Allzeit fünf Sterne plus unter dem Bug: Auf dem schwimmenden Grandhotel »Silver Wind« wird auch die Seele verwöhnt. Text: Margit Boeckh

„Ein schöner sonniger Tag wird das werden“, bemerkt Santano und arrangiert das Frühstück auf dem Couchtisch in meiner Suite. Cappuccino und Toast duften. Im Bordfernsehen macht ein Film Lust auf den Landausflug. Santano, die Locken schwarz wie der Anzug, sieht nach, ob noch genügend Pommery auf Eis liegt. Eine dezente Aufmerksamkeit. Kann er mich noch mit irgendetwas erfreuen? Oh, danke, alles wunderbar! »Dann wünsche ich einen angenehmen Landausflug«, lächelt dieses filmreife Abbild von einem Kabinensteward mich noch mal an, ehe er sich sanft entfernt. Ein perfekter Start, der auf die Atmosphäre an Bord einstimmt: Auf der »Silver Wind« wird die Seele verwöhnt. Das Panorama der kleinen Däneninsel Bornholm, auf die unser Schiff jetzt Kurs nimmt, liefert die passende Optik zum Wohlgefühl. Blauer Himmel über viel Grün vor dem bunten Häusergewirr von Ronne, aus dem blendendweiß die Kirchturmspitze sticht.

Neben mir an der Reling seufzt jemand. »So sorry«, lässt mich die Dame in feinstem Ostküstenamerikanisch wissen, »Wie schade – nur eine Viertelstunde fürs KaDeWe. Und ich wollte doch so gerne richtig shoppen.« Für den Moment sieht die blonde Mittdreißigerin leicht bekümmert drein. Doch gleich strahlt sie mich wieder an: »Ich bin Charleyne«, und schwärmt vom »Landgang« gestern in Berlin. Alles »very exciting« in der deutschen Hauptstadt, einfach toll. Nur eben viel zu kurz. Weshalb Charleyne unbedingt wiederkommen, ein paar Tage bleiben »und gleich noch Budapest und Prag mitmachen« will. Nächstes Mal, auf dem nächsten Törn. Und der kommt ziemlich sicher. Wie viele auf der »Silver Wind« ist Charleyne aus Boston ein verwöhnter Kreuzfahrt-Profi. Unwillkürlich kommt das Klischee vor Augen: pensioniert, bequem, betucht. Da fällt die fitnessgetrimmte Geschäftsfrau Charleyne schon mal durchs Raster. Dieses schwimmende Luxusresort gibt einem fast das Gefühl, auf einer Privatyacht zu sein. Grund dafür ist sicherlich die angenehm persönliche Atmosphäre. Beim Einchecken hatte mich die Dame an der Rezeption selbstverständlich mit meinem Namen begrüßt und mich dann samt Gepäck in die geräumige Suite geleitet. Andere Kabinen gibt es an Bord nicht. Teakholzveranda, begehbarer Kleiderschrank, Marmorbad und kleine Freundlichkeiten wie persönliches Briefpapier inklusive.

Individueller Service ist während der ganzen Reise mit an Bord

Genauso wie der Champagner, sämtliche Speisen und Getränke, der Zimmerservice und die bei Bedarf endlos nachgefüllte Minibar. Auch ums Trinkgeld, sonst immer ein Knackpunkt, braucht man sich ebenso wenig Sorgen zu machen. Wohl auch ein Grund für die zahlreichen »Returner«. Um die 60 Prozent buchen die »Silver Wind« mehrfach nach dem Motto: »Nächstes Jahr – selbes Schiff«. Andere Route natürlich. Dieser Ostsee-Törn führt von Warnemünde nach Bornholm, um über Danzig auf Gotland und Stockholm Kurs zu nehmen. Die kreuzfahrtüblich kompakte Erlebnismenge im Schnelldurchgang, aber mit ein paar Extras. Auf der charmanten Däneninsel bringt uns ein Bus vom Hafen mitten in das Hauptstädtchen Ronne. Doch keineswegs einfach so nach dem Motto »einsteigen und los«. Vor der Abfahrt laden unter einem stilvollen Partyzelt noch Häppchen und Champagner zur heiteren Einstimmung auf die Tour. Der prickelnde Abschied und ein ebensolches Willkommen ist Brauch bei jedem Landgang, lerne ich. Soll ja auch an nichts fehlen. So erobere ich beschwingt die winkligen Straßen und Gassen von Ronne, wo ich auf Schritt und Tritt an große Seefahrerzeiten erinnert werde. Danzig mit seinem  legendären Wiederaufbau-Wunder ist da schon eher fürs Bestaunen offen. Die prächtigen Renaissancebauten im Stadtkern, buchstäblich aus Ruinen auferstanden. Tadellos präsentiert sich das legendäre Kronentor. Und auch die berühmte Marienkirche, eine der größten der Welt, ist schön anzuschauen. 25 000 Menschen haben in ihr Platz.

