»Pudelwohl, urgemütlich, mollig warm« – so in etwa könnte man den Zustand beschreiben, in den man als Gast des Naturhotels Waldklause im Tiroler Ötztal versetzt wird. Der Grund: Das Zirbenholz beruhigt, das Gourmetessen mundet und die Höhenluft entspannt. Text: Karolina Golab

Einaaaaaaaaaatmen, ausaaaaaaaaaaaatmen. Einaaaaaaaatmen, ausaaaaaaaaatmen. Nein, ich gebäre kein Kind und mache auch kein Yoga. Ich versuche mich lediglich auf meine Atmung zu konzentrieren, denn die Temperatur, die mich gerade umhüllt, beträgt gefühlte 200 Grad Celsius, von der hohen Luftfeuchtigkeit ganz zu schweigen. Ich sitze in der Zirbensauna des Holzhotel Waldklause im Ötztaler Längenfeld und bin gespannt, ob ich diesen Gang überleben werde. Es ist mein vierter, aber ich kann vom Zirbenholz einfach nicht genug bekommen, weil es äußerst gesund ist – wie überhaupt alles an meinem neuen Lieblingshotel.

Aber mal von Anfang an: Bei meiner Ankuft gibt es zur Begrüßung einen quietschgrünen Apfel, Ronnefeldt-Tee und natürlich ein Schwätzchen mit den Hausherren, Edmund und Irene Auer. Es ist nicht diese Art von Small Talk, die man schnell beenden möchte. Eher eine wohltuende Unterhaltung, die als Vorbote auf einen angenehmen Aufenthalt hinweist. Denn die Warmherzigkeit und die Naturverbundenheit der Familie Auer sind maßgeblich für das gesamte Hausambiente. Und dass die Auers nicht hinter dem Berg leben, haben sie mit ihrer Holzherberge bewiesen. Denn in punkto Design hat ihre Waldklause schon viele Preise gewonnen.

Verjüngungskur für das Naturhotel Waldklause

Als Irene und Edmund Auer wenige Jahre nach der Jahrtausendwende einen Architekturwettbewerb für ihr Naturhotel ausschrieben, bekamen sie als Antwort folkloristische Projekte, die geradezu nach weiß-rot karierten Tischdeckchen, korrespondierenden Vorhängen und Kunstblümchen schrieen. Die Auers haben die Nase gerümpft, die Ärmel hochgekrempelt und sich selbst auf die Suche nach passenden Ideen für ein moderneres Hotel gemacht. Nach und nach nahm das Projekt Form an, oder besser gesagt: Glas, Stein, und Holz. An die sechs Hektar einheimischen Waldes wurden für die Waldklause gerodet. Und zwar nicht irgendwann: »Das Holz muss bei abnehmendem Mond gefällt werden, damit es später nicht mehr arbeitet« – diese und andere Weisheiten hatte Edmund Auer von seinem Vater geerbt und sie jetzt umgesetzt.

So wurden Fichten und Zirben gefällt und vollkommen leimfrei, lediglich mit Holzdübeln, zu einem dreistöckigen Haus mit 50 Zimmern zusammengebunden. Dass das Gebäude nicht die Wipfel der Nadelbäume, in die es eingebettet ist, überragt, versteht sich beim Naturverständnis der Gastgeber von selbst. Die Auers gingen sogar so weit, selbst die Betten mit speziell patentierten Matratzen aus reiner Schafswolle herzustellen.

Die gleiche Schafswolle übrigens, die neben Korkeinlagen zwischen den Zimmern der Schalldämmung dient, »denn Holz ist ja bekanntlich sehr hellhörig«. Ja, man könnte behaupten, das komplette Haus sei ein einziges Spa-Areal, das durchmischt ist mit Feng-Shui und esoterischen Elementen: kaum Ecken und Kanten. Die Farben Grün, Rot, Orange und Braun ziehen sich wie ein roter Faden durch das Haus, das selbst an kalten Wintertagen wie ein warmes, behagliches Nest anmutet.

Wohlfühlen ist bei diesen Voraussetzungen ein Understatement

Ob das der Grund ist, warum sich die Eichhörnchen in Hotelnähe so wohl fühlen und ab und an zu Besuch auf die Privatterrasse kommen? Mir jedenfalls geht es ein wenig wie den Waldbewohnern. In meiner Zirbensuite in der dritten Etage des Hauses verlangsamt sich der Puls von ganz allein.

