Das Soho House und Berlin sind die perfekte Symbiose. So perfekt, dass jeder einmal vorbeischauen will. Dumm nur, dass man entweder Hotelgast sein muss oder zahlendes Clubmitglied. Demnach praktisch, wenn man jemanden kennt, der einem die Tür öffnet. Text: Jennifer Latuperisa-Andresen

Sneakers im Fünf-Sterne-Hotel? Für mich selbstverständlich. Ich habe schon vor Jahren aufgehört, mich zu verkleiden. Das hatte im Ritz Madrid schon die Konsequenz, dass ich den Frühstückssaal verlassen sollte. No sneakers hieß dort das Credo. Im Soho House herrschen andere Regeln.

»Wir wollen Individualisten und keine Schlipsträger.«

So wird Nick Jones zitiert, Gründer und Visionär. Seine Soho Houses/Clubs gibt es mittlerweile in New York, London, Hollywood und selbstverständlich in Berlin. In der Stadt, wo man auf gesellschaftliche Statuten pfeift und wo Outfits stolz getragen werden, die in anderen Städten als Lumpen bezeichnet werden würden.

Shabby-Wohlfühlchick at it’s best

Und so ist auch das Soho House in der Torstraße 1 in Berlin. Die ehemalige SED-Zentrale ist ein Fassadenkoloss, wuchtig, aber nicht protzig. Und auch innen gigantisch mit hohen und großen Räumen. Diese bieten Platz für Kunst und für Bewegung – die erste Tischtennisplatte, die ich je in einer Lobby sah. Das Konzept ist überzeugend locker und doch mit so viel Shabby-Wohlfühlchic, dass man schnell vom Haus überzeugt ist. Die Wände bröckeln – das ist Absicht. Die Heizungsrohre liegen frei – auch das gewollt. Unperfekt ist Konzept, genauso wie das obligatorische Du. Der einzige Zwang ist das Eintrittsgeld, entweder als Clubmitglied oder eben als »normaler« Hotelgast.

 

Lekkerste. Bed. Ooit. #4persoons #sohohouse #zalando

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Ich stehe gerade fassungslos vor der Bandbreite der Beautyprodukte im Bad, als mein Telefon klingelt. Andrea steht in der Lobby und darf nicht hoch zu mir. Gäste bitte immer anmelden. Man will unter sich bleiben. Ich hole sie ab, und wir schlendern gemeinsam durch das Haus. Erster Stopp: Bilbiothek, die gleichzeitig auch eine Bar ist. Sprachlos. Der Raum ist nicht gemütlich, er ist auch nicht kalt. Er befindet sich gerade auf dieser schmalen Grenze, die man wahrscheinlich Coolness nennt. Braune und rote Samtbestuhlung, reichlich Coffeetable-Books und ein Arsenal an den besten Drinks im Rücken und ein Barkeeper, der definitiv, weiß, wie man mixt. Weiter geht es, vorbei am Kino zum Cowshed-Spa. Ein Spa mit Wohnzimmeratmosphäre. Treatments ohne Chakra-Suche. Hier wird Entspannung einmal anders erlebt – dogmafrei. Auch das ist cool. Wir setzen uns in die gemütlichen weißen Sessel und quatschen bei einer einfachen Pediküre.

Wie Fernsehgucken, nur besser

Am Abend schaut Anna vorbei. Bisher habe ich das Haus nicht verlassen und würde doch so gerne einmal vor die Tür gehen. Doch Anna will das Soho House sehen. Also hoch auf den Club Floor. Esszimmer, Bar, Lounge-Area und Treffpunkt in einem. Wir nehmen Platz und genießen die Atmosphäre einer vergangenen Hollywood-Ära. Die Karte ist bodenständig, so wie Berlin. Exzellente Küche, die aber immer eine Nebenrolle spielen wird, denn hier oben passiert’s. Das hier ist der Grund, warum Clubmitglieder 900 Euro im Jahr zahlen. Nein, nicht wegen des Fitnessraums, auch nicht wegen des Pools. Sondern wegen der Menschen. Schön trifft Schöner. Interessant trifft auf Exzentrik. Es ist wie Fernsehgucken, nur besser! Stars mischen sich mit Models, PR-Beratern, Journalisten und … egal. Es ist die Mischung, die verzaubert. Unprätentiös, aber doch high-class. Nicht umsonst sind Kameras verboten, man könnte ja Robbie Williams beim Fremdknutschen erwischen.

Der Abend war lang, und es herrscht Katerstimmung. Doch Bernd ruft an. Er kommt zum Frühstück. Er steht praktisch schon vor der Tür. Also rauf auf die Dachterrasse, selbstverständlich mit Pool, der leider aus Gründen des Berliner Wetters nicht so häufig genutzt werden kann. Dennoch fantastisch, dieser Blick auf den Alexanderplatz, und das späte Frühstück wird zur Party.

 

Chill Wednesdays 👌 #sohohouse #berlin #wednesday #tvtower

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Michi Beck, Mitglied der Fantastischen Vier, legt auf, und die ersten Blondinen tanzen. Champagner wird bestellt, der Rooftop wird zum Dancefloor, und Bernd will nicht mehr weg. Beim Auschecken fragt die junge Frau an der Rezeption:

»Ganz schön viel Besuch bekommen, oder?«

Ich lächele. In diesem Moment betritt Madonna die Lobby. Schade, sie will eindeutig nicht zu mir.

SOHO HOUSE BERLIN. Torstraße 1, 10119 Berlin, Tel.: 030 4050440, www.sohohouseberlin.com

PREIS. Zimmer ab 170 Euro pro Nacht im DZ, mit Clubmitgliedschaft wird es billiger. Man kann auch Mitglied bei allen Häusern werden und sich so günstigere Preise im Ausland sichern. Diese kostet 1.200 Euro im Jahr.

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