271 Konkurrenten hatte die MS Europa bei der letzten Wahl zum »besten Kreuzfahrtschiff der Welt«. Und dennoch hat sie den Titel des Superstars zum zehnten Mal in Folge gewonnen! Text: Jennifer Latuperisa

Seit ich die Europa diesen Sommer verlassen habe, frage ich mich, ob mir jemals wieder ein anderes Kreuzfahrtschiff gefallen wird. Eine ähnliche Situation wie in der Liebe: Wenn der Partner bereits der passende Topf zum Deckel ist, dann sind doch alle, die danach kommen mögen, Pfannen im Vergleich, oder? Genauso wird das in der Kreuzfahrt sein. Mein erstes Schiff war die Europa. Was kann danach kommen, wenn dieses Schiff bereits zum zehnten Mal mit dem beliebten Titel des »besten Kreuzfahrtschiffes der Welt« ausgezeichnet wurde und somit eindeutig die Schönheitskönigin unter den Kreuzern ist? Nach heutigem Stand wahrscheinlich nichts – außer man ist auf der Suche nach Superlativen in den Körpermaßen.

Dieses Jahr hat die Europa ihren zehnten Geburtstag gefeiert. Respektable Jahre hat der Kahn auf dem Bug und ist dabei immer an der Spitze gewesen. Natürlich muss da auch in das Äußere investiert werden, ein Lifting ab und an gehört einfach zum Business, das ist in Hollywood nicht anders. Stillstand wäre der Tod – das weiß auch Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten. So wurden in der letzten Dekade der Pool rechteckig (das war einst anders), eine Joggingstrecke konzipiert und eine Sansibar-Dependance eröffnet, das Casino wurde entfernt und ein Fitnessraum hinzugefügt. Vor Kurzem erst hat die Europa die Werft nach einer 14-tägigen Schönheits-OP verlassen. Neuer Teppich wurde verlegt, 188 Suiten neu gestaltet, die zehn Penthouse-Suiten wurden sogar komplett erneuert. Dort stehen jetzt Laptops mit WLan-Flatrate – im Zeitalter von Skype eine gute Idee. Wer einmal von Bord mit seinem Mobilfunktelefon daheim angerufen hat, weiß, was für eine Geldersparnis das sein kann. So ein Werftaufenthalt ist ein enormer Aufwand nach strengem Zeitplan, immerhin müssen sieben Decks aufgefrischt werden. Dabei ist die Europa im Vergleich recht klein. Sie ist fast 199 Meter lang, mit einem Tiefgang von sechs Metern und hat einen sogenannten BRZ (Bruttoraumzahl) von 28.890. Das zurzeit größte Kreuzfahrtschiff, Oasis of the Seas, hat das Zehnfache! Dagegen ist die Europa eine Privatyacht und die maximal 408 Passagiere sind eine Runde guter Freunde, verglichen mit über 6000 Passagieren, die auf der Oasis über die Meere schippern. Ein guter Qualitätsvergleich. Die Europa ist durch ihre Größe wendiger und flexibler, sie kann näher an die Küsten heran, Wasserstraßen befahren, wo die Kolosse nicht durchpassen, oder aber in kleineren Häfen vor Anker gehen, von denen andere Kreuzfahrtpassagiere nur träumen können. Das soll jetzt nicht den Eindruck erwecken, als sei das Schiff winzig oder eng – ganz im Gegenteil. 204 Kabinen, Verzeihung Suiten, verteilen sich auf insgesamt 5800 Quadratmeter und liegen allesamt außen. Innenkabinen – nein danke. Stockbetten? Auf einer Europa undenkbar. Man will die Passagiere nicht in ihr angemietetes Privatreich pferchen und stapeln, man will sie verwöhnen. Und das geschieht mit kleinen und aufmerksamen Details.

Mit Liebe zum Detail fährt die MS Europa wieder den Titel »bestes Kreuzfahrtschiffes der Welt« nach Hamburg

Genau diesen Punkt nannte Douglas Ward, Herausgeber der Berlitz Cruise Guides, als es darum ging, warum die MS Europa mal wieder den Titel nach Hamburg fahren durfte: »Details, details, details – that’s what Europa cruising is all about.« Das von ihm angegebene Beispiel ist eine Szene am Pool, wo Personal wie selbstverständlich für den Sonnenbadenden die Liege fertig macht, diese mit Handtüchern ausstattet, dort Getränke serviert und ab und an kühle und duftende Tücher als Erfrischung vorbeibringt. Oder der Gast wird mit ein wenig Evian besprüht. Kurzum: Er wird auf Händen getragen.

Ich als Kreuzfahrtneuling nehme so viele Kleinigkeiten vielleicht ab und an als gegeben hin, weil ich niemals auf die Idee gekommen wäre, dass das bei anderen Kreuzfahrtgesellschaften nicht selbstverständlich ist. Beispielsweise das Unterhaltungsprogramm auf den Zimmern. Video-on-demand ist im Preis inbegriffen. 150 Filme stehen zur Auswahl, schließlich soll sich der Gast auch bei Regenwetter ohne Landgang wohlfühlen. Noch schöner sind natürlich die Filmabende unter dem Sternenhimmel an Deck der Europa.

Qualität ohne viel Tamtam

Am Abend wird viel geboten, ohne zu viel Tamtam und künstliche Aufmerksamkeit. Qualität zählt. Lieber weniger Musiker an Bord, die auf internationalem Top-Niveau agieren, als täglich wechselnde Bands, die allabendlich die Top 40 trällern. In den Bars auf der Europa gibt es gepflegte Cocktails, teure Whiskys und gute Weine, dazu eine Zigarre aus dem perfekt temperierten Humidor, oder eine Aussicht, die einem wie in der Sansibar bei Sonnenuntergang den Atem verschlägt. Und das Essen ist ein Traum. Kleiner Rat: Die Hosen gleich eine Nummer größer mitnehmen. Sonst zwickt es später ständig an der Hüfte. Gute Vorsätze sind zwecklos, es schmeckt einfach zu gut, denn hier wird nicht gekocht, hier wird kreiert. Die landestypischen Ingredienzien der einzelnen Länder werden berücksichtigt, nie gibt es ein Menü zwei Mal – und das bei diesem hohen Niveau.

Am Mittagsbüfett stehe ich hinter einer Dame, die sofort das neue Küchenpersonal erkennt. »Sie sind neu!«, spricht sie den verdutzten jungen Koch mit der übergroßen Mütze an. Die »Europäer« kennen eben die Menschen, die sie so gekonnt und persönlich umsorgen.

Am letzten Abend sitze ich auf meinem Balkon (168 Suiten haben einen, der mit Teakmöbeln ausgestattet ist) und denke über meine nächste Kreuzfahrt nach. Mein Fazit: Nur noch Europa, denn alle anderen sind nur Pfannen, verglichen mit diesem Topf.

Infos. Hapag-Lloyd-Kreuzfahrten, Tel.: 01803 41 2141, buchbar im Reisebüro oder www.hlkf.de.

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