Urlaub in Spanien, Italien oder Österreich? Kennt jeder, war schon jeder. Aber schon einmal an einen Trip nach Madagaskar, Südkorea oder Sierra Leone gedacht? Die Länder gehören laut der United Nations World Tourism Organization (UNWTO) zu den Reisezielen, die 2016 den höchsten Touristenzuwachs verzeichneten. Text: Frank Störbrauck

Die Zahlen, die die United Nations World Tourism Organization (UNWTO) auf den Tisch legte, waren überraschend. Denn wer hätte gedacht, dass ein Land wie Sierra Leone den höchsten Zuwachs bei den Touristenzahlen zu verzeichnen hat? Okay, die Rede ist hier nicht von absoluten Zahlen, denn 2016 besuchten lediglich 74.400 Touristen das Land. Aber im Vergleich zu 2015, als nur 24.000 Menschen das Land bereisten, ist das ein Zuwachs von 310 Prozent. Damit sichert sich das Land den ersten Platz unter den (prozentualen) Wachstumsländern. Beobachter gehen davon aus, dass der enorme Zuwachs daher rührt, dass das Land im November 2015 offiziell zur Ebola-freien Zone erklärt wurde.

In Deutschland freilich ist ein Urlaub nach Sierra Leone nur bei Spezialveranstaltern zu buchen. Selbst Gebeco, ein Veranstalter, der sich auf ungewöhnliche Destinationen spezialisiert hat, muss passen: »Sierra Leone haben wir nicht im Programm«, so Kirsten Hulvershorn, Produktmanagerin für das südliche Afrika, gegenüber reisen EXCLUSIV.

Südkorea: Anstieg um mehr als 30 Prozent

Ebenfalls auf dem austeigenden Ast ist Südkorea. 17,2 Millionen Menschen besuchten 2016 das Land. Gegenüber 2015, als 13,2 Millionen Gäste begrüßt wurden, ist das ein Anstieg um satte 30,3 Prozent. Touristenattraktionen sind die Hauptstadt Seoul und die Trauminsel Jeju – für viele Reiseexperten Asiens Antwort auf Hawaii. Und auch Seoul lässt nicht locker, was immer neue Higlights angeht: Seit März befindet sich mit dem Lotte World Tower eines der höchsten Hochhäuser der Welt in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul. Südlich des Han-Flusses ragt das 556 Meter hohe Gebäude mit 123 Stockwerken und einer Gesamtfläche von über 500.000 Quadratmetern in den Himmel. Neben Wohnungen, Büros und Einkaufszentrum mit Kino und Konzerthalle beherbergt der Turm eine der ersten Adressen Seouls, das Lotte Hotel Signiel.

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Ebenfalls mit einem rasanten Zuwachs präsentiert sich Madagaskar. 293.000 Reisende besuchten das Land. Gegenüber 2015, als 244.000 ankamen, ein Zuwachs um 20 Prozent. Nun, was gibt es hier zu sehen? Die Insel lockt mit einer einmaligen Flora und Fauna. Auch Gebeco hat das Land im Portfolio. Dort sind die Reisegruppen während einer 18-tägigen Studienreise unter anderem zu Gast bei dem Stamm der Barabory. Die Barabory leben von ihren Rindern, die sie auf den offenen Feldern der Savanne grasen lassen. Die Reisenden besuchen auch die Betsileo, einen Volksstamm im südlichen, zentralen Hochland Madagaskars, der für seine Holzschnitzkunst bekannt ist. Während ihren Wanderungen in den Nationalparks trifft die Gruppe auf Lemuren und viele andere seltene Tierarten.

Madagaskar der kommende Afrika-Star?

Auch beim Veranstalter Africa Royal Tours hat man ein Auge auf das Land geworfen: »Wir haben Madagaskar bisher nicht im Portfolio, aber sind dabei, Reiseideen zu entwickeln. Ich war selbst erst vor einigen Wochen in Madagaskar und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass auf dieser Insel sehr viel touristisches Potential steckt.  Besonders hervorzuheben ist dabei die endemische Flora und Fauna der Insel. In Madagaskar findet man eine ganz eigene und einzigartige Tierwelt. Beispielsweise gibt es dort Lemuren und Chamäleons, die man sonst nirgendwo auf der Welt findet«, erläutert Davina Listl, Sales & Product Managerin bei Africa Royal Tours.

Alex Ship/Shutterstock.com

Welche Reiseziele bei Gebeco 2017 im Kommen sind? »Als Spezialveranstalter haben wir viele Reiseziele im Programm, die für andere eher unbedeutend sind, die für uns jedoch eine große, wirtschaftliche Bedeutung haben. Zu diesen unbekannten Ländern für die Gebeco eine große Nachfrage verzeichnet zählen Russland, Myanmar, Iran, Kuba, Kambodscha, Peru, Japan und Nepal«, sagt Kirsten Hulvershorn.

Klein, aber oho: Albanien

Momentan freue man sich vor allem über die verstärkte Nachfrage für Reisen nach Albanien und Jordanien. Für Albanien haben sich in diesem Geschäftsjahr die Buchungen sogar mehr als verdoppelt. »Albanien ist noch ein fast unentdecktes Reiseland und unsere Gäste reizt besonders die Exotik dieses Landes trotz dessen räumlicher Nähe zu uns. Die Hauptstadt Tirana und die unzähligen, geschichtsträchtigen Orte, zeigen eine für viele noch unbekannte Welt», erläutert sie. In Albanien haben verschiedene Kulturen Spuren hinterlassen, sodass das Land eine große architektonische Vielfalt aufweist. Das kulturelle Erbe der Griechen, Illyrer, Osmanen steht in einem Gegensatz zu der vom Sozialismus geprägten Architektur der jüngeren Vergangenheit. Klöster und mittelalterliche Ruinen können Reisende während einer Tour in den Städten am Ohridsee entdecken. Das Gewässer an der albanisch-mazedonischen Grenze ist mit einer Tiefe von 286 Metern der tiefste See der Balkanhalbinsel und gehört zum Weltkulturerbe.

Geheimtipp Guatemala

Für Tobias Rüger, Sales & Product Manager beim Veranstalter América Special Tours, lohnt ein Blick nach Mittelamerika: »Ein absoluter Geheimtipp ist Guatemala. Bisher verbinden viele mit Guatemala den Bürgerkrieg oder diverse Hilfsprojekte. Doch der zentralamerikanische Staat besticht durch Authentizität und Ursprünglichkeit. Das Land ist so unverfälscht, wie kaum ein anderes. Die Einwohner Guatemalas trifft man besonders auf den bunten Märkten des Hochlandes. Dort erhält man einen Blick hinter die Kulissen und erlebt die traditionsreiche Kultur hautnah. Zudem gibt es in Guatemala zahlreiche uralte, indigene Völker, wie die Tzutuhil am Atitlán-See oder auch die Garifunas in der Karibik.«

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