In den Bergdörfern der Provinz Imperia in Ligurien scheint die Zeit stehen geblieben. Nur eine knappe halbe Stunde von den belebten Stränden der Blumenriviera finden Urlauber eine unglaubliche Ruhe und eine beeindruckende Natur. Text: Susanne Freitag

»Ich kann nicht mehr«, seufzt das Mädchen am Nachbartisch schon nach dem vierten Gang – selbstgemachte Tagliatelle mit Speck und Lauch. Und schon steht Monika wieder da und will nachlegen. Sie lacht: »Das ist der Moment, wo die meisten Gäste aufgeben wollen«, sagt sie. Aber wie auch die anderen, hält das Mädchen tapfer durch und isst sich tatsächlich durch zehn Gänge wunderbarer, ligurischer Spezialitäten.

Fast vier Stunden dauert das Festessen, das Gastronomin Monika ihren rund 60 Gästen in der kleinen Trattoria Gli Ausenda im Bergdorf Glori samstags und sonntags serviert. Die wenigen Plätze sind begehrt und oft schon Wochen im Voraus ausgebucht. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Und neben den Zutaten, die fast alle aus dem eigenen Garten stammen, ist es vor allem Monika selbst, die mit ihrer herzlichen Art die Kunden begeistert und sie mit Witz durch das Menü begleitet.

Imperia in Ligurien: romantisches Flair in Glori

Nach dem Essen ist ein Spaziergang durch das mittelalterliche Dorf im Valle Argentina im Hintergrund der Blumenriviera dringend nötig. Es liegt knapp 600 Meter über dem Meeresspiegel. Zum Strand von Arma di Taggia in der Region Imperia sind es rund 20 Minuten. Glori hat nur rund 100 Einwohner; dazu romantische Gassen und zahlreichen Treppen, die unter Denkmalschutz stehen.

Bunter kleiner Markt in Glori.

Susanne Freitag

Einige der Häuser sind renoviert und werden als Ferienunterkünfte vor allem von Deutschen und Schweizern genutzt. Allerdings müssen sie gut zu Fuß sein, denn Glori ist autofrei. Gepäck und Einkäufe werden zu Fuß transportiert. Eine Herausforderung ist das vor allem auf dem etwa 200 Meter langen Weg zum ehemaligen Priesterhaus. Es gehört nun einem englischen Medienmann und bietet einen der besten Ausblicke auf das Valle Argentina und die umliegende Bergwelt.

Der Weg geht einen Berghang hinab, ist einen knappen Meter breit und gleicht einer Miniaturversion der Serpentinen, die von der Küste nach Glori führen. Auf beiden Wegen werden die Strapazen allerdings von einer Ruhe und dem Blick auf die Rundungen der ligurischen Alpen wettgemacht. Der Gast möchte verweilen und das sich stets veränderte Naturschauspiel bestaunen, wenn sich zarte Wolken in die Täler senken oder sich der Himmel lila-orange verfärbt.

Ein Bad im Fluss Argentina

Etwa in der Mitte von Taggia und Glori liegt Badalucco, eingebettet in Terrassengärten, mit ebenso romantischen Gassen wie in Glori. Hier ist wesentlich mehr los, schließlich ist der Ort mit seinen kleinen Bars, Geschäften und Restaurants Anlaufstelle für Einwohner und Feriengäste aus der ganzen Umgebung.

Am Ortseingang empfängt die Olivenöl-Produktion ROI mit einem kleinen Direktverkauf des europaweit prämierten Öls aus den Taggiasca-Oliven die Besucher. In den 1960er und -70er Jahren war Badalucco Heimat einiger Künstler. Noch heute machen ihre Werke an den Häuserfassaden auf sich aufmerksam, und in der kleinen Galerie neben der Kirche können Besucher die Arbeiten regionaler Schaffender kostenlos bewundern. Ein Highlight Badaluccos ist der Fluss Argentina, der mitten durch den Ort fließt.

Der Fluss Argentina bei Badalucco lädt zum Baden ein.

Susanne Freitag

Vom kleinen Parkplatz aus steht man nach wenigen Schritten direkt am Ufer aus Sand und Kieselsteinen, das breit genug ist, um es sich bequem zu machen. Der Fluss selbst ist eine Überraschung: Das Wasser ist im Sommer angenehm warm und mit knapp drei Metern Tiefe in der Mitte kommen Schwimmer und Taucher gleichfalls auf ihre Kosten.

Nach etwa 15 Minuten bergab auf der kurvenreichen, aber gut ausgebauten Hauptstraße erreicht man Taggia. Der antike, römische Ursprung der 14.000-Einwohner-Stadt lässt sich in den engen, gepflasterten Straßen, Bögen, Monumenten und Steinportalen erkennen. Sehenswert ist das Dominikanerkloster aus dem 15. Jahrhundert mit Fresken und Bildern von Ludovico Brea und Perin del Vaga. In der Altstadt mit Toren aus behauenem schwarzen Stein findet einmal in der Woche ein bunter Markt statt. Spezialität sind die Oliven »nach Art von Taggia« – kleine, rötliche Früchte, die im halbreifen Zustand geerntet werden und weniger bitter sind als andere Sorten.

Entlang der Blumenriviera nach Monte Carlo

Im angrenzenden Arma di Taggia sind das mittelalterliche Flair und die Stille der Bergregion endgültig passé. Der Badeort mit breitem Sandstrand und belebter Promenade ist das Ziel von Strandurlaubern und Ausgangspunkt für Touren entlang der Blumenriviera. Spektakulär ist die Fahrt auf der Küstenstraße bis in das 50 Kilometer entfernte Monte Carlo.

Nach wenigen Minuten erreicht man die Kurstadt San Remo in der Region Imperia in Ligurien mit ihren prächtigen Villen und dem besten, aber auch teuersten Eis der Region. In Monte Carlo schließlich könnte der Kontrast zu den Bergdörfern Liguriens nicht größer sein. Designerläden von Gucci und Co. reihen sich aneinander und am berühmten Casino lohnt sich nicht nur der Blick hinein, sondern vor allem einer auf die Luxuskarossen, die vor der Spielbank eingeparkt werden. Zurück in die Stille Gloris geht es bequem in einer guten Stunde über die Autobahn.

Weitere Informationen: Trattoria Gli Ausenda, Via della Chiesa, 2, 18010 Glori IM, Telefon: 0039/340 230 7199. Allgemeine Informationen über die Region Imperia in Ligurien: www.italia.it, www.turismoliguria.it

 

 

 

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