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Der verwehrte Ruhm, die innere Suche und die Unzufriedenheit lassen Paul Gaugin nach Französich-Polynesien reisen. Doch auch wenn es nach Paradies klingt, erwartet ihn dort ein hartes Leben unter Palmen. Das mittlerweile dritte Biopic über den Maler Gauguin kommt nun in die Kinos. Wir verraten, ob sich ein Besuch lohnt.

Von der französischen Gesellschaft verstoßen und missverstanden, von der eigenen Familie abgelehnt: Das Leben in Paris erdrückt den Maler Eugène Henri Paul Gauguin. Armut, ausbleibender Erfolg und Einsamkeit ziehen ihn in sein selbstgewähltes Exil nach Französisch-Polynesien.

© Studiocanal

»In Verzückung und Ruhe nur meiner Kunst zu leben. Dort in Tahiti, im Schweigen der schönen tropischen Nächte könnte ich lauschen auf die leise holde Musik meines Herzens, in Liebe und Harmonie eins mit den geheimnisvollen Menschen, die mich umgeben. Endlich frei! Ohne Sorge um das Geld kann ich dann lieben, singen und sterben.«

Ein Paradies auf Erden

Auf der Insel kann er Farben und Pinsel nicht mehr aus der Hand legen. Die vielfältige Vegetation, die weiten Landschaften und der tiefgrüne Dschungel – alles Motive, an denen sich Gauguin kaum sattsehen kann. Bunte und leuchtende Farben lassen seine Werke strahlen, die nun nicht mehr von Politik und Regeln einer französischen Zivilisation beeinflusst werden. Auch die Liebe zu der jungen Einheimischen Tehura, die Muse seiner bekanntesten Gemälde werden wird, entfacht ein neues kreatives Feuer in ihm.

Doch der Dschungel scheint den Künstler zu verschlucken: Auch die Inselbewohner lehnen den Künstler und seine künstlerischen Fantasien ab, seine Werke finden keine Käufer und Tehura sehnt sich nach einem Leben, das nicht von Einsamkeit und Armut bestimmt ist. Zuletzt ist es auch die schwere Krankheit des Künstlers, die dem Paar zu schaffen macht.

© Studiocanal

Gauguin: Zwischen Traumstrand und Armut

Dem französischen Regisseurs Edouard Deluc gelingt ein ästhetischer Film mit exotischen Landschaftsaufnahmen, einem rauschenden Meer und einer versinkenden Abendsonne. Er verlässt sich jedoch auch stark auf den französischen Superstar Vincent Cassel, der in dieser Rolle wahrlich überzeugt. Seine Gesichtsmimik beherrscht der Klaviatur der Emotionen und er hat sich akribisch auf diese Rolle vorbereitet, so nahm er sogar Malerei-Unterricht, um den ambivalenten Künstler besser verstehen zu können. Und das gelingt ihm auch. Die Zerissenheit Gauguins vermittelt er mit viel Ausdruckskraft.

Schade ist allerdings, dass der Film nur einen Teil des komplexen Charakters Gauguins zeigt und viel Vorkenntnis voraussetzt. Selbst die Kunstwerke sind kaum zu sehen und werden erst im Abspann »gewürdigt«.

Paul Gauguin

© Studiocanal

Persönliches Fazit: Ein wirklich authentisches Drama, das insbesondere durch die schauspielerischen Leistungen von Vincent Cassel überzeugt. Schöne Nebenerzählung ist der Einblick in das »paradiesische« Leben Polynesiens. Die harten Bedingungen eines Lebens dort zwischen Traumstrände und Armut.

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