Ostereiersuchen? Gibt’s hier nicht! Das gilt zumindest für viele Länder weltweit. Sie feiern Ostern ganz anders: in Hexenkostümen, mit kalten Duschen oder Tonscherben. Wir verraten, welche Oster-Traditionen in anderen Ländern heilig sind.

Pudelnass im Osten Europas

Verrückte Ostern: In Ungarn und Polen sollten sich Urlauber nicht wundern, wenn sie am Ostermontag Zeuge eines »feucht-fröhlichen« Brauches werden. Die Männer gehen dort von Haus zu Haus, spritzen Frauen mit Wasser nass und besingen sie währenddessen. Mancherorts tragen sie dabei Kostüme aus gewebtem Stroh und Masken aus Stoff oder Schafshaut. In Tschechien nehmen Männer gleich noch handgeflochtene und mit Bändern geschmückte Ruten (pomlázka) hinzu und klapsen Frauen damit auf den Po. Alles im Namen von Schönheit und Fruchtbarkeit – beides soll bei den Damen nämlich gesteigert werden. Als Dank für die Duschen und Klapse bekommen die Männer Schokolade und bemalte Eier von den Frauen.

Verrückte Ostern: Feier in Polen

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Hexenauflauf in Schweden

In der kleinen schwedischen Küstenstadt Oskarskamn, die sich im Osten von Småland befindet, wird Ostern auf ganz besondere Weise gefeiert. Laut einer Überlieferung haben sich hier die Hexen auf der Insel Blå Jungfrun vor Oskarshamn getroffen, um hier ihren Hexensabbat zu feiern. Die Stadt selbst erwacht dann aus dem Winterschlaf und putzt sich für ihre »Osterhexen« heraus. Die geschmückten Hexen werden im ganzen Ort gefeiert und begrüßt. Dabei werden lokale Köstlichkeiten angeboten, es gibt Konzerte und Aufführungen. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der »Löplopp«, ein Hindernislauf mit Besen, an dem große und kleine Besucher teilnehmen. Die Hexen selbst sind natürlich ganz freundlich und freuen sich, wenn sie Süßigkeiten zugesteckt bekommen.

Scherbengericht auf Korfu

Im orthodoxen Griechenland ist Ostern das wichtigste Fest bei gläubigen Christen. Anders als im Großteil Europas wird hier das Osterfest nicht Anfang April gefeiert, sondern dieses Jahr am 8. April. Denn orthodoxe Feiertage richten sich, im Gegensatz zu denen in Westeuropa, nach dem julianischen Kalender. Auf Korfu erwartet die Oster-Urlauber der wohl eigentümlichste Brauch. Um Punkt elf Uhr am sogenannten »Großen Samstag« der Karwoche fliegen in Korfu-Stadt mit Wasser gefüllte Tonkrüge von den Balkonen. Ziemlich verrückte Ostern, hmm? Nach zehn