Rauchende Vulkane, fotogene Tempel und verlassene Landschaften – die südlichste Insel Japans namens Kyushu ist ein Fleckchen Erde, das der westliche Urlauber kaum für sich entdeckt hat, das aber unbedingt besuchenswert ist. Text: Ulrike Klaas

Anreise. KLM ist die einzige Airline, die Fukuoka nonstop ab Europa, von zehn deutschen Flughäfen via Amsterdam-Shiphol, anfliegt. Mehr Infos und Buchungen unter: www.klm.de.

Einreise. Für eine Reise nach Japan benötigen deutsche, österreichische und Schweizer Staatsangehörige einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass. Damit wird bei der Einreise ein 90 Tage gültiges Touristenvisum erteilt.

Traditionell schlafen

Unterkunft.

In Fukuoka: Das Fünf-Sterne-Haus Grand Hyatt liegt mitten im Business-Distrikt mit zahlreichen Shopping- und Ausgehmöglichkeiten. Zudem ist der internationale Flughafen in nur fünf Kilometern zu erreichen. Zimmer ab € 104 p. P. die Nacht. http://fukuoka.grand.hyatt.com/en/hotel/home.html. Wellnessaufenthalt im Onsen: Eine Nacht im Yukyo No Hibiki Yusai im Kurort Kurokawa Onsen ist ein besonderes Erlebnis, denn es ist ein traditionell eingerichtetes japanisches Hotel, ein sogenanntes Ryokan mit eigener Quelle.

Kurort Kurokawa Onsen - Wellness auf japanisch - Kyushu

Ulrike Klaas

Die Böden sind mit Tatami-Matten ausgelegt, und man schläft auf Futons, die am Abend auf dem Boden ausgebreitet werden. www.yusai.com/yusai3/page028.html

In Kumamoto: Das Mitsui Garden Hotel liegt mittendrin, ist aber dennoch ruhig. Die Nacht kostet € 53 p. P im Standardzimmer. www.gardenhotels.co.jp/eng/kumamoto

In Nagasaki: Das Garden Terrace Hotel liegt auf einem Berg oberhalb der Stadt und bietet einen grandiosen Blick auf Nagasaki und den Hafen. Die Suiten sind sehr geschmackvoll und ohne unnötigen Schnickschnack eingerichtet. Die Garden Terrace Suite kostet ab ca. € 144 p. P. die Nacht. Die Ocean und Tower Suite gibt es ab ca. € 180 die Nacht p. P. www.gt-nagasaki.jp/?lang=en

Hirado und die 99-Insel-Landschaft: Das Hotel Kaijo in Hirado bietet japanisch eingerichtete Zimmer ebenso wie Zimmer im westlichen Stil. www.hiradokaijyohotel.co.jp

Tipp. Da viele Hotelwebsites nur auf Japanisch existieren, empfiehlt es sich, die Rundreise und die Hotels über einen Veranstalter zu buchen, um auch einen Dolmetscher an seiner Seite zu haben. Den auch unterwegs mit dem Mietwagen ist es manchmal sehr schwierig, sich zu verständigen und den Weg auszumachen. Rundreise auf Kyushu beispielsweise buchbar über Windrose Finest Travel GmbH, www.windrose.de

Kommt man mit Englisch klar?

Sprache. Die Amtssprache ist Japanisch. Mit Englisch kann man sich weitestgehend verständigen, aber längst sind nicht alle Straßenschilder auf Englisch, und nicht in jedem Restaurant findet sich jemand, der Englisch beherrscht. So ist es vor allem in den ländlichen Gegenden sehr abenteuerlich, ohne Japanisch auskommen zu müssen. In den großen Städten wie Fukuoka, Nagasaki oder Kumamoto kommt man dagegen mit Englisch ganz gut zurecht.

Klima. Die Wintermonate Januar und Februar bieten an der japanischen Pazifikküste milde, trockene Tage ohne Frost. Nur sehr vereinzelt muss mit Schneefall gerechnet werden. In den Japanischen Alpen um Nagano und an der Küste zum Japanischen Meer jedoch liegt im Winder meist viel Schnee. Das Frühjahr beginnt im März mit angenehmen Temperaturen zur Kirschblüte um die 20 Grad und endet im Juni mit der ca. drei- bis vierwöchigen Regenzeit, dem Pflaumenregen. Ab Mitte Juli ist Sommer, meist mit schwül-feuchter Hitze, die im August Spitzentemperaturen um die 35 Grad bringen kann. Dabei scheint jedoch häufig die Sonne. Ende August und September ist Taifunzeit, teilweise heftige Stürme suchen dann vor allem Japans Küsten heim. Im Oktober und November herrscht dann wieder ruhiges Herbstwetter mit angenehmen Temperaturen.

Das muss man sehen in Kumamotot und Nagasaki

Sehenswürdigkeiten. Der Aso-Kujū-Nationalpark ist wohl das beliebteste Ziel von Touristen, die nach Kyushu reisen. Wenn der Vulkan einen guten Tag hat und nicht allzu viel Asche und Schwefel spuckt, können die Besucher mit einer Seilbahn zum Krater hinauffahren. Hin und zurück kostet die Fahrt € 7,20 für Erw. und € 3,60 für Kinder.

