All-inclusive und Urlaub in einem stilvollen Ambiente passen nicht zusammen? Im Ikos Oceania auf der Halbinsel Chalkidiki gelingt das Kunststück. Ohne Trunkenbolde, aber mit wunderbarer Rundumverpflegung. Text: Frank Störbrauck

Gleich in der Ankunftshalle im Flughafen Thessaloniki wartet ein Chauffeur im Anzug. Er trägt ein Schild mit meinem Namen akkurat in der Hand. Ein kurzes Nicken, Begrüßung per Handschlag – und wenige Minuten später düsen wir auch schon Richtung Küste. Draußen küsst die Sonne konkurrenzlos vom Himmel, weit und breit sind keine Wolken zu sehen. Die Temperaturanzeige im Auto verliert sich irgendwo zwischen 24,7 und 25,4 Grad. September-Herz, was willst du mehr?

Ziel unserer rund 30-minütigen Fahrt ist das Ikos Oceania, ein Fünf-Sterne-all-inclusive-Resort in Nea Moudania. Im Internet, in den einschlägigen Hotelbewertungsportalen, wird das Hotel gelobt. Je 92 Prozent der Holidaycheck– und TripAdvisor-Urlauber empfehlen das Haus. Das ist in Zeiten, in denen im Netz anonym über alles und jeden gestänkert und gezetert wird, ein außergewöhnlich hoher Wert. Und, das möchte ich gern betonen, diese Vorschusslorbeeren schrauben meine Erwartungen weit nach oben.

Auf den ersten Blick kein All-inclusive-Bunker

Das Haus liegt auf einem Hügel, rund 500 Meter von den Rändern des Städtchens Nea Moudania entfernt. Man sieht dem Haus schon auf den ersten Blick an, dass es anders sein will als eine typische All-inclusive-Bude: Die Fassade ist aus Marmor und Glas, harmonische Architektur, nirgendwo stören grelle Kinkerlitzchen, selbst von den bei vielen Hotels am Mittelmeer im Eingangsbereich angebrachten Aufklebern der Reiseveranstalter ist keine Spur zu sehen.

Lobby im Ikos Oceania Hotel

Ikos Oceania

Es gibt ein Hauptgebäude und fünf Zimmerflügel, in denen insgesamt 298 Zimmer untergebracht sind.

Wenig später blicke ich von der großzügigen Terrasse meines Zimmers auf den blühenden Garten und das Meer. Erholung scheint in der Hotelanlage großgeschrieben zu werden: Vom Pool sind weder krakeelende Schnapsdrosseln noch Animateure zu hören. Die Einzigen, die Laute von sich geben, sind ein paar zwitschernde Vögel. Und, weiter weg, ein Ehepaar mittleren Alters, offenbar aus England, das sich auf seinem Balkon angeregt über die Marotten ihrer Tante auszulassen scheint.

Terrasse im Ikos Oceania

Ikos Oceania

Mein Zimmer liegt im Hauptgebäude; es handelt sich um eine Junior Suite, rund 35 Quadratmeter ist sie groß, aufgeteilt in ein großes Wohn- und ein kleines Schlafzimmer. Die Einrichtung des Zimmers versprüht mediterrane Leichtigkeit: hellgrauer Fliesenboden, türkisfarbenes Sofa und Sessel, Tisch und Kleiderschrank aus mazedonischer Eiche, silberfarbene Antik-Designerlampen von Astley, zwei LG-Flatscreen-Fernseher, ein kleiner Schreibtisch und eine Minibar mit Softdrinks und Minifläschchen Alkoholika – alles inklusive, wohlgemerkt. Das Badezimmer bietet zwar eine Badewanne, kommt im Verhältnis zur Gesamtgröße der Suite aber etwas enttäuschend klein daher.

Manko: der lange Fußweg vom Zimmer zum Strand

Ich gehe erst mal eine Runde chillen, auf einer der einladenden Liegen am Hotelstrand. Bis dahin bin ich allerdings ein Weilchen unterwegs: vom Zimmer zur Lobby, dort in den Aufzug von Ebene 6 auf Ebene 0, vorbei an den beiden Hotelpools, anschließend rund 50 Treppenstufen hinab und die kleine Promenadenstraße überquert. Doch der Weg lohnt sich: Die Sonne und ich, wir mögen uns heute, ich würde mir am liebsten an der Beach Bar eine Piña Colada bestellen und der Sonne bis zum Untergang hinterherseufzen …

Pool im Ikos Oceania Hotel

Frank Störbrauck

Als ich auf dem Weg zurück zum Hotelzimmer bin, läuft mir Giannis Vasiliadis über den Weg. Der 33-Jährige arbeitet hier seit Eröffnung des Hotels 2005 als Koch, seit 2009 ist er Chefkoch. Es ist eine ziemlich große Verantwortung, wenn mehr als 600 Gäste täglich rund um die Uhr verköstigt sein wollen. Auf Fünf-Sterne-Niveau. 55 Köche arbeiten für ihn, allein 29 im Hauptrestaurant. Das, was in den Kochtöpfen landet, wird überwiegend von Landwirten aus der Umgebung geliefert: »Frische und Lokales genießen Priorität«, erläutert er.

Ob ich denn Griechenlands Küche möge, fragt er mich. Noch bevor ich über meine Erfahrungen mit den griechischen Restaurants in Deutschland berichte, winkt er charmant ab: »Die kochen nicht so, wie ich es mir vorstelle«, sagt er, ganz Diplomat. Nun ja, dass Gyros, Pommes und Tatziki nicht das sind, was er in der Küche rührt und brutzelt, überrascht mich nicht. Aber jetzt möchte ich es genau wissen. »Heute Abend, 20 Uhr, im Pelagos Restaurant?«, fragt er. Gebongt!

Piano beim Ouzo

Der Kellner empfiehlt, bitte schön, so viel Zeit soll und Appetit darf es gerne sein, ein buntes Speisen-Potpourri. Dann geht es auch schon los, da kommen sie marschiert, mit freundlichen Grüßen aus der Küche: gegrillte Sardinen mit pikantem Couscous, Fava mit sautierten Garnelen, Kabeljaufisch im Kräuterteig, gebratene Trachanas mit Spargel – was alles so geglückt ist wie das benachbarte Kloster auf Berg Athos. Und dann klingt der Abend mit einem Ouzo hoch oben auf der Terrasse der Hotelbar aus. Über mir leuchten nur noch die Sterne, hinter mir spielt das Piano. So soll, so darf es sein.

Anreise. Germanwings fliegt von Düsseldorf, Hannover, Köln und Stuttgart nonstop nach Thessaloniki, ab ca. € 50 pro Strecke, www.germanwings.com. Wer Flug und Hotel individuell online bucht, bekommt bei mindestens fünf Übernachtungen im Ikos Oceania einen kostenlosen Transfer vom Flughafen Thessaloniki zum Hotel und retour.

Unterkunft. Ikos Oceania, Tel.: 0800 010 783 9, http://ikosresorts.com/oceania/de

Informationen. Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Holzgraben 31, 60313 Frankfurt, Tel.: 069 257 827 0, www.visitgreece.gr

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