Die Geschichte des deutschen Fußballs steht für große Momente: Das »Wunder von Bern«. Der Sieg über die Niederlande im WM-Endspiel von 1974. Oder der Elfmeter von Andreas Brehme, der 1990 zum Titelgewinn führte. Außerdem sind die Stadien im Ligabetrieb voll, die Fankultur lebt und bei Großereignissen mutieren ganze Städte zu Public-Viewing-Arenen. Grund genug, dem Kult ein Museum zu erbauen. Es steht in Dortmund. Text: Ralf Johnen

Deutschland musste erst Gastgeber des emotional aufgeladenen »Sommermärchens« von 2006 werden, um den Wunsch nach einem eigenen Fußballmuseum zu verspüren. Neun Jahre nach der Heim-WM wurde dieses in Dortmund eröffnet.

Hier, im Herzen des Ruhrgebiets, hat der Deutsche Fußball Bund (DFB) einen 36 Millionen Euro teuren Museumstempel errichten lassen, in dem die Heiligtümer der nationalen Fußballgeschichten fortan publikumswirksam aufgebahrt sind: Das Spielgerät, mit dem das Wunder von Bern zustande gekommen ist. Der Elfmeterpunkt, auf den Brehme 1990 den Ball zum entscheidenden Treffer legen durfte. Aber auch der linke Schuh, mit dem Mario Götze am 13. Juli 2014 das einzige Tor im WM-Endspiel gegen Argentinien erzielt hat.

Geht’s raus und spielt’s Fußball

Rund 1.600 Exponate präsentiert der DFB den Fans auf insgesamt 3.300 Quadratmetern Ausstellungsfläche, wobei besonders verdienstvollen Persönlichkeiten gesonderte Aufmerksamkeit zuteil wird. In seiner Doppelrolle als »Kaiser« und »Lichtgestalt« etwa wird Franz Beckenbauer mit einer Art Altar geehrt, der die Form seiner Rückennummer »5« besitzt.

Doch die Geschichte wird nicht bloß anhand von Gegenständen lebendig. Viel mehr haben die Kuratoren mit Hilfe von 600 Filmen mit einer Gesamtdauer von 25 Stunden die Sternstunden des Sports zusammengeschnitten, die auf 19 Medienstationen übertragen werden. Die Verdienste der sogenannten »goldenen Generation« rundum Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Philipp Lahm werden gar in einer abgetrennten Ausstellung gewürdigt. Hier dreht auch das Museum zu technologischer Höchstform auf, denn die heroischen Aufnahmen der Akteure werden von Beamern auf einen überdimensionalen Ball und auf 20 mal 3 Meter große Textilsegel projiziert.

Elf Spieler sollt ihr sein

Etwa die Hälfte des Museums ist den Verdiensten der deutschen Nationalmannschaft vorbehalten. Die andere Hälfte beschäftigt sich mit dem Vereinsfußball sowie – in kleinen Nischen – mit dem Damenfußball und mit der grauen Vergangenheit der DDR. Wenn der geneigte Besucher sucht, findet er sogar die Stasiakten über Lutz Eigendorf. Der einstige Nationalspieler ist 1983 vier Jahre nach seiner Flucht aus der DDR unter nie ganz geklärten Umständen bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen.

Die dunklen Seiten des Geschäfts aber bleiben aus nachvollziehbaren Gründen eher Fußnoten der Ausstellung. Auch der pünktlich zur Eröffnung des Museums vom Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« geäußerte Verdacht, das Sommermärchen als Initialzündung für den Bau des Museums habe nur mit Hilfe von Bestechungsgeldern in Deutschland stattfinden können, dürfte dem Besucher auf Dauer eher nicht so wichtig sein. Schließlich bewegt er sich in der ebenso bunten wie schnelllebigen Unterhaltungsbranche. Dort gilt: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Und der Ball muss rollen.

Der Standort allerdings ist unweigerlich dauerhafter Natur. Dabei ist die Wahl nach einer Ausschreibung mit Dortmund auf eine Stadt gefallen, die das mit einem Fassungsvermögen von 81.359 Zuschauern größte Stadion des Landes beherbergt. Und das befindet sich mitten im Ruhrgebiet, wo die Vereinsdichte am größten ist und die Fankultur am glaubwürdigsten gelebt wird. Weil der DFB zu Neutralität verpflichtet ist, sind fortan übrigens auch Devotionalien eines Vereins im Zentrum von Dortmund zu sehen, der hier bislang eher unterrepräsentiert war: Schalke 04. In den Vitrinen hängt unter anderen ein Trikot der Gelsenkirchener Lichtgestalt »Señor« Raul.

Deutsches Fußballmuseum. Königswall, 44137 Dortmund Di–So 9–18 Uhr, Eintritt 17/14 Euro, online 15/12 Euro, www.fußballmuseum.de

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