Einmal hinter die Kulissen geblickt: Philipp Lichterbeck, freier Journalist, der in Rio de Janeiro lebt, ist durch Haiti und die Dominikanische Republik gereist. Herausgekommen ist dabei sein Buch »Das verlorene Paradies«. Eine Rezension. Text: Frank Störbrauck

Die Dominikanische Republik gilt ja hierzulande als populäres Fernreiseziel für alle, die ein besonderes Faible für einen All-inclusive-Urlaub haben. Die Hotels, viele von ihnen im Vier- und Fünf-Sterne-Segment angesiedelt, haben sich auf diese Klientel spezialisiert. So kommt es nicht von ungefähr, dass die Insel als »Ballermann der Karibik« gilt; mit allen, was dazugehört: Sonne, Strand, Rum und Sex. Warum nicht, möchte man fragen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Doch hat das den Beigeschmack einer Art von Selbstverwirklichung im Urlaub, die distinguierten Reisenden die Augenbrauen hochziehen lässt.

Philipp Lichterbeck hat sich auf die Reise begeben, ist monatelang durch die Dominikanische Republik und das erdbebenerschütterte, bitterarme Haiti gereist und hat 21 Anekdoten über diese Reise mitgebracht (Philipp Lichterbeck – Das verlorene Paradies). Das liest sich manchmal traurig, manchmal heiter, manchmal tragisch. Die Geschichten handeln von glücklichen Aussteigern und traurigen Prostituierten, von erfahrenen Hexenjägern und modernen Sklaven. Und von einem Menschen, der in einer Stadt überlebt, in der nicht einmal mehr die Hoffnung existiert.

Lichterbeck zeigt die Karibik von ihrer ungeschminkten Seite

Sein Buch »Das verlorene Paradies«, erschienen im DuMont-Reiseverlag, ist das beeindruckende Dokument dieser Reise und Begegnungen. Lichterbecks Reportagen sind von hoher literarischer Qualität, die Lektüre der Texte ist ein Genuss. Detailreich beschreibt er seine Protagonisten, deren Umfeld, deren Leben. So schreibt er über eine Frau, die er in einer Bar kennenlernt: »Auf ihrem rechten Arm ist ein Herz mit dem Namen Claudia tätowiert, auf dem linken ein nackter Engel. Sie trägt ein Kopftuch und ein rotes Hemdchen, das hinten tief ausgeschnitten ist. Ihr schwarzer Rock korrespondiert mit ihren dunklen Augen, die mich eingehend mustern. Es ist klar, was Claudia will: tanzen. Es ist klar, was ich nicht kann.«

Lichterbeck zeigt zwei Länder ohne Schönfärberei, das Urlaubsparadies und die Alptraumnation. Oder, wie es auf der Rückseite des Covers heißt: Karibik, ungeschminkt. Nicht jeder findet sich da wieder. Vor allem jene nicht, die die Dominikanische Republik bisher nur in den All-inclusive-Bunkern erlebt haben. Aber für diese Urlauber ist dieses Werk auch gar nicht geschrieben. Allen anderen sei gesagt: Das Buch ist phantastisch.

Philipp Lichterbeck, „Das verlorene Paradies”, Taschenbuch: 256 Seiten, Verlag: DUMONT REISEVERLAG, ISBN-10: 3770182537, € 14,99.

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