In Kumamoto lohnt der Besuch des wunderschönen und akkurat hergerichteten Suizenji Jojuen Garden aus der Edo-Zeit mit eigenem kleinen Fuji, der sich hinter dem Teich mit diversen Kois erhebt, und einem wunderschönen Schrein, dem Izumi-Shinto-Schrein, erbaut 1878. Herumspazieren und Zen auf sich wirken lassen!

Suizenji Jojuen Garden aus der Edo-Zeit mit eigenem kleinen Fuji - in Kumamoto

Ulrike Klaas

Ebenso sehenswert ist das Kumamoto Castle, wo einiges an Schau geboten wird, vor allem am Wochenende. Dann bevölkern Gruppen von Jugendlichen die Burg, verkleidet in Manga-Manier.

Manga-Maedchen in Kumamoto-Kyushu

Ulrike Klaas

Cosplay heißt dieses Phänomen, wenn Figuren aus Manga, Anime, Computerspiel oder Film nachgeahmt werden. Die Burg ist geöffnet von April bis Oktober, 8.30 bis 17.30 Uhr und von November bis März bis 16.30 Uhr. Eintritt für Erwachsene: € 3,60. Kinder bezahlen € 1,40.

In Nagasaki gibt es unheimlich viel zu sehen – von Museen über Aussichtsplattformen bis hin zu einer Gruselinsel. Allen voran ist das Atombombenmuseum zu nennen, wo eindrucksvoll und mit Gänsehauteffekt die Zerstörung der Stadt und der Tod ihrer Einwohner dargestellt werden.

Atombombenmuseum in Nagasaki - Kyushu

Ulrike Klaas

Ganzjährig geöffnet (außer 29. und 31. Dezember) von 8.30 bis 17.30 Uhr. Eintritt für Erwachsene: € 1,40, für Kinder: 70 Cent.

Ebenfalls sehr interessant hergerichtet: Dejima (www.city.nagasaki.lg.jp/dejima/en/index.html). Die ehemalige Handelsinsel wurde sehr schön rekonstruiert, und die Besucher erhalten schnell einen Eindruck, wie es damals gewesen sein muss, abgegrenzt auf der fächerförmigen kleinen und künstlich angelegten Insel in der Bucht von Nagasaki zu leben. Denn während der Edo-Zeit war sie der einzige Ort des direkten Handels und Austauschs zwischen Japan und Europa. Niederländische Schiffe durften hier weiter ankern, und so lebten im 17. und 18. Jahrhundert holländische Handelsleute auf Dejima, aber auch holländische Wissenschaftler und Ärzte, die maßgeblich dazu beitrugen, die Entwicklung der japanischen Medizin voranzutreiben. Einer von ihnen war Franz von Siebold, ein Deutscher, der sich in Nagasaki als Holländer ausgab. Der Arzt unterrichtete auf Dejima japanische Studenten in westlicher Medizin.

Das Siebold Memorial Museum ist etwas schwer zu finden, aber der Weg lohnt sich: 2-7-40 Narutaki, Tel.: +95 823 0707. Eintritt Erwachsene: 70 Cent, Kinder 36 Cent.

Bester Blick auf Nagasaki, vor allem bei Sonnenuntergang: mit der Seilbahn auf den 333 Meter hohen Mount Inasa. Hin und zurück für € 8,60 (Erw.) und € 5 (Kinder), www.nagasaki-ropeway.jp.

Auf den Spuren von James Bond

Geisterinsel Hashima: Die Insel, die schon Drehkulisse für James Bond war, liegt circa eine halbe Stunde mit dem Boot von der Stadt entfernt (4,5 Kilometer westlich von Nagasaki).

Die Geisterinsel Hashima war schon Drehort für james Bond - Kyushu

Ulrike Klaas

Täglich legt das Schiff zweimal ab: um 11.10 Uhr (zurück um 13 Uhr) und um 14.30 Uhr (zurück um 15.50 Uhr). Der Trip mit Führung auf der Insel dauert circa zwei Stunden. Für Erwachsene: € 26, für Jugendliche: € 21, für Kinder € 12. www.gunkanjima-concierge.com

Salikai Nationalpark Kujukushima: Landschaftlich wunderschön und noch gänzlich unberührt ist die 99-Insel-Landschaft, 25 Kilometer nördlich von der Stadt Sasebo. 208 bewohnte und unbewohnte Inseln tummeln sich vor der Küste. Die Landschaft sollte man auf jeden Fall mit dem Boot ab dem Saikai Pearl Sea Resort erkunden. www.sasebo99.com

Mitbringsel, die glücklich machen

Souvenirs. Ob Restaurants, Shops, auf der Bank oder in den Büros – überall findet sich die »maneki neko«, eine winkende Katze. Der wohl beliebteste japanische Glücksbringer ist in allen Größen erhältlich. Ebenso ein netter Glücksbringer für die Daheimgebliebenen.

