Die »Krsna Slava« verbindet christliche Traditionen und heidnische Erinnerungen mit serbischer Lebensfreude. Generationsübergreifend werden die verschiedenen Heiligen der Familie gewürdigt, verehrt und im festlichen Beisammensein mit kulinarischen Köstlichkeiten gefeiert. Die christlichen Heiligen, wie der »Sveti Jovan«, der heilige Johannes, oder der »Đurđevdan«, gewidmet dem heiligen Georg, repräsentieren die historische Verbundenheit zum orthodoxen Glauben und erinnern an den Tag, an dem die Serben zum Christentum konvertierten.

Die osmanische Besetzung im 15. Jahrhundert stärkte die Verbindung der Christen zu Religion und Familie. Die Heiligenfiguren übernahmen in dieser Zeit eine liturgische Schutzfunktion: Sie sänftigen die Angst der Bevölkerung vor der drohenden Islamisierung und beschützen sie vor dem Verlust der eigenen Identität. Heute trägt die »Krsna Slava« zur jährlichen Erneuerung des orthodoxen Glaubens und zum Andenken des Schutzpatrons der Familie bei. Traditionell wird die Zugehörigkeit zu einem Heiligen vom Vater an die Söhne weitergegeben, während Frauen die des Ehemannes annehmen.

Ein festes Datum für die Feierlichkeiten gibt es jedoch wie bei anderen Feiertagen nicht. Die Feier des Schutzheiligen richtet sich vielmehr nach dem julianischen Kirchenkalender, der Taufe des Hauspatronen. So findet die Feier des »Sveti Jovan« in Zusammenhang mit der Sommersonnenwende im Juni und die des Heiligen Georg (Sveti Đorđe) am 6. Mai statt.

Die Zito zu Ehren des Heiligen

Gemeinsam sind allen die liturgischen Traditionen. Morgens wird durch das Familienoberhaupt eine Kerze zum Gedenken an den Hauspatronen entzündet. Sie brennt den gesamten Tag und stellt einen der vier wesentlichen Komponenten der Slava dar. Die »Zito« – eine süße Paste aus Weizen, Honig und Süßigkeiten, wird zur Ehre und zum Andenken an den Heiligen dargebracht. Sie verbindet die Familie mit ihren verstorbenen Verwandten und bittet den Schutzpatron um das Erhören der Gebete. Das Brot, welches nach dem Gebet gereicht, mit einem Kreuz versehen und danach mit Wein übergossen wird, versinnbildlicht die Symbole Jesus. Durch das Sakrament wird Christus vergegenwärtigt.

Auf den Tisch kommt auch Slavski kolač

Zum häuslichen familiären Teil des Slava-Fest in Serbien wird nicht nur eine Vielzahl von Freunden und Verwandten eingeladen, sondern auch die herzliche und lebensfrohe Mentalität der Serben bei einem Festmahl gefeiert. Die Serben gönnen sich traditionelle Speisen wie »Slavski kolač«; das ist ein ein festlicher Kuchen. Außerdem feiern sie bis in die Abendstunden gemeinsam bei Speis und Trank. Auch Städte oder Schulen feiern ihren Hauspatron. So können auch Reisende an den heiteren und ausgelassenen Feierlichkeiten teilnehmen und das Lebensgefühl und die Tradition der Serben erleben.

Seit 2014 in der Unsesco-Kulturerbe-Liste

Als erstes Kulturgut wurde das Slava-Fest in Serbien im Jahr 2014 in die Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Dieser Status würdigt nicht nur den außergewöhnlichen Stellenwert des wichtigsten religions- und generationsübergreifenden Feiertages des Landes, sondern repräsentiert auch die bemerkenswerte serbische Identität über die Grenzen hinaus. Die Bewerbung des Reigentanzes »Kolo« um den begehrten Unesco-Status im Jahr 2015 unterstützt auch in Zukunft den Erhalt des einmaligen kulturellen Erbes Serbiens.

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