Von farbenfrohen Korallen und gestreiften Fische können oft nur Taucher berichten. Wer jedoch einen Seawalk bucht, muss noch nicht einmal schwimmen können, um faszinierende exotische Wasserwelten zu erleben.

Wollen wir mal mit einem Vorurteil aufräumen, dass es sich hier um Tauchen für Arme handelt. Denn erstens ist der Spaß ganz schön teuer. Ob der Unterwassergast für einen Scuba-Tauchgang mit Flasche und Lungenautomat zahlt oder für einen Unterwasserspaziergang, das nimmt sich preislich manchmal nicht viel. Und zweitens kann es passieren, dass ein solcher Seawalk in einer geschützten Lagune jede Menge bunte Fische bereithält, während wahre Taucher selbst am Great Barrier Reef im Freiwasser manchmal kaum drei Meter weit blicken können.

Foto mit Unterwasserperspektive, im Hintergrund Insel

Ishan

Also: Nicht ohne Grund erfreut sich Seawalking laut vielen Anbieter-Websites wachsender Beliebtheit. Die Hürden sind ja auch denkbar niedrig: Man benötigt keinen Tauschschein, noch nicht einmal schwimmen muss man können. Unter dem Helm, der als eine Art Taucherglocke mit Panoramakuppel dient, bleiben die Haare trocken, es verwischt keine Schminke, Brillen und Kontaktlinsen sind auch kein Problem. Niemand muss sich in Bauchlage austarieren, es wird menschengerecht aufrecht gegangen. Und das Atmen? Funktioniert wie gewohnt, man benötigt kein Mundstück.

Taucherglocke

Paul Cowell/Shutterstock.com

Auf dem Meeresgrund ist Bodenhaftung gefragt

Nur Badekleidung muss mit, und es bedarf einigermaßen belastbarer Schultern. Der Helm ist mit einem Schlauch verbunden, über den die Versorgung mit Atemluft gesichert ist, aber er wiegt um die 30 Kilo. Doch sobald man ins Wasser gleitet, relativiert sich das stark. Die restliche Gravitation ist in sechs, sieben Metern Tiefe sogar angenehm: Sie sorgt dafür, dass man auf dem nahezu schwerelosen Walk zwischen den Schritten stets wieder nach unten gedrückt wird. Bodenhaftung ist auch auf dem Meeresgrund gefragt.

Haie im Meer

Talia Cohen

Für sicheren Halt können Teilnehmer sich auf den meisten Seawalks an Geländern festhalten. Manche führen durch naturbelassene Korallengärten, wo die Fische sich wie zu Hause fühlen, andere durch arrangierte submarine Landschaften mit Piratenfolklore wie muschelübersäten Kanonen und nachgebildeten Wracks. Mitlaufende oder -tauchende Guides füttern die Fische an, wenn sich Nemo und Co. einmal nicht so schnell in Massen blicken lassen.

Fische unter Wasser

Jeremy Bishop

Unterwasserspaziergänge – das Mindestalter liegt in der Regel bei neun bis zwölf Jahren, die Dauer bei 20 bis 30 Minuten – werden über den ganzen Erdball verteilt angeboten: in Australien, den USA, der Karibik. Selbst in Deutschland gibt es »trockene« Tauchgänge, doch die sind etwas anders organisiert. Die besten Unterwassererlebnisse für Nichttaucher zeigt die folgende Übersicht.

Busselton, Westaustralien

An der Südwestspitze Australiens ragt auf einer Länge von fast zwei Kilometern einer der längsten Holzstege ins Meer: Busselton Jetty. Die Anlegestelle brachte der Kleinstadt einst wirtschaftlichen Aufschwung, zu den touristischen Angeboten gehört heute der Undersea Walk. Wer umgerechnet 111 Euro zahlt (179 australische Dollar), bekommt einen 20.000 Dollar teuren Seatrek-Helm, Wetsuit und spezielle Sandalen ausgehändigt. Über eine Leiter geht es vom Steg aus in die Tiefe.

Wasserschildkröte schwimmend unter Wasser

Jeremy Bishop

Andamanen, Indien

Als Tauchdestination genießen die indischen Andamanen einen grandiosen Ruf. Auf der Hauptinsel Andaman Island, auf North Bay Island und auf Havelock Island wird alternativ ebenfalls der Seawalk angeboten. Der Veranstalter Sea Link Adventures ist dabei familienfreundlich: Zum einen dürfen schon Siebenjährige aufgrund des leichterer Equipments teilnehmen, zum anderen kostet das Spazieren auf dem Meeresboden in sieben Metern Tiefe mit umgerechnet 44 Euro (3500 Rupien) weit weniger. Zertifizierte Taucher begleiten die Gäste auf ihrem submarinen Moonwalk.

