Alaska ist der mit Abstand größte Bundesstaat der USA. In dem gigantischen Bundesstaat leben aber nur rund 710 000 Menschen – in etwa so viele wie in Frankfurt am Main. Doch obwohl Alaska hier nicht viel anders als der Rest der USA zu sein scheint, beginnt nur wenige Kilometer außerhalb Anchorages die Wildnis. Text: Ralf Johnen

Aufgrund der Abgeschiedenheit und der überwiegend extremen klimatischen Verhältnisse gilt Alaska als »The last Frontier«, was in etwa so viel bedeutet, wie der letzte Außenposten der Zivilisation vor dem großen Nichts. Bei einer Reise gilt es also unbedingt zu beachten, dass in Alaska andere Gesetze gelten als in weiten Teilen der restlichen Welt. Entsprechend gut sollte die Vorbereitung sein. Selbst im Großraum Anchorage muss bei Wanderungen mit wilden Tieren (Grizzlybären, Elche) gerechnet werden.

Die Bewahrung der Natur steht in permanentem Konflikt mit dem Rohstoffreichtum, den mächtige Konzerne zu ihrem Vorteil nutzen möchten. Ex-Präsident Obama hat sich als Schützer Alaskas profiliert und nebenbei die mit 6.190 Metern höchste Erhebung des Kontinents umbenennen lassen: Der Berg, den wir in der Schule als Mount McKinley kennengelernt haben, heißt nun wieder Denali – so wie ihn die Alaska Natives seit jeher nennen.

Denali in Alaska

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Condor fliegt mehrmals in der Woche nach Alaska

Anreise. Mit Condor von Frankfurt nonstop nach Anchorage. Die Airline bedient die Strecke mehrmals pro Woche. Weil auch das Interesse an winterlichen Expeditionen mit Polarlicht-Beobachtung steigt, werden in der kalten Jahreszeit Code-Share-Flüge über Seattle angeboten. Tickets kosten um die 800 Euro, die Flugzeit beträgt etwa 9 Stunden und 40 Minuten. Der Flughafen von Anchorage befindet sich in 15 Autominuten Entfernung zur Innenstadt.

Skyline von Anchorage in Alaska

Rex Lisman

Einreise. Deutsche, Österreicher und Schweizer können ohne Visum in die USA einreisen. Voraussetzung ist, dass man nicht länger als 90 Tage dort bleiben und nicht arbeiten möchte. Außerdem müssen Reisende im Besitz eines sechs Monate gültigen, maschinenlesbaren Reisepasses sowie eines Rückflugtickets sein. Von der Visumspflicht muss man sich vorab mit Hilfe des »Visa Waiver Program« befreien lassen.

Hierfür gilt es, sich bis spätestens 72 Stunden vor Abflug für die ESTA (Electronic System für Travel Authorization) anzumelden. Die Registrierung kostet 14$ und ist zwei Jahre gültig, doch sie ist für die Immigration Officers nicht verbindlich. Anders als an den großen internationalen Flughäfen sind in Anchorage sind keine ausufernden Wartezeiten zu befürchten, obwohl der Airport noch nicht über die elektronischen Lesemaschinen für Ausweise verfügt, die in anderen US-Städten für entspanntere Verhältnisse sorgen.

Mietwagen. Zum Beispiel über Sunny Cars oder Auto Europe, 14 Tage ab 1.100 Euro inklusive alle Versicherungen, Steuern und Gebühren.

Sprache. Amtssprache in Alaska ist Englisch, die vielen indigenen Völker – es sind mehr als ein Dutzend – kultivieren darüber hinaus mit viel Stolz ihre eigenen, völlig unterschiedlichen Sprachen.

Gemäßigtes Klima in Anchorage, kontinentales in Fairbanks

Klima und Reisezeit. Das Klima ist in Alaska ebenso extrem, wie die regionalen Unterschiedliche erheblich sind. Der Großraum Anchorage, der sich in etwa auf demselben Breitengrad wie Bergen in Norwegen oder Helsinki in Finnland befindet, verfügt über ein recht gemäßigtes Klima. Auch im Winter wird es hier nur selten  minus zehn Grad kalt, im Sommer hingegen verzeichnet Anchorage auch an warmen Tagen nicht viel mehr als 25 Grad.

