendrin: Tempo drosseln, ein paar Tage entspannen und die vielen Reiseein­drücke verarbeiten. Unser Tipp dafür: Nha Trang. Die malerische Küstenstadt gilt als Klein-Nizza Vietnams und liegt eine Flugstunde von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt. Text: Manuela Raudasch

Nicht nur der Strand ist perfekt

Der Sandstrand von Nha Trang ist perfekt, von Palmen gesäumt in einer sanft geschwungenen Bucht. Das Strandleben ist gemächlich, nur früh am Morgens ist hier der Teufel los. Dann treiben die Vietnamesen Sport – Tai Chi, Gymnastik oder Federball auf der Promenade, und das am liebsten in großer Gesellschaft. Manche tauchen auch ein ins Bien Dong, ins Südchinesische Meer, um ein paar Züge zu schwimmen. Ich hingegen sitze, noch schlaftrunken, auf der Bank eines Cyclo und lasse mich gerne von Nguyen entlang der Tran Phu zum Fischmarkt fahren. Er deutet lachend auf ein buntes Grüppchen an der Promenade, das Aerobic macht, und nennt mich freundlich »Honey«.

Fischmarkt

Wir machen Halt auf der Câu Xóm Bông, der Brücke, die die Mündung des Cai überspannt und blicken auf das rege Treiben unter uns. Hier ist ja mindestens so viel los wie auf der Promenade! Dutzende von rot und blau gestrichenen Fischerbooten ankern im Wasser. »Was sind das für komische Körbe, die da bemannt im Wasser schwimmen?«, möchte ich von Nguyen wissen. Palmwedel, die mit Pech abgedichtet wurden! Damit transportieren die Fischer ihren frischen Fang vom Boot zum Fischmarkt. Da möchte ich hin!

Der Weg dorthin ist aber kein schöner. Wir passieren den schmalen Weg entlang der traurigen Baracken runter zum Markt. Dort unten hocken und stehen die Fischverkäufer dicht gedrängt und bieten schreiend ihre glitzernde Ware in bunten Plastik- und Strohkörben feil. Wie schaffen die Vietnamesen es bloß, so lange in der Hocke zu sitzen? Nguyen tippt auf die Uhr, reibt sich den Bauch und zieht mich fort. Zeit für Pho Bò, die bei Vietnamesen beliebte Nudelsuppe. Ich tippe mir auf die Stirn, aber es hilft nichts. Es gibt gleich Reisnudeln in Brühe mit Rindfleisch und frischen Kräutern wie Koriander und Minze – in der nächsten Suppenküche um die Ecke. Zugegeben, Pho Bò schmeckt köstlich, aber doch nicht so früh am Morgen!

Gott, ist das schön hier!

Danach habe ich mir ein europäisches Frühstück verdient. Ich nehme Platz auf der Terrasse meines Hotels, des wunderschönen Ana Mandara, und blicke auf das ruhige Meer. Das kleine kühle Handtuch auf meinem Tisch verströmt den Duft von Lemongras. Von der lauten Hauptstraße, den Autos und den knatternden Mopeds ist hier, direkt am Meer, nichts mehr zu hören. Ich höre nur die Wellen, den Wind in den Palmen und die freundliche junge Frau vom Service: »Coffee or tea?« Gott, ist das schön hier! Nach der letzten Tasse erinnert sie mich an meinen Spa-Termin. Woramon wartet schon auf mich und bettet mich bäuchlings auf meine Spa-Liege. Es duftet nach Orangenessenz. Woramon hat ihr Handwerk, wie fast alle Masseurinnen hier, an der renommierten Massageschule Wat Pho in einem alten Kloster in Bangkok gelernt. Ich wünsche mir eine traditionelle Thai-Massage von ihr. »Do you feel comfortable?«, fragt mich Woramon, während sie ihre starken Ellenbogen einsetzt. Natürlich! Gleich werde ich mich von allem geheilt fühlen und in meiner stillen Sea View Villa in einen tiefen Schlaf fallen.

Evason Ana Mandara

Am späten Nachmittag mache ich mich wieder auf in den Norden der Stadt, zum Tempel Po Nagar, der auf einem Hügel steht und mir noch einmal eine schöne Aussicht auf den Hafen bietet. Po Nagar ist das Wahrzeichen von Nha Trang und eines der bedeutendsten Heiligtümer der Cham, die bis zum 14. Jahrhundert über Zentralvietnam herrschten. Der Nordturm ist mit über 22 Metern Höhe der größte der vier Cham-Türme. Der Tempel ist der Schutzgöttin Po Ino Nagar geweiht, einer Inkarnation Shivas. Ihr zu Ehren gibt es einmal im Jahr ein großes Fest, sagt mein papierner Reiseführer. Die höchsten Priester der Cham waschen dann die Tempelfigur mit Rosenwasser, das wieder aufgefangen und später an die Gläubigen verteilt wird. Sie besprenkeln damit ihre Boote oder ihre kranken Angehörigen. Am Ende wird Po Nagar wieder in ein neues Gewand gehüllt. Derzeit soll sie sechs übereinander tragen.

Ich hingegen trage nur eines, und auch das will ich endlich ausziehen. Ich war heute noch gar nicht im Meer! Mit einem dicken Roman laufe ich die paar Meter runter zum Strand. Die Liege ist für mich und der nette Butler auch. Er wird mir gleich, während ich schon im warmen Wasser plansche, einen »Natural beauty« bringen, einen köstlichen Apfel- und Limonensaft, als kleinen Aperitif vor dem Abendessen. Und ich weiß auch schon, was es geben wird: Als Appetizer »Steam Nha Trang clams«, »Clay pot caramelised seafood« zum Hauptgang und als Dessert »Mango sticky rice with coconut ice cream«. Genau so hatte ich mir meinen Zwischenstopp, meine entschleunigten Tage in Nha Trang, vorgestellt. Woher wissen die das bloß?

ANREISE. Vietnam Airlines fliegt Nha Trang fast täglich ab Frankfurt an. Die Flüge gehen via Hanoi oder Ho-Chi-Minh-Stadt

ÜBERNACHTUNG. Evason Ana Mandara & Six Senses Spa – Nha Trang, Beachside Tran Phu Boulevard, Nha Trang, Khanh Hoa, Vietnam, Tel.: +84 58 352 2222, Fax: +84 58 352 5828
Frühstück ist inklusive. Die Garden Villen liegen jedoch sehr nah an der Hauptstraße, deshalb empfehlen wir die Sea View Villen.
RESERVIERUNG. Tel.: +84 58 352 4705, Fax: +84 58 352 4704, E-Mail: reservations-nhatrang@sixsenses.com

YouTube aktivieren?

Auf dieser Seite gibt es mind. ein YouTube Video. Cookies für diese Website wurden abgelehnt. Dadurch können keine YouTube Videos mehr angezeigt werden, weil YouTube ohne Cookies und Tracking Mechanismen nicht funktioniert. Willst du YouTube dennoch freischalten?