Das Fünf-Sterne-Haus »The Pierre New York« ist eine Ikone der Luxushotellerie. Das Hotel steht für Glamour pur. Wie schön, dass es nun zu neuem Leben erweckt wurde! Text: Jennifer Latuperisa-Andresen

Kaddy trägt ein schwarzes Kostüm und weiße Handschuhe. Das ist ihre tägliche Berufskleidung – und darin fühlt sie sich wohl. Schließlich hat sie einen Beruf, der vom Aussterben bedroht ist. Und von dem viele junge Menschen nicht einmal wissen, dass es diesen Job jemals gegeben hat. Wie ist die Bezeichnung ihrer Tätigkeit? Wirklich eine gute Frage, die ich so auch nur schwer beantworten kann.

Ich würde sie Fahrstuhlchauffeur nennen. Oder vielleicht Aufzugsservicepersonalmitarbeiterin. Wie auch immer – Kaddy steht im Lift und bedient die Knöpfe. Mit Würde. Und sie hat viele Kollegen. Während ihrer Schicht mindestens zwei, die stehen vor den anderen Hotelgastaufzügen. Warum erzähle ich das? Weil es ein Symbol für dieses Haus ist, in dem alter Glamour nicht wegrenoviert wurde – sondern zum Leben erweckt.

Nicht weit bis zur Fifth Avenue und zum Central Park

1930 wurde dieses Haus als Hotel eröffnet. Schon damals galt die Lage als äußerst nobel – unmittelbar an der Fifth Avenue und gegenüber dem Central Park. Bis heute überragt es jedes Hotel am Park. Nicht nur von der schwindelerregenden Höhe (160 Meter hoch), sondern auch vom enorm hohen Standard und von den spannenden Geschichten, die diese Wände erzählen könnten. Denn das Haus hat eine ähnlich interessante Historie wie die des Ölmagnaten J. Paul Getty, der es nach der ersten großen Weltwirtschaftskrise günstig (für 2,8 Millionen US-Dollar) gekauft und nach seinem Geschäftsmodell zerstückelt hat.

Eigentlich hatte »The Pierre New York« als 714-Zimmer-starkes Hotel fungiert. Getty allerdings hat das Geschäft für Apartments gerochen und das Haus in zahlreiche Wohnungen und zusätzlich dem Hotel geteilt. Ein äußerst lukratives Geschäft, wenn man bedenkt, wer es genoss, in dieser illustren Adresse zu leben. Beispielsweise Elizabeth Taylor oder die Familie Al-Fayette.

Und heute – eigentlich spielt das für Hotelgäste ja keine besondere Rolle, aber es ist trotzdem schön zu wissen – befindet sich sozusagen »on top« eine Wohnung, die luxuriöser nicht sein könnte und nach Forbes-Liste (Jahr 2006) die teuerste Wohnung der Welt ist. Bewohnt wird sie von Hedgefonds-Manager Martin Zweig. Kein Deutscher, auch wenn der Name das vermuten lässt. Sein Heim misst 1000 Quadratmeter. Drei Etagen, fünf Schlafzimmer, vier Terrassen, eine Bibliothek, ein eigener Ballsaal und ein Treppenhaus aus belgischem Marmor. Verkaufswert geschätzte 70 Millionen US-Dollar. Ein Penthouse der Extraklasse.

Ein Fünf-Sterne-Haus mit Stil

Ja – und nun kann man sich das Hotel vorstellen, das unter diesem Luxus liegt, allerdings nicht im wahrsten Sinne des Wortes. Im Eingangsbereich strahlender Marmor, die Bar eine Mischung aus zeitgenössischem Design und Extravaganz, Wandmalereien, wie sie in den 30er-Jahren modern und beliebt waren, sowie imposante Ballsäle im Louis-XIV.-Stil. Zudem ist das »The Pierre New York« zuvorkommend zurückhaltend. In allem.

Auf den Zimmern und Suiten regieren nicht Plüsch, Gold und Chichi. Die Zimmer sind edel, geschmackvoll, up to date und haben aber gleichzeitig den Glamour und das Flair der 30-er Jahre. Das Servicepersonal ist stets bemüht, immer freundlich – aber momentan noch etwas unbeholfen. Man kann es ihnen verzeihen. Denn das Team ist noch jung und frisch zusammengestellt – die offizielle Eröffnung des Fünf-Sterne-Hauses ist erst im September 2009 gewesen. Dafür aber gibt es viele Extras, die einen Aufenthalt so unglaublich angenehm machen.

Beispielsweise die extragroßen Amenities von Molton Brown in den weitläufigen Bädern, die großzügige und kostenfreie Bereitstellung von Mineralwasser sowie kleine Aufmerksamkeiten zwischendurch – wundervoll. Und dann darf man nicht die erstklassige Aussicht vergessen. Im »The Pierre New York« schaut man ohne Hindernis auf den Central Park.

Alles maßgeschneidert und aus feinsten Materialien

Die schönste Etage ist sicherlich das 39. Stockwerk. Dort befinden sich die sogenannten Signature Rooms. Mein Lieblingszimmer: 3908. Es hat eine atemberaubende Aussicht – und am Abend, wenn der Central Park im Dunkeln versinkt und man die glitzernden Lichter der Stadt sieht, hat dieses Doppelzimmer einfach eine unschlagbare Atmosphäre. Diese kann eigentlich nur von den 49 Suiten getoppt werden, zu denen auch die zehn sogenannten Grandsuiten zählen, wozu auch die Präsidentensuite gehört. Hier kommt nichts vom Band – alles maßgefertigt und nur aus den feinsten Materialien.

Seide, Brokat, Murano-Glas-Kronleuchter und handgeknüpfte Teppiche sind die Grundpfeiler des geschmackvollen Interieurs. Man sieht gleich – gespart wurde nicht. Taj Hotels und Resorts hat immerhin 100 Millionen US-Dollar in die Renovierung des Hauses gesteckt – und man sieht es. Die Hollywoodprominenz wird wieder einkehren und das Haus erneut mit glamourösem Leben füllen. So wie einst.

Zahlreiche Hollywoodfilme wurden hier schon gedreht. Beispielsweise »Der Duft der Frauen« oder »Club der Teufelinnen«, und natürlich haben hier auch schon einige Berühmtheiten genächtigt – und werden es auch noch in Zukunft tun. Denn das 140 Zimmer große, 49 Suiten starke Luxushotel wird es auch wieder werden – die erste und beste Adresse am Platz. Und wenn Sie dann mehr erfahren wollen über die illustren Gäste, dann schauen Sie doch mal bei Kaddy im Lift vorbei, an ihr kommt früher oder später niemand vorbei.

The Pierre New York. 2 East 61st Street, New York City, U. S. A. 10065, Tel.: +1 212 838 8000. Doppelzimmer ab € 678 zzgl. Steuern und Gebühren pro Nacht ohne Frühstück; Wi-Fi in den Zimmern ist kostenfrei. Kostenfreies Reservierungstel.: 00800 45881825. Infos und Buchung hier.

 

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