Stadt der Liebe, der Mode und des Eiffelturms: Paris ist toll, es gibt unendlich viel zu entdecken und zu bestaunen. Was aber, wenn man nur einen Tag Zeit hat? Dann muss ein ausgeklügeltes Zeitmanagement her. Text: Isabella Cesar

9 Uhr Ankunft, verbleibende Zeit: exakt neun Stunden.

Endlich da. Ich lasse den Trubel des Gare-du-Nord-Bahnhofs hinter mir und nehme gleich die Metro. Mein Ziel: das Marais, seit gefühlten Ewigkeiten das In-Viertel von Paris. Auf dem Boulevard Beaumarchais entdecke ich eine Boutique, die meinen strengen Zeitplan gleich durcheinanderwirbelt.

»Merci« heißt sie. Eröffnet wurde die Boutique im März 2009 und ist seitdem eine der Topadressen für Mode, Möbel und Accessoires. Wer schon immer einmal ein Kleid tragen wollte, das zuvor einem Star gehörte, kann sich hier diesen Wunsch leicht erfüllen. Schauspieler, Models und andere Prominente spendeten ihre Kleidung. Auch Designer kreieren Modelinien eigens für die Marke »Merci«. Neben vielen französischen Labels ist beispielsweise auch Stella McCartney vertreten.

Verbleibende Zeit: knapp sieben Stunden.

Bei einem Spaziergang durch das Viertel merke ich schnell, dass das Marais einst das jüdische Zentrum von Paris war. Geschäfte, Handwerksbetriebe und Restaurants jüdischer Einwanderer dominierten seinerzeit das Stadtbild. Heute ist es multikulti geprägt und hat sich zum Szeneviertel entwickelt, das vor allem Künstler, Designer und Schwule anzieht.

Weiter führt mich der Weg über den Markt »Marché des Enfants Rouges« in der 39 rue de Bretagne, etwas versteckt hinter einem Eisentor.

In der dahinter liegenden renovierten Markthalle läuft einem das Wasser im Munde zusammen.

Auf der einen Seite wird frischer Fisch gebraten, auf der anderen arabische Baklava und französischer Käse verkauft. Der älteste Markt von Paris ist eine Art globales Dorf; hausgemachter Couscousgeruch vermischt sich mit japanischem Wasabi und französischen Crêpes. Nach all den Köstlichkeiten knurrt mir der Magen – aber die Zeit reicht nur für etwas Süßes.

Verbleibende Zeit: etwas mehr als fünf Stunden.

Ich möchte etwas Schokoladiges. Eine der berühmtesten Chocolaterien in ganz Paris ist die von Jacques Genin. Kaum betrete ich die Chocolaterie mit angrenzendem Café, schon strömt mir der Geruch von heißer Schokolade entgegen. Ich fühle mich wie im Himmel. Wer sich eine Tasse heißen Kakao bestellt, erhält eine Kanne voll mit dickflüssiger Schokolade und obendrauf kleine Pralinen. In der ersten Etage befindet sich die Schokoladenfabrik. Alle Pralinen, Kuchen und Leckereien werden selbst gemacht. Die »bonbons de chocolat« muss man einfach lieben. Und dabei wird nicht mit Hochprozentigem gegeizt: Whiskey und Sherry passen wirklich hervorragend zu Schokolade.

Verbleibende Zeit: zwei Stunden und 58 Minuten.

Nach dieser Kalorienbombe brauche ich dringend etwas Bewegung. Mich zieht es zum ältesten und angeblich schönsten Platz in ganz Paris, dem Place des Vosges. Vielleicht erblicke ich ja Prominente, denke ich. Dominique Strauss-Kahn soll in der Hausnummer 13 wohnen. Ob er wohl zu Hause ist?

Umgeben von Pavillons und Bäumen, sinniere ich auf einer Bank über die vielen Prominenten, die hier wohl schon vorbeigeschlendert sind.

Ach egal, denke ich, lieber noch einen Abstecher zur Notre-Dame-Kathedrale machen. Allein der Weg dahin über die Seine ist ein Highlight. Leider ist die Schlange vor der Kathedrale zu lang, also schnell Fotos geschossen, und weiter geht es in die Metro.

DMITRII A KUDASOV/ Shutterstock.com

Auf dem Weg dorthin fällt mir ein schönes Hotel auf. Es handelt sich hierbei um das »Hotel du Petit Moulin«, ein Vier-Sterne-Hotel mitten im Marais. Die Zimmer wurden von Designer Christian Lacroix eingerichtet. Jedes der insgesamt 17 Zimmer ist ein Unikat, keines gleicht dem anderen. Ein Zimmer gefällt mir besonders: goldene Spiegel, rote Fliesen und Vintagemöbel. Was mir ebenfalls gefällt: Von hier aus kann man das Viertel schnell und bequem erkunden. Muss ich mir merken, wenn ich das nächste Mal über Nacht in Paris bleibe. Denn das werde ich. Ganz bestimmt.

Abfahrt 18 Uhr, verbleibende Zeit: zehn Minuten.

Nach insgesamt neun Stunden in Paris bin ich zurück am Gare du Nord. Jetzt habe ich exakt drei Stunden und 14 Minuten Zeit im Zug. Zum Relaxen.

 

Anreise. Thalys fährt täglich von Köln über Aachen und Lüttich nach Paris, auch von Essen über Duisburg, Düsseldorf, Köln und Aachen. www.thalys.com

Übernachten. Das Hotel du Petit Moulin in der 29/31 rue du Poitou bietet einen idealen Ausgangspunkt, um das Marais für länger als einen Tag zu erkunden.

Kulinarisch. La Chocolaterie de Jaqcues Genin, 133, Rue de Turenne, Paris. Lieber am frühen Nachmittag oder schon vormittags kommen, denn sonst wartet man lange auf einen Tisch. www.jacquesgenin.fr

Shopping. Merci, 111 Boulevard Beaumarchais, 75003 Paris. Außer sonntags jeden Tag von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Marché des Enfants Rouges ist dienstags bis donnerstags von 8.30 Uhr bis 19.30 Uhr geöffnet, freitags und samstag bis 20 Uhr und sonntags von 8.30 Uhr bis 14 Uhr.

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