Scottsdale, USA

Wer sich nicht gleich in das wilde bunte Leben stürzen will, kann am Helmet Diving im Odyssea Aquarium in Scottsdale teilnehmen. Dort ist man zwar in artifizieller Umgebung, dafür aber ist die Begegnung mit einem Rochen ausgemachte Sache, und die Fische müssen nicht angefüttert werden. Ein garantierter Spaß für Jung und Alt – das Mindestalter liegt bei neun Jahren, der bislang älteste Teilnehmer war 93. Kosten: umgerechnet 87 Euro, über die Website gibt es manchmal Sonderangebote.

Mann mit Helm beim Diving

alinaame/Shutterstock.com

Poste de Flacq, Mauritius

Helmtauchen ist auch im südwestlichen Indischen Ozean möglich. Wer 43 Euro zahlt, den bittet der Veranstalter Aqua Venture  auf Mauritius in ein Motorboot. Nicht weit vom feinsandigen Strand Belle Mare ist in der Lagune eine Plattform verankert, von der aus der Spaziergang im Türkis beginnt. Wer sich vortasten möchte, kann auch nur zehn Minuten unter Wasser bleiben und zahlt dann 30 Euro.

St. Maarten/Niederländische Antillen

Mit einem Ausflugsprogramm peppen Reedereien Kreuzfahrten auf, bevor diese langweilig zu drohen werden. Wer mit einem Carnival-Schiffsriesen in der Karibik bei St. Maarten unterwegs ist, kann einen Unterwasserbummel entlang von Korallen und einem versunkenen Flugzeugwrack unternehmen. Guides in Taucheranzügen sorgen für Sicherheit. Der Trip, der einen Bootstransfer vom Schiff und Schnorcheln umfasst, kostet umgerechnet 100 Euro.

Taucher auf Meeresboden

Paul Cowell/Shutterstock.com

Lanzarote, Spanien

60 Euro für die halbe Stunde und die Chance auf viele bunte Fische und so manchen Rochen – das gibt es auch bei Native Diving auf der nördlichen Kanareninsel. Für 25 Euro mehr schießen die Guides Erinnerungsfotos, die sie später auf einem USB-Stick überreichen. Von der Playa del Jablillo aus können sich auch körperlich eingeschränkte Menschen zum Helmtauchen in speziellen Rollstühlen ins Atlantikwasser begeben. Weil drei Betreuer pro Person notwendig sind, werden dafür jedoch 180 Euro verlangt.

Hannover, Deutschland

In Hannover und sieben weiteren »Sea Life«-Standorten in Deutschland bleibt man beim Gang durch den »Ozean« gänzlich trocken: Man muss nur durch einen gläsernen Tunnel wandern, der durch ein Wasserbecken führt, das die Aquarien-Kette Ozeanbecken nennt. Das enthält mit bis zu 1,5 Millionen Litern Wasser zwar nur einen Nanobruchteil seiner Vorbilder, aber hochkonzentrierte Mengen bunter Fische, Meeresschildkröten, Haie und Rochen, die Besucher eingehender betrachten können, als dies in freier Wildbahn oft nur möglich ist. Natürlich fehlt dabei jeder Nervenkitzel. Eintrittspreise: ab 12 Euro.

Mutter und Kind beim Bestaunen der Fische in Sealife

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Grömitz, Deutschland

An der Ostsee gibt es eine weitere Attraktion für Nichttaucher: eine Tauchgondel, die auf den Meeresgrund hinab sinkt. Dann läuft man zwar nicht, sondern sitzt – dafür aber kann man vorher das Standesamt anrufen und unter der Unterwasserhaube heiraten. Der Zeremonie können allerdings nur knapp 30 Freunde und Bekannte beiwohnen, mehr fasst die Gondel am Ende der 400 Meter langen Seebrücke im ostholsteinischen Grömitz nicht. Der Eintritt für eine regulär 30 bis 40 Minuten dauernden Tauchfahrt bis auf vier Meter Tiefe beträgt neun Euro, Kinder zahlen sechs Euro. Der Betreiber hat weitere Gondeln in Betrieb: In Sellin, auf Zingst und in Zinnowitz auf Usedom, wo 2006 die nach eigenen Angaben weltweit erste Tauchgondel an der Seebrücke in Betrieb ging.

Stefan Dinse/Shutterstock.com

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