Wer hier heiratet, kann es gästemäßig richtig krachen lassen. Mittelalterromantik von mehr ländlichem Zuschnitt empfängt uns in Visby auf der Schwedeninsel Gotland. Zwischen Dutzenden malerischen Kirchenruinen erstreckt sich sanft hügeliges Grün. Die ganze Idylle ist über weite Strecken umfangen von der mehr als drei Kilometer langen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, von deren einst über vierzig Türmen die meisten noch erhalten sind. Nicht ohne Grund trägt Visby den Titel des UNESCO Weltkulturerbes. Alles tolle Erlebnisse und Charleyne kommt selbst shoppingmäßig auf ihre Kosten. Doch jeweils spätnachmittags geht es wieder an Bord zur nächsten Runde Verwöhnprogramm à la »Silver Wind«. Verlockend der Gedanke, mir einfach täglich das Frühstück quasi ans Bett (Kingsize natürlich) bringen zu lassen. Und mich anschließend so gestärkt mit Charleyne im »Gym« zu treffen. Ach nee, mal gerade nicht. Luxus ist schließlich auch Faulsein.

Und so döse ich dann auf der Deckliege, nehme statt Lunch eine Massage im Spa und lasse selbst die verführerischen Törtchen zum Fünfuhrtee sausen. Schließlich muss Platz sein fürs abendliche Gourmetdinner. Dafür sorgt der Food&Beverage-Manager Thomas Barth als Chef der sechs Bars und Restaurants an Bord mit einer handverlesenen Crew von rund hundert Küchen- und Servicekräften aus sieben Nationen. Bei einem Besuch in seinem kreativen Küchenreich stellt der welterfahrene Schweizer lächelnd, aber nachdrücklich klar: »Leute ohne Servicementalität haben bei uns keine Chance.« Weshalb schon Spitzenköche die Probezeit nicht bestanden hätten: »Es bringt ja auch nix für die Mitarbeiter. Die können theoretisch noch so perfekt sein. Wenn sie nicht die richtige Haltung haben, werden die bei uns selber nicht glücklich.« Aha, das ist sie wohl, die Philosophie, die jenes angenehme Gefühl diskret-persönlichen Umsorgtseins schafft, das sich dem Gast so angenehm mitteilt. Bis hin zur Sorge um Gepäck und Limousinen-Taxi zum Flughafen in Stockholm. Ende der Traumreise für mich. Charleyne winkt mir ein letztes »Bye, bye«. Sie bleibt noch ein bisschen – zum Shoppen natürlich.

Silversea Cruises. Deluxe-Kreuzfahrten rund um den Globus. Die Flotte umfasst die »Silver Wind«, die baugleiche »Silver Cloud« (je 296 Passagiere), die »Silver Shadow« und »Silver Whisper« (je 382 Passagiere) sowie die »MS Prince Albert II« für  Expeditionskreuzfahrten. Im Dezember geht die neue »Silver Spirit« (540 Passagiere) in Dienst

Preise. Sommer 2010 ist die »Silver Whisper« in Nordeuropa unterwegs (Stockholm, Helsinki, St. Petersburg, Tallinn, Kopenhagen) für 3.123 € pro Person. Mittelmeerroute (Rom, Korsika, Menorca, Mallorca, Ibiza, Barcelona) mit der »Silver Wind« im Sommer 2010 ab 2.443 € pro Person

Buchung. Über Aviation & Tourism International (www.atiworld.de) unter Tel.: 06023 917150 sowie über airtours (www.airtours.de). Tel.: 01805 988288

Internet. www.silversea.com

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