Winke, winke: Winkekattze-Kyushu-Japan

Ulrike Klaas

Für kreative Daheimgebliebene bietet sich der »Tenugui« an, ein traditionelles japanisches Handtuch aus dünnem, normalerweise farbig bedrucktem Baumwollstoff. Diesen kann man als Kopfbedeckung an zu heißen Tagen verwenden, als Wandteppich, Tischdecke oder um Geschenke darin einzuwickeln. Die klassischen Mitbringsel sind natürlich der Yukata, die unkomplizierte, leichtere und alltäglichere Variante der Kimonos. Oder passend dazu: geta, die japanischen Holzsandalen. Ebenso wie der Wagasa, der traditionelle Regenschirm, oder der Fächer, ōgi oder uchiwa genannt.

Essen. Wer auf Kyushu urlaubt, darf eines auf keinen Fall verpassen: eine köstliche Ramen-Suppe zu schlürfen. In Fukuoka reiht sich auf der Promenade am Fluss ein Essensstand an den anderen. Auf den kleinen Hockern davor kann man sich niederlassen, um eine Ramensuppe zu löffeln.

Rahmensupper schlürfen ist ein Muss - Kyusuh

Ulrike Klaas

Denn auch wenn Reis das Hauptnahrungsmittel schlechthin ist, sind auch Nudeln sehr beliebt – ob warm in einer Suppe oder kalt. Typische japanische Nudeln sind beispielsweise »Udon«, sehr dicke, weiße Weizennudeln, »Somen«, sehr dünne Fadennudeln, und »Soba«, dünne, mal weiße und mal braune Buchweizennudeln. Die daraus hergestellten Nudelsuppen werden Ramen genannt. In Deutschland sind Ramen vor allem als Instant-Nudelsuppen bekannt, die aber an die frischen Ramen-Suppen nicht ansatzweise herankommen. Verfeinert werden die Suppen mit verschiedensten Fleisch- und Fischsorten und Gemüse. Es lohnt sich, auf ganz Kyushu in den traditionellen Restaurants eine Ramensuppe zu bestellen. Sushi, wie wir es kennen, spielt eine eher untergeordnete Rolle auf den Speiseplänen der Restaurants.

Trinkgeld.  Guter Service ist in Japan üblich, Trinkgelder jedoch nicht. Ihre Bedienung im Restaurant, Zimmermädchen und Taxifahrer erwarten kein Trinkgeld.

Besser nicht …

… in Japan ist es beinahe unmöglich, alle Fettnäpfchen zu umgehen. Deswegen nur die wirklichen großen Fauxpas, die es zu vermeiden gilt.

…vergessen, sich beim Onsen-Besuch vorher zu reinigen. Beim Besuch der heißen Quellen ist es wichtig zu beachten, dass die körperliche Reinigung erfolgt, bevor man in das Onsen steigt. Für Japaner ist das unerlässlich, und nicht jeder Besucher ist damit vertraut – entsprechend viele Schilder hängen im Badebereich aus.

… vergessen, Visitenkarten einzustecken. Für die Japaner haben die kleinen Kärtchen eine große Bedeutung und gelten sogar als Teil der Persönlichkeit. Auch Hausfrauen überreichen ihre Visitenkarte.

… an den eigenen Namen selbst ein »san« anhängen, auch wenn man japanische Männer und Frauen selber höflichkeitshalber mit einem »san« am Ende des Namens anspricht.

… Händeschütteln zur Begrüßung oder sogar zum Begrüßungskuss oder zu einem Schulterklopfen ansetzen. Stattdessen eine mittlere Verbeugung wählen, da kann man nichts falsch machen.

… beim Betreten von Wohnungen, Zimmern in traditionellen japanischen Hotels und teilweise auch in Restaurants die Schuhe anbehalten, sondern bereitgestellte Pantoffeln überziehen. Die eigenen Schuhe dürfen allerdings nicht einfach achtlos abgestellt werden, sondern müssen mit den Spitzen zur Eingangstür hingestellt werden. Vor der Toilette stehen spezielle Pantoffeln. Diese für den Toilettengang benutzen und nicht vergessen, die anderen Pantoffeln danach wieder überzustreifen.

… auf offener Straße essen.

niesen in der Öffentlichkeit oder die Nase schnäuzen.

… Gefühlsausbrüche unterdrücken, selbst wenn man den Flug verpasst oder das gebuchte Hotel überbucht ist. Wildes Gestikulieren oder die Stimme erheben gelten als extrem unhöflich.

Infos. Japanische Fremdenverkehrszentrale, Kaiserstr. 11, 60311 Frankfurt, Tel.: 069 20353, www.jnto.de

Warum Redakteurin Ulrike Klaas auf ihrer Rundreise über Kyushu permanent »Zwischen Zen und Harakiri« schwankte und warum sie sich plötzlich vor dem Dresdner Zwinger wiederfand, lesen Sie in ihrer Reportage.

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