Luxus ist man im schicken Hafenviertel Puerto Madero in Buenos Aires gewohnt. Doch Alan Faenas gleichnamiges Hotel im alten Getreidespeicher lohnt nicht nur aufgrund seiner Geschichte einen zweiten Blick. Text: Andreas Dauerer

»Faena? Was ist das?«

Man möchte den argentinischen Taxifahrern ja nichts Böses. Im Gegenteil. Zu oft sind sie eine willkommene Abwechslung zum hektischen Alltag der Stadt. Man spricht ein bisschen über die Stadt, die Welt und, na klar, Maradona und den Fußball. Aber warum ernte ich auf meine knappe Zielangabe: »Zum Faena, bitte schön« nur ein fragendes Augenpaar im Rückspiegel? »Faena? Was ist das?« – »Na, dieses Hotel unten am Puerto Madero.« Eine Minute Pause. »Das im alten Getreidespeicher?« Genau. Der alte, 1902 erbaute Granero ist eben doch weit mehr in der Erinnerung der Bewohner verankert als eines von mehreren Luxushotels. Schließlich stopfte der lange Zeit nicht nur die hungrigen Mäuler der Stadtbevölkerung, sondern auch diejenigen weit über die eigenen Landesgrenzen hinaus.

Geht es nach dem Impresario Alan Faena, dann soll der alte Getreidespeicher künftig aber in einem Atemzug mit seinem Luxushotel genannt werden. Und Buenos Aires wäre nicht Buenos Aires, hätte es nicht auch noch einen Superlativ zu bieten. Nach der längsten Straße und dem breitesten Fluss der Welt kommt jetzt auch noch die teuerste Suite Lateinamerikas hinzu. Die »F Suite« kostet knapp unter 10.000 Dollar pro Nacht. Dafür logiert man auf 120 Quadratmetern mit zwei Schlafzimmern, drei Bädern, Jacuzzi, Wohnzimmer, Bibliothek sowie einem herrlichen Blick auf die Skyline der Stadt. Für den geschmackvollen Mix aus klassischem Design und einem Stil aus der Blütezeit von Buenos Aires mit allerlei weiß-rot-goldenem Pomp zeigt sich im ganzen Hotel übrigens kein Geringerer als Stardesigner Philippe Starck verantwortlich.

In der “F-Suite” in Luxus schwelgen und die Hektik vor der Tür lassen

Imposant ist bereits der erste Schritt in die Eingangshalle. Dem Gast eröffnet sich ein etwa 150 Meter langer Gang mit dunklem Parkett und rotem Teppich. Schwere, goldgelbe Vorhänge stehen mit dem markanten Backsteinsäulen Spalier. Wer jetzt noch etwas zu früh dran ist für sein Zimmer, der sollte unbedingt einen Cocktail draußen am Pool genießen. Man lässt sich in die unendlich tiefen roten Kissen sinken und blinzelt aus seinem kleinen Holzseparee auf den Pool. Vom hektischen Buenos Aires ist hier nicht der kleinste Hauch zu spüren, gleichwohl das Zentrum nur einen Katzensprung entfernt ist. Gleiches gilt für die Suiten.

Ohrensessel und Couch aus weißem Leder, ein Queensizebett und ein drehbarer Spiegelschrank, der im Inneren den Flachbildfernseher versteckt. Einzig die Tatsache, dass Waschbecken und Badewanne ein marmornes Plastikimitat sind, kann den Eindruck ein klein wenig trüben. Das aber ist schnell vergessen, sobald man sich im flauschigen Bademantel auf den Weg ins Spa begibt. Wer möchte, kann dort aus einem umfangreichen Massageangebot wählen, im Fitnessstudio schwitzen oder im Hamam Erholung suchen. Letzteres ist übrigens eine Pflichtveranstaltung, fühlt man sich dort doch selbst wie ein Getreidekorn. Das Dampfbad wurde in einen der alten Hauptspeicher eingebaut, und hier lässt es sich bei schummrigen Licht vortrefflich relaxen.

Kulinarische Perlen

Hat man irgendwann vom Spa genug, dann sollte man die Kochkünste von Mariano ausprobieren. Denn nicht nur das Fleisch ist eine fortwährende Neuentdeckung, sondern auch einer der größten Weinkeller des südamerikanischen Kontinents versteckt die ein oder andere Perle. Vom heimischen Malbec bis hin zur australischen Cuvée ist die Bandbreite standesgemäß hoch.

Berühmt ist das Hotel zudem für seine Tango Rojo Show, die vier Mal die Woche so gut wie immer ausgebucht ist. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei jedoch um eine Show und keine echte Milonga. Den Tänzern und den Musikern fehlt es zwar allesamt an Pasión und Melancolía, aber Letztere beherrschen ihr Handwerk vorzüglich. Wer also an argentinischer Musik interessiert ist und eine sehr künstlerische Tango-Show in Kauf nimmt, sollte trotzdem eine Eintrittskarte lösen. Denn der Wein ist vorzüglich, und obendrein braucht man dafür nicht einmal ein Zimmer im Faena.

Anreise. Lufthansa unterhält tägliche Verbindung zum internationalen Flughafen in Buenos Aires. Mit dem Taxi ist man in 40 Minuten am Hotel Faena+Universe

Hotel. Faena Hotel. Martha Salotti 445 – Ciudad de Buenos Aires. Tel: +54 11 4010 9000,

Ausflüge. Neben der pulsierenden Tango-Metropole lohnt auch ein Spaziergang durch das Reserva Ecológica Costanera Sur, das unmittelbar hinter dem Hotel beginnt. Dort kann man den einzigen wild lebenden Flamingos der Stadt ebenso begegnen wie Fischreihern, Bibern oder Papageien

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