Koreas klugen Kindern hat die Welt bestimmt viele Erfindungen zu verdanken. Die Langsamkeit hingegen wurde von anderen entdeckt. Palle, palle! Schnell, schnell! Das ist auf der geteilten Halbinsel der dominierende Takt. Text: Sebastian Münter

Einführung in das koreanische Leben

Just gelandet, nach neun schlaflosen Flugstunden, bin ich verständlicherweise wenig dazu aufgelegt, mit Besichtigungen zu beginnen, doch meine Reiseleiterin, die gnädige Maria, kennt in diesem Punkt keine Gnade. Vergebens erhebe ich Einspruch, Maria wechselt einfach geschickt das Thema und beginnt zu erzählen. Geschichten über fleißig lernende Kinder, über Respekt suchende Geschäftsleute, die sich die Haare grau färben, über Koreaner, die ihren Schmuck und ihr Zahngold dem Staat schenken, damit dieser nicht in Schulden erstickt, über Vorstandsvorsitzende, die gemeinsam mit ihren Mitarbeitern die Lagerhalle fegen. Ich erfahre, wie man Kimchi – Koreas Grundnahrungsmittel – zubereitet, was die Farben beim Kochen bedeuten und warum man beim Essen sehr wohl aufstoßen, aber niemals schnäuzen darf. Eine halbe Stunde Fahrt, und ich bin über Korea bereits besser informiert als der japanische Geheimdienst.

Guide Maria

Sebastian Münter

Speed-Sightseeing

Während die vielen Eindrücke noch in meinen Ohren nachklingen, hat der Bus längst gehalten, und Maria ist bereits über die Anhöhe Richtung Gyeonghuigung-Palast entschwunden. Unentschlossen schlendere ich hinterdrein. Bebende Trommeln intonieren ein artistisches Spektakel der Extraklasse. In gekonnten Saltoschleifen nähern sich fliegende Füße und schwingende Hände wanddicken Brettern. Koreanische Kinder, teilweise nicht älter als zehn, zeigen Taekwondo und traditionelle Tänze. Vor allem für passionierte Fotografen lohnt sich die Vorstellung. Wir verweilen. Doch leider nur kurz. Es folgt eine Tour zum höchsten Gipfel der Stadt, der Standort des Seoul Tower. Wie es scheint, ein beliebtes Ausflugsziel. Denn sehenswert sind hier vor allem die strömenden Menschenmengen, die ineinander verlaufen wie Farben in einem Glas Wasser. Die Stadt selbst zeigt an diesem Punkt keinesfalls ihr schönstes Gesicht, lediglich die grenzenlosen Ausmaße der Metropole sind eine heimliche Sensation hier oben.

Beeindruckend: Taekwondo in Seoul

Sebastian Münter

Nächstes Must-see: die Altstadt mit Gyeongbokgung-Palast

Nächste Sehenswürdigkeit ist die Altstadt mit dem Gyeongbokgung-Palast. Traditionen genießen hier noch den Luxus räumlicher Ausdehnung. Große Plätze, geräumige Palastbauten und ausladende Gärten künden vom Glanz der vergangenen Zeit. Seoul ist die Herzkammer Koreas, wer erleben will, wie dieses Herz schlägt, sollte sich Zeit nehmen. Wer davon zu wenig hat, dem bleibt nur die Tour im Zeitraffer, so wie mir. Was Koreaner kaufen, kann man auf dem Namdaemun-Markt erleben. Wer Koreaner bei der Brautwerbung beobachten möchte, trinkt einen Cocktail in der Top-Cloud-Bar im 33. Stock des Jongno Towers.

Hier führen bevorzugt solvente Gentlemen ihre Damen aus, weil sie ihren Mut und ihre Großzügigkeit auf einen Streich demonstrieren können.

Die Bar erreicht man nämlich nur über einen gläsernen Flur, der über den Abgrund führt, und zudem sind die Preise selbst für einen simplen Saft so saftig, dass die umworbenen Damen sicher sein können, an keinen Pfennigfuchser geraten zu sein.

Sebastian Münter

Wer schmecken möchte, wie Korea kocht, der geht ins Sanchon und erlebt dort die traditionelle Tempelküche. Das urige Restaurant befindet sich in einem Hinterhof im Kunstviertel Insa-Dong. Bekocht werden die Gäste von einem ehemaligen Mönch, rein vegetarisch natürlich, wie es sich für einen gläubigen Buddhisten gehört. Wer sich eher von der königlichen Küche angezogen fühlt, dem empfehleich ein Sinseollo, eine Art Fondue mit Rindfleisch,Rettich, Seegurken, Muscheln, Pilzen, Peperoni, Ginkgo- und Walnüssen. Wer vor dem Essen auf unterhaltsame Weise seinen Appetit anregen möchte, der geht zu Cookin’ Nanta. Ein Feuerwerk der nonverbalen Unterhaltung. Erzählt wird die Geschichte von vier Köchen, die ein Hochzeitsfestmahl vorbereiten und dabei alltägliche Küchenutensilien wie Töpfe, Pfannen und anderes Kochgeschirr benutzen, um Samulnori – die Samba Koreas – zu spielen. Eine einzigartige Trommelshow gewürzt mit artistischen Einlagen, ist gleichzeitig eine unbeschwert erzählte Persiflage auf den servilen Gehorsam einer stark hierarchisierten Gesellschaft.

Sean Pavone Photos

Konfuzius’ Lehren spielen in Korea immer noch eine wichtige Rolle

Kim, Kimchi und Konfuzius, so lautet der koreanische Dreiklang.

Kim ist der häufigste Name, Kimchi – in Salzwasser eingelegter, mit scharfen Gewürzen verfeinerter Kohl – ist das Grundnahrungsmittel, und die Lehren Konfuzius’ spielen selbst im modernen Korea noch eine gewichtige Rolle bei der Sozialstruktur. Ungefähr zehn Millionen oder ein Fünftel der Koreaner heißen Kim. Demnach verwundert es auch nicht weiter, dass sich einander fremde Koreaner mit Onkel, Tante, Bruder oder Schwester anreden. So zelebriert die Sprache das Zusammengehörigkeitsgefühl, was viele Koreaner füreinander empfinden. Zumindest gehen sie äußerst höflich miteinander um. Die Beispiele hierfür sind zahlreich. So schenkt man sich beim Essen niemals selber, sondern nur gegenseitig ein. Und anders als bei uns hält man das Glas auch nicht lässig mit einer Hand, sondern empfängt die Gabe mit beiden Händen. Die Konversation beim Essen besteht selten aus erregten Einzelgesprächen, sondern die eine Seite sendet ein sprachlich ausgefeiltes Lob, was die Gegenseite mit Applaus und einem ausgedehnten und anerkennenden »Oh« empfängt, woraufhin die gelobte Seite der Tafel ihrerseits ein Kompliment an die lobende Seite zurücksendet. Dieses Spiel endet nicht selten in einem Wettstreit um das schönste Lob und den lautesten Applaus.

Korea wird älter

Doch anders als bei uns bewundern die Koreaner weder Kinder noch Frauen, sondern ältere Herren.

In dem konfuzianisch geprägten Land ist Altern das reine Paradies.

Aufgrund der gesunden Ernährung und Lebensweise geht es vielen Koreanern im Alter blendend. Respekt bekommt man mit jedem Jahr mehr, und mit Beginn der Rente ist vieles umsonst. U-Bahn fahren und Museen sind für Senioren kostenlos, und im Pagoda-Park werden Koreas Rentner gar gratis bekocht. Der schmucke Park ist eine Art Schlaraffenland für Methusalem mitten in Seoul. Dort frönen ältere Herren ihren Hobbys, spielen Go oder Geige, parlieren und promenieren und lassen sich gratis von fleißigen Coiffeuren frisieren, die ein Stück Dank zurückgeben, für das, was sie von ihren Großvätern übernommen haben. Ein reiches, lebenswertes und demokratisches Land.

Anreise. Aus Deutschland bieten Korean Air, Asiana und Lufthansa Direktflüge nach Seoul an. www.koreanair.com, http://eu.flyasiana.com, www.lufthansa.de

Unterkunft. The Shilla Seoul, 202 Jangchung-dong 2-ga, Jung-gu, 100-856, Seoul, Korea, Reservierung über Leading Hotels of the World: (00) 800 10101111 (gebührenfrei), www.lhw.com oder unter www.shilla.net

Top Cloud Bar. 33rd Floor, Jongno Tower Bldg., 1-1 Jongno 2-ga, Jung-gu, Seoul, www.shilla.net/outside/en/restaurant01.jsp

Sanchon. 02-735-0312 Seoul, www.sanchon.com

Info. Korea Tourism Organization, Baseler Str. 35-37, 60329 Frankfurt am Main, Tel.: 069 233226, E-Mail: kntoff@euko.de, www.tour2korea.com

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