Erdnüsse sind die wichtigste Devisenquelle Gambias. Darauf folgen Fisch und Baumwolle und dann der Tourismus. Wenn es ihn denn gäbe. Text: Karolina Golab

Die Schönheit Gambias … Die einen behaupten, die läge bei den Frauen. In ihren farbenfrohen Kleidern und den farblich abgestimmten, keck gebundenen Kopfschals. Wie gern kauft man ihnen für ein paar Dalasi eine Portion frisch gerösteter Cashew- oder Erdnüsse ab, die sie auf einem Tablett auf ihrem Kopf balancieren.

Die Ornithologen sagen, das Schönste an Gambia seien die Vögel. Farbenfrohe Marabus, Geier, Milane, Blauracken und Kappengeier flattern umher. Kein Vogelbeobachter geht ohne sein Fernglas aus dem Haus, denn im Geäst des Baobab oder in den Mangroven könnte ja ein exotisches Federvieh flattern.

Die Abenteurer, die sich gern fernab des Massentourismus bewegen, schätzen die Natürlichkeit, das Unverfälschte und die Tatsache, dass sie zu den wenigen Touristen zählen, die dieses Land besuchen.

Die Infrastruktur fehlt in Gambia

Aber genau dort liegt das Dilemma. Gambia möchte kein touristischer Hinterweltler sein. Das Land war schon einmal auf Erfolgspfaden. In den 70er-Jahren gab es luxuriöse Hotels, die Besucher kamen, und dann wurden die All-inclusive-Resorts verboten, und der Tourismus blieb fern. Heute möchte das Land aus seinem Dornröschenschlaf erwachen, aber die Infrastruktur fehlt, und die Hotels wirken heute nicht annähernd so luxuriös wie damals.

Aber was ist Gambia eigentlich? In erster Linie überschaubar. Es ist das kleinste afrikanische Land, und es liegt, bildlich gesprochen, wie die Hot-Dog-Wurst im Senegal-Brötchen.

Gambia auf Landkarte

llucky78/Shutterstock.com

Das fast 480 Kilometer lange, aber nur zwischen zehn und 50 Kilometer breite Land wird von dem schlammigen Gambia-Fluss in zwei horizontale Hälften geteilt. Es ist ein friedliches Land. Keine Stammeskonflikte – ganz im Gegenteil: Muslime (90 Prozent) und Christen leben problemlos miteinander ebenso wie die Ethinen der Mandika, Wolof und Manjango.

Fast alles muss importiert werden

Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis will nicht richtig stimmen. Denn bis auf Erdnüsse, Cashewkerne, Baobabmarmelade und Bananen werden fast alle Waren importiert. Sogar der Kaffee. Das macht Gambia nicht gerade zu einem preiswerten Urlaubsziel. Auf alkoholische Getränke wird eine Steuer von 200 Prozent erhoben. Nur der »sumsum«, der einheimische Palmwein, ist steuerfrei.

Gambia ist nicht aufgesetzt, es ist ursprünglich, das merkt man in der Hauptstadt Banjul genauso wie im Landesinneren. Und je weiter man nach Osten vordringt, desto augenfälliger wird die ursprüngliche Seite Afrikas. Hier ticken die Uhren langsamer. Und die GMT-Zeit (die Greenwich Mean Time wird hier von Eingewanderten scherzhaft als Gambia Maybe Time bezeichnet), kann vor allem für Alleinreisende nervenaufreibend sein – weil man nie weiß, ob etwas passiert oder nicht. Ob eine Fähre kommt oder nicht – spielt hier keine große Rolle. Sehenswertes ist ebenfalls schwer zu finden. Weder in der Heimat des Kunta Kinteh (Gambias berühmtester Sohn) noch anderswo entlang des Gambia-Flusses.

Gambia-Fluss

Damian Pankowiec/Shutterstock.com

Die Strapazen sind schnell vergessen

Es bleiben das Wasser, ein paar Kinder (die gern einen Kugelschreiber hätten) und ein Vögel – hier und da. Aber: So tief in der Savanne vergisst man bei dem langsamen Tuckern des Bootes, das sich ganz allein auf dem Gambia gen Sonnenuntergang bewegt, alle Strapazen. Hier spielt es auch keine Rolle, ob Nilpferde aus dem Fluss auftauchen oder nicht. Auch die Hoffnung einigen Schimpansen, die in einem Rehabilitationscamp in der Nähe von Janjanbureh, leben, in die Augen schauen zu können, ist nicht mehr als nur ein Hoffnungsschimmer. Und genau in diesem Moment erscheint das Land ungeahnt schön, mit einer Tüte frisch gebrannter und duftender Erdnüsse in der Hand – das ist »the real Gambia experience«.

Anreise. Am besten mit Brussels Airlines von Brüssel nach Banjul.

Hotels. Es gibt zwei authentische Unterkünfte, geführt von Menschen mit viel Engagement für Gambia, die zu empfehlen sind – Makasutu Culture Forest, Serrekunda,, und Sandele Bay, bei Kartong. In der Nähe des Flughafens befindet sich das Coco Ocean Resort and Spa.

Info. Weitere Infos über Reisen, Land und Leute gibt es hier. Ansprechpartner in Deutschland: Pamela Ide, Gambia Tourism Board, c/o Eyes2market GmbH, Fasanenstraße 2, 25462 Rellingen, Tel.: 04101 370 9237, E-Mail: gambia@eyes2market.com

 

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