Im Landesinneren um die zweitgrößte Stadt Fairbanks herrscht dagegen ein streng kontinentales Klima. Hier können Sommertage bis zu 40 Grad heiß werden, während im Winter Temperaturen von bis zu minus 50 Grad möglich sind. Die Nordküste ist ganzjährig kalt, hier taut es auch im Hochsommer selten.

Mountainbiker fährt im Schnee durch Alaska

Paxson Woelber

Weil sich Alaska in erheblicher Entfernung zur zivilisierten Welt befindet, ist das Preisniveau grundsätzlich recht hoch. Die Touristensaison ist kurz. Die beste Reisezeit ist der Juni, weil es dann kaum dunkel wird.

Währung. 1 US-Dollar entspricht zurzeit etwa 1,14 Euro. Der Kurs allerdings variiert stark. Dafür ist Benzin in Alaska zurzeit relativ preiswert, die Gallone (3,79 Liter) kostet zwischen 2,50 und 3$.

Zeitunterschied. Zehn Stunden, auf den äußeren Aleuten elf Stunden.

Bären, Elche und Bisons im Alaska Wildlife Conservation Center

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten. Alaska Railroad: Die Bahn mit Panoramawagen fährt ab Anchorage nach Whittier, Seward oder in das hübsche Touristendorf Talkeetna (in der Nähe des mächtigen Denali). Verschiedene Angebote auf unterschiedlichen Routen.

Zug durch Winterlandschaft in Alaska

Paxson Woelber

Rund eine Autostunde südöstlich von Anchorage liegt das Alaska Wildlife Conservation Center. Auf dem riesigen Gelände am Ende des Turnagain Meeresarm leben neben Bären unter anderem Elche, Bisons, Moschusochsen und Adler. Ursprünglich wurde das AWCC gegründet, um verwaisten oder verletzen Wildtieren eine Heimat zu bieten. Mittlerweile ist das Wildlife Center nach dem Denali Nationalpark die meistbesuchte Besucherattraktion Alaskas.

Bärenfamilie am Ufer eines Sees in Alaska

Paxson Woelber

Denali-Rundflüge: Rust’s Flying Service bietet diverse Touren ab Anchorage an, solange das Wetter es zulässt. Die Denali-Tour kostet 425 $ und dauert drei Stunden.

Exit Glacier Tours: 405 4th Ave, Seward, die recht anspruchsvolle Tour dauert fünf Stunden und kostet 130 $

Gletscherkreuzfahrt. Phillips Cruises, ab Whittier, die »26 Glaciers Cruise« dauert fünf Stunden und kostet je nach Saison ab 150 $

Rafting über einen Gletscherfluss. Im Touristenzentrum Talkeetna beginnt das Boarding für eine besondere Rafting-Tour, die in eiskalten Gewässern einen sich stetig verändernden Blick auf den Denali bietet (Verpflegung selbst mitbringen!). 139 $ für vier bis fünf Stunden.

Zwei Personen in einem Kayak in Alaska

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Das längste Schlittenhunderennen der Welt

Wer im März in Alaska urlaubt, sollte unbedingt das »The Last Great Race« besuchen. Das Rennen ist das längste Schlittenhunderennen der Welt. Am 2. März dieses Jahres machen sich die Schlittenhundeführer, sogenannte Musher, mit mindestens einem Dutzend Hunden von Anchorage aus auf ihren langen Weg durch die eisige Wildnis Alaskas. Nach rund 1.860 Kilometern mit zahlreichen Checkopints erreichen sie das Ziel in Nome. Es geht durch gebirgiges Gelände, dichte Wälder, über zugefrorene Flüsse und weite Tundren.

Hundeschlittenrennen in Alaska

Visit Anchorage

In Alaska kann man perfekt in die typische Landschaft eintauchen, wenn man eine Wanderung auf einigen der bekanntesten Gletscher unternimmt. Touren führen beispielsweise durch den Mendenhall- oder Matanuska Gletscher, wo blaue Schmelzwasserseen, bizarre Eisformationen und eine super Sicht auf Alaskas Bergkulisse den Aufwand belohnen. Wer in Alaska wandern gehen möchte, sollte diesen Artikel lesen.

Übernachtungs- und Restauranttipps in Alaska

Übernachtung. Historic Anchorage Hotel, 330 E Street, Anchorage, 150-250 $. Gut gelegen, trotz des Namens allerdings wenig historisches Flair.

