Ostern ist eine besondere Zeit in Zentralamerika: Trotz der starken Verbreitung des katholischen Glaubens in der Region, führen viele Länder ihre indigenen Traditionen fort. Damit machen sie die Karwoche zu einem bunten Mix aus Magie, Farbe und zahlreichen althergebrachten Bräuchen.

Besonders spektakulär und eine der schönsten und beliebtesten Osterfeiern ist die Herstellung von Prozessionsteppichen, die in den Straßen aus verschiedenen natürlichen Materialien wie Sägemehl, Salz, Sand, Textilfarben, Blumen und Früchten hergerichtet werden. Die mit viel Mühe angefertigten Kunstwerke stellen in der Regel religiöse Motive dar. Sie sind bei den Karfreitagsprozessionen sowohl für Einheimische als auch für Touristen ein Hingucker.

Malhzeit: Kabeljausuppe und traditionelle Maispasteten

Neben den zahlreichen Traditionen und Bräuchen wird während der Osterzeit auch auf gutes Essen Wert gelegt: Traditionell wird kein Fleisch gegessen, Fisch und Meeresfrüchte spielen die Hauptrolle bei den zu Ostern typischen Gerichten wie Kabeljausuppe, Reis mit getrocknetem Fisch oder traditionelle Maispasteten. Auch die süßen Nachspeisen werden nicht vernachlässigt: Besonders beliebt sind die »Torrejas«. Sie sind vergleichbar mit der hiesigen “Arme Ritter”-Speise, von denen es drei verschiedene Arten gibt: mit Brot, mit Reis oder mit Pinol (gerösteter oder gemahlener Mais).

Torrejas in Guatemala

Francisco Sandoval Guate/Shutterstock.com

Die Karwoche in Antigua in Guatemala startet am Palmsonntag und endet am Ostersonntag. Die Prozessionen ziehen in diesen Tagen durch das Stadtzentrum und trotz der Ähnlichkeit zu den spanischen Festlichkeiten, werden typische Elemente der Maya-Kultur in die Feierlichkeiten integriert, wie zum Beispiel die Motiveinbindung des Schmetterlings in den Prozessionsteppichen, der in der Maya-Kultur ein Sonnen-Symbol ist, eine der wichtigsten Maya-Gottheiten darstellt.

Hondoruas und Costa Rica: Osterfeiern am Strand

In den Städten Chalchuapa, Sonsonate und Izalco in El Salvador hat die indigene Bevölkerung trotz spanischer Kolonisation einige Bräuche bis heute behalten. Deshalb können bei den Prozessionen indigene Schamanen beobachtet werden, und auch die traditionell mitlaufenden Bruderschaften tragen in diesen Tagen indigene Trachten. In der Gemeinde Texistepeque findet man verkleidete Talcigüines oder Dämonen, die die Leiden Jesus nachstellen.

In Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras, hingegen, finden Reisende eher leere Straßen vor, denn die meisten Einheimischen befinden sich zu den Feiertagen im Strandurlaub. Ähnliches gilt für Costa Rica, wo es ebenfalls die meisten an den Strand zieht. Traditionelle Speisen sind dort zu Ostern kleine Empanadas de Chiverre, eine Art Kürbisfrucht im Teigmantel, Kokoshonig, Milchreis oder Kabeljausuppe.

Nicaragua: Alle Mann zum See

In Nicaragua wird der Leidensweg Jesu Christi als »C«, auf dem Nicaraguasee, dem größten Süßwassersee Zentralamerikas nachgestellt. Dort fahren Hunderte, ganze Familien, meist Einwohner der am See gelegenen Kolonialstadt Granada, durch die Inselwelt der »Isletas«. Hierbei handelt es sich um rund 360 kleinere Inseln, die aus dem nahegelegenen Vulkan Mombacho vor tausenden Jahren entstanden sind. Über mehrere Stunden vollzieht sich eine Prozession mit reichgeschmückten Booten durch diese Inselwelt, die in der Kreuzigung Jesu gipfelt.

In Panama wird zu dieser Zeit der Baum »Granadillo« in der Gemeinde La Trinidad im Westen der Hauptstadt verehrt. Er zählt zu den beliebtesten Wallfahrtsorten der Karwoche. Man glaubt, dass der Baum, der nur am Karfreitag blüht, eine heilende Wirkung hat. Die Blätter werden gesammelt und daraus Tee und Salben hergestellt. Auch werden die Blüten für die Teppiche der Prozessionen verwendet.

In Belize dagegen findet man sich zu den Osterfeiern traditionell zum klassischen Cross Country-Fahrradrennen ein, das auf einer Länge von mehr als 230 Kilometern zwischen Belize City und San Ignacio am Karsamstag stattfindet.

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