Seit Tagen bleiben die Seiten weiß. Eine Berufskrankheit? Vielleicht. Aber gerade über Lanai, eine hawaiianischen Insel, fällt es mir schwer, ansprechende Sätze zu bilden. Warum? Weil ich es dort einfach so wunderschön fand. Text: Jennifer Latuperisa-Andresen

Wunderschön und wunderbar, traumhaft und paradiesisch. Das alles sind Worte, die ich verwenden würde, weil sie zutreffen. Aber vor denen ich mich scheue, weil sie einerseits in anderen Texten inflationär benutzt werden und deshalb andererseits an Wert verloren haben.

Eine Insel wie aus dem Bilderbuch

Wer glaubt denn noch das Bild des weichen, feinen und weißen Sandstrandes umsäumt von Palmen und vulkanischen Felsen, wo das Meer rauscht und Delfine in Sichtweite zu den Sonnenbadenden ein Tänzchen veranstalten? Keiner. Weil es plötzlich überall auf der Welt gleich aussehen soll, als wäre ein Land, ein Ort oder ein Fleck Erde Konfektionsware. Doch Lanai, obwohl es eine hawaiianische Insel ist (eigentlich bekannt als Massentourismusziel), ist dieses viel gepriesene Postkartenziel, wo einem zudem das Glück zuteil werden kann, dass man einsam an einem kilometerlangen Strand hockt.

Wie also soll ich es formulieren, dass es dort nach Pinien und Ananas riecht, ohne abgedroschen zu klingen? Irgendwo in einem Text riecht es immer nach etwas, das Assoziationen wachruft. Nach frisch gebackenem Brot oder nach feuchter Erde. Doch auf Lanai riecht es nach Ananas, weil die Insel einst die größte Ananasplantage der Welt war und James Dole diese persönlich erworben hat. Dieser ließ hier die Northfolkpinien anpflanzen, die heute die einzige asphaltierte Hauptstraße säumen. Es gibt nicht einmal eine Ampel auf dem Eiland. Und wer genau darauf achtet, wird feststellen, dass der Hotelbus der Four-Seasons-Resorts das Gefährt ist, das diese Straße am häufigsten passiert. Denn die kanadische Luxushotelkette hat die einzigen zwei touristisch relevanten Hotels auf dieser Insel – und selbst wenn diese belegt sind, ist Lanai mit rund 3200 Einwohnern und maximal 700 Gästen noch dünn besiedelt.

Warum zwei Four-Seasons-Hotels auf einer Insel?

Zwei Four Seasons auf einer einsamen Insel – das ergibt keinen Sinn: Ein Gedanke, der nachvollziehbar ist, insbesondere wenn im gleichen Atemzug behauptet wird, dass Lanai absolut untouristisch ist. Allerdings könnten die zwei Hotels kaum unterschiedlicher sein. Während das Four Seasons at Manele Bay, dessen Name etwas irreführend ist, weil es eigentlich am Hulopo’e Beach liegt, in den Wintermonaten die richtige Wahl ist, weil dann das Klima sowie das Meer dort sommerlich warm sind und sich frei lebende Delfine gerne und oft zu den Schnorchlern gesellen, – ist die Four Seasons Lodge at Koele eher eine Ranch, die viele Aktivitäten wie Pferdereiten, Bogenschießen und Wandern bietet. Die Lodge liegt direkt in Lanai City (wobei man »City« nicht als »Stadt« übersetzen sollte) und damit auch schon 488 Meter über dem Meeresspiegel. Dies hat den Vorteil – und deswegen wurde sie ebenfalls von Dole dort angesiedelt –, dass es im Sommer kühler ist.

Zwei wunderbare Hotels, die sich noch dazu ergänzen und von allen Gästen genutzt werden können; zu schön, um wahr zu sein? Ein großer Pluspunkt besteht tatsächlich darin, dass die Gäste der Koele-Lodge den Pool des Manele Bay Resorts sowie den Traumstrand zum Schwimmen und Schnorcheln nutzen können. Die Gäste des Strandhotels wiederum können auf die Ranch fahren, um an den dortigen Outdooraktivitäten teilzunehmen – oder aber um dort zu dinieren. Äußerst praktisch: Ein Hotelshuttle verbindet die zwei Fünf-Sterne-Häuser regelmäßig miteinander.

Die schönsten Plätze sind nur mit dem Jeep erreichbar

Es ist dennoch menschenleer auf Lanai. Die schönsten Plätze, wo Schildkröten brüten oder Robben wohnen, sind nur mit einem Jeep (inklusive Vierradantrieb) zu erreichen. Und die zwei anspruchsvollen Golfplätze (wobei die Aussicht des Manele-Platzes dramatisch und atemberaubend ist) versprechen Herausforderung – auch für diejenigen mit einemschlechteren Handicap.

Ich weiß, sie ist furchtbar, diese Lobhudelei, aber sie ist wahr!

Anreise. Mit United Airlines via Chicago und Los Angeles nach Maui. Von dort aus mit der Fähre ab Lahaina nach Lanai. In den Wintermonaten besteht eine große Chance, auf der Überfahrt Wale zu sehen.

Hotels. Four Seasons at Manele Bay. One Manele Bay Road, Lanai City, Hawaii, USA., Tel.: +1 808 5652000, DZ ab € 375 inkl. Frühstück. Four Seasons Lodge at Koele. One Keomoku Highway, Lanai City, Hawaii, USA., Tel.: +1 808 5654000, DZ ab € 300 inkl. Frühstück.

Reiseveranstalter. Buchbar über eest Reisen, Tassilo Zöpf Weg 18, 82409 Wildsteig, Tel.: 08867 91390,

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