The Hotel Alyeska/Alyeska Resort, 1000 Arlberg Ave., Girdwood, Grand-Hotel in Alaskas einzigem Ski-Resort im Stile der kanadischen Eisenbahnhotels. Gut gelegen für individuelle Ausflüge nach Seward und Whittier. 200-400 $

Essen & Trinken. Seven Glaciers Restaurant. Gehört zum Alyeska Resort, per Gondelbahn erreichbar. Formidabler Blick aus 800 Metern Höhe auf den Fjord, sehr gute Küche.

Simon & Seaforts, 420 L Street, Anchorage, erstes Haus am Platze, gediegenes Ambiente, tolle Küche, herrlicher Blick.

Ausgehen. Williwaw, Ecke 6th Street/F Street, Anchorage. Bernie’s Bungalow, 626 D Street, Anchorage.

Beim Trinkgeld die in den USA üblichen 15 bis 20 Prozent

Trinkgeld. In Alaska sind wie im Rest der USA mindestens zehn Prozent des Rechnungsbetrages Standard, weil das Personal vom Trinkgeld lebt. Will man nicht als geiziger Europäer auffallen, gibt man eher 15 Prozent. Auch Zimmermädchen und Frühstückskellner freuen sich über kleine Beträge in der Größenordnung von 1 bis 2 Dollar pro Tag.

Tip Box

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Shopping. Die Einkaufsmöglichkeiten sind begrenzt. Zwar verfügt Anchorage über die 5th Avenue Mall, die vom Branchenprimus Simon geführt wird (mit Filialen von Nordström, Abercrombie & Fitch und Apple-Store), doch zum Einkaufen kommen nur die wenigsten nach Alaska. Typische Mitbringsel sind Lachs in allen Variationen und Outdoor-Kleidung, die in den Geschäften von Downtown Anchorage fast überall angeboten werden.

Essen. Das Besondere sind bekanntlich die regionalen Spezialitäten, die anderswo gar nicht oder zumindest nicht in dieser Qualität zu finden sind. Oder habt ihr schon einmal Rentier-Burger gegessen oder ein Karibu-Steak? Für Feinschmecker ist allein schon die Auswahl an Fisch und Seafood in Alaska eine Reise wert. Wildlachs, Heilbutt, Forelle und unzählige andere Arten sowie Meeresfrüchte sind von wunderbarer Konsistenz. Unbedingt probieren sollte man bei einem Besuch die fabelhaften King Crab Legs!

Tipp: mindestens zwei Wochen einplanen

Persönlicher Tipp. Einen Trip nach Alaska macht man vermutlich nur ein Mal im Leben. Daher sollte man sich wenigstens zwei Wochen Zeit nehmen und nicht ein Highlight nach dem anderen buchen, da sonst alle Eindrücke in einer Art Reizüberflutung unterzugehen drohen. Mit anderen Worten: Ich habe es auch als sehr erhabenes Gefühl empfunden, die Weite der Landschaft und die Abgeschiedenheit auf mich einwirken zu lassen. Vom Preis-Leistungsgefüge scheint mir die Gletscher-Kreuzfahrt am besten (s.o.), die darüber hinaus bei gutem Wetter unwirklich schön ist.

See, Nebel im Hintergrund, in Alaska

Darrin Henein

Sicherheit: Der Großraum Anchorage ist ein recht sicheres Reisegebiet. Gleichwohl sollte man die Kraft der Natur nicht unterschätzen: Temperaturstürze und Wintereinbrüche sind jederzeit möglich. Zusätzlich zu einem universalgültigen Verhaltenskodex (keine Wertsachen im Kofferraum lassen etc.) sollte man beachten, dass bei Wanderungen und anderen Aktivitäten Begegnungen mit wilden Tieren (Bären, Elche, Karibus) möglich sind. Im Falle von Polizeikontrollen ist bedingungslose Kooperation angebracht: bloß nicht zum Handschuhfach greifen (das wird in den USA wegen der lockeren Waffengesetze als Selbstverteidigungsversuch ausgelegt) oder den Beamten mit Ironie begegnen. Amerikanische Polizisten verstehen keinen Spaß.

Reiseliteratur. Der Lonely Planet »Alaska« hat sich als zuverlässiger und informativer Begleiter erwiesen. Er ist leider nur auf Englisch erhältlich.

Weitere Informationen auf den Websiten www.anchorage.net und www.travelalaska.com

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