Ein Hipster-Hotel zwischen Union-Jack-Kissen und puristischen Edelplastikhockern ist das Fünf-Sterne-Hotel London One Aldwych keineswegs. Es ist eher ein zweites gemütliches Zuhause. Und deswegen liebe ich es. Text: Jennifer Latuperisa-Andresen

Das Gefühl, nicht die richtigen Worte zu finden, belastet mich gerade beim Verfassen der kommenden Zeilen. Es ist die Angst, das Wichtigste eben nicht sagen zu können, dem Artikel das Essenzielle unbeholfen vorzuenthalten. Ob die Redakteure von The Morning Post, einer Londoner Tageszeitung, auch dieses Problem hatten? In deren ehemaligem Verlagsgebäude befindet sich nämlich das Luxushotel London One Aldwych. Der ungewöhnliche Name bezieht sich auf die Adresse. Auch wenn dem ehemaligen Managing Director des Hauses, Gordon Campbell Gray, durchaus eine kreative Wahl zuzutrauen wäre. Denn der Mann muss einen besonderen, einen innovativen – nein, geradezu visionären Charakter haben, den sein One Aldwych durchaus ausstrahlt.

»Ich liebe die Details«

Zuerst sei zu erwähnen, dass durchgestylt nicht das richtige Wort ist für die Zimmer des Hauses. Diese sind behaglich, sie sind gemütlich und reduziert. Damit meine ich kein puristisches Ambiente, es erinnert eher an ein wohliges Gästezimmer, in dem man durchaus länger bleiben mag. Größe darf da kein ausschlaggebendes Argument sein. Die Zimmer sind durchaus klein. Meins ist diesmal zudem direkt unter dem Dach. Es gibt keinen dekorativen Schnickschnack. Keine goldenen Nieten am Sessel, keinen Kronleuchter aus Kristallen und auch keine Le-Corbusier-Liege. Es gibt eher einen Schreibtisch, zwei Stühle und ein ultragemütliches Bett. Das Bad ist aus Marmor und verhältnismäßig riesig. Ich liebe die Details. Das unauffällig Außergewöhnliche und Sorgsame. Die kleinen Details, über die der Gast stolpert und dann grübelt – beispielsweise, dass statt der Bibel im Nachttisch ein Buch über Ökologie wartet. Oder dass alle Beautyprodukte im Bad nicht an Tieren getestet wurden. Dass eine Yogastunde am Samstag kostenfrei ist oder das hauseigene Kino (eines der ersten in Stadthotels) einen Film zeigt, Popcorn inklusive. Der ehemalige Managing Director Gordon Campbell Gray achtet auf Kleinigkeiten. Nein, auf das Wesentliche.

Hotel-Bar ist etwas Besonderes

Seine Kunstsammlung mit etwa 500 Exponaten verteilt sich im gesamten Haus. Damit sind nicht nur die 105 Zimmer gemeint, sondern beispielsweise auch die Lobby, die gleichzeitig eine Bar ist und in der sich sehr gerne auch die Einheimischen auf einen After-Work-Cocktail treffen. Hier wird in gemütlichen Clubsesseln geplauscht oder sich beizeiten zum High Tea getroffen. Dabei ist die Atmosphäre in der ehemaligen Druckerhalle majestätisch, ja fast sakral. Mich irritiert nur die Bronzestatue mit den exorbitanten Paddeln. Wie gerne hätte ich Herrn Gray einmal nach der Bedeutung dieses massiven Meisterwerks gefragt, das, mitten im Raum platziert, unübersehbar ist. Die Bar gehört übrigens zu den besten der Stadt. Sie ist eine Institution. Bei den Bafta Awards, der englischen Version des Oscars, trifft sich hier die Filmprominenz zum Vorglühen im Designerzwirn. Sicherlich, weil das Haus nur einen Katzensprung vom Veranstaltungsort entfernt ist, aber auch, weil die Cocktails perfekt sind und das Personal reizend ist. Aufmerksam und zuvorkommend. Leere Schälchen mit Nüssen und Oliven wird der meckernde Gast nicht finden. Es wird auch nicht gespart. Der Gast wird verwöhnt. Dezent und von Herzen. Auch wenn er nur für einen Cocktail einkehrt.

Dabei ist die Konkurrenz um das Hotel London One Aldwych riesig. Beliebte Pubs und ausgezeichnete Restaurants reihen sich um das Hotel wie die Perlen einer Kette. Liegt es doch so perfekt nah am Shopping- und Ausgehparadies Covent Garden sowie im »Theatreland« mit seinem Angebot an hochkarätigen Komödien, Dramen und Musicals, die vom Hotel nur einen Katzensprung entfernt sind. Sicherlich ist das ein wichtiger Grund, warum dieses Haus zu meinen Lieblingshotels gehört.

Ökologisches Handeln dank des »Green Teams«

Doch das London One Aldwych, Mitglied der »Leading Hotels of the World«, besticht mit mehr als einer guten Lage und einem guten Cocktail. Es ist der bescheidene Luxus, der überzeugt. Das perfekte Understatement. Da legt man zum Beispiel Wert darauf, ökologisch korrekt zu handeln. Ein eigens engagiertes »Green Team« sorgt für stetige Verbesserungen auf diesem Gebiet. So kommt das Wasser im Pool ohne Chlor aus und wird durch ein ausgeklügeltes Biosystem gereinigt.

Eines der weltbesten Restaurants

Auch in der Küche werden neue Maßstäbe gesetzt. Küchenchef Dominic Teague führt im Restaurant Indigo das erste komplett milch- und glutenfreie Restaurant Londons und schafft es dennoch, die beste Portion Fish ‘n’ Chips zu servieren, die ich je gegessen habe. Doch diesen Sommer kommt noch ein weiteres kulinarisches Highlight hinzu, das ich selbst noch nicht testen konnte. Es wird eine Dependance des spanischen Spitzenrestaurants »Azurmendi Bilbao« im Hotel geben. Ein renommiertes Aushängeschild, immerhin rangiert das baskische Vorbild auf Platz 19 der 50 weltbesten Restaurants. Chefkoch Eneko Atxa, der mit drei Michelin-Sternen prämiert ist, setzt im Hotel das Projekt um. Das neue Restaurant Eneko At One Aldwych soll die moderne Interpretation der traditionellen, rustikalen baskischen Landküche sein.

Das dort servierte Menü wird als unprätentiös, geradlinig, basierend auf hochwertigen Zutaten und mit Liebe zum kulinarischen Erbe umschrieben. Ein Motto, das nicht nur für die Küche des Restaurants passend ist. Denn wenn ich das so lese, könnte ich das Konzept des grandiosen One Aldwych mit den gleichen Worten umschreiben.

Infos. London One Aldwych. London WC2B 4BZ, Tel.: +44 (0)20 7300 1000, Preis: DZ kosten ab ca. 362 Euro die Nacht, zzgl. Steuern ohne Frühstück. Das »Full English Breakfast« beträgt ca. 37 Euro pro Person im Indigo, wo man natürlich auch à la carte dinieren kann.

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