Frau Auer hatte mich schon darauf vorbereitet: »Die Zirbe ist ein ganz besonderes Holz. Es erspart ein paar Tausend Herzschläge pro Nacht und beruhigt ganz ungemein«. In diesem Zustand der fast völligen Entspanntheit kann ich mich stundenlang den natürlichen Waldgeräuschen hingeben, die durch die geöffnete Balkontür zu hören sind: das Knacken der Äste, das zarte Rascheln der Zweige und das Rauschen des Wildbachs, der nur wenige Schritte vom Haus eine natürliche Barriere zu den Wanderwegen und Klettergärten bildet. Also einaaaaaaaaatmen, ausaaaaaaaaaaaaatmen. Und zwischendurch einen Schluck Wasser nicht vergessen, denn die Auers haben jedes Zimmer mit einem Trinkbrunnen ausgestattet, aus dem kristallklares Quellwasser fließt.

Wohlfühlen ist bei diesen Voraussetzungen ein Understatement. Und ein untrügerisches Zeichen dafür sind die vielen Neugeborenen und Krabbler auf dem warmen Holzboden der Lobby – obwohl Frau Auer das Hotel nicht explizit als Familienhotel versteht. Aber sie verwöhnt ihre Gäste einfach zu gern: Das fängt schon beim deftigen Frühstücksbufett an, bei dem es Ziegenkäse aus dem benachbarten Unterried gibt. Das knusprige Brot wird nach Irene Auers Rezept gebacken, alles rein biologisch und die Herkunft natürlich wohlbekannt. So bereitet der Rühreikoch nur frische Längenfelder Frühstückseier zu, und der Gast schneidet sich ein Stück Wabenhonig aus einer Imkerei in der Steiermark ab.

Fünf Gänge zum Abendessen

Kaum ist das Frühstück verdaut, decken die liebenswürdigen Mitarbeiter schon die Tische für die nachmittägliche Jause. Dann gibt es eine Auswahl aus Bärlauch- oder Karottensuppen, Strudel und Soufflés. Nur drei Stunden später serviert das gut Personal das Fünf-Gänge-Menü mit Terrinen, Nockerln, Zwetschgenknödel, Crèmesüppchen, Krapfen, hausgemachten Nudeln und Törtchen vom Räucherlachs mit Salatchiffonaden an Dill-Senf-Saucen. Florian Auer indes, der Sommelier-Sohn der Gastgeber, berät seine Gäste beflissen in erlesenen Tröpfchen. Die Waldklause war schon immer für die gute Küche berühmt, daher bleiben die Stühle an den liebevoll geschmückten Tischen selbst wochentags nur selten leer.

Wer in die Waldklause kommt, wird wohl von den 150 Kilometern Wanderwegen, den 120 Kilometern alpinen Nordic-Walking-Strecken und  Klettergärten wahrscheinlich nicht allzu viel mitbekommen. Weil es viel zu schade ist, dieses gemütliche Holzhotel zu verlassen. Und wohin mit den neu gewonnenen Kilos? Erst einmal in der Zirben-Sauna ausschwitzen.

Adresse. Naturhotel Waldklause, Familie Auer – Unterlängenfeld 190, A-6444 Längenfeld – Österreich, Tel.:  +43 5253 5455. Mehr Infos über das Hotel gibt es hier. DZ ab 102 € , Zirbensuite ab 125 €  pro Person inkl. Frühstück, Jause, 5-Gänge-Menü, ohne Getränke, Wellnessbereich mit Sauna, Dampfbad, Ruheräume, Tee und Früchte. Außerdem sind der Eintritt in die Therme Aqua Dome sowie Mountainbikes und Nordic-Walking-Stöcke im Preis inbegriffen (Preise können variieren)

Anreise. Ab Köln/Bonn und Berlin-Tegel mit Tuifly oder mit Lufthansa ab Frankfurt a. M. oder Hamburg bis Innsbruck. Von dort sind es noch etwa 80 Kilometer. Es gibt die Möglichkeit, einen Shuttle zum Hotel und zurück zum Flughafen zu nehmen, für pauschal 30 €

Buchtipp. Gesunde Rezepte und Ideen für Tischdeko von der Gastgeberin der Waldklause, Irene Auer. »Inspiration. Ein perfektes Menü an einem perfekt gedeckten Tisch.« Umschau Verlag, 160 S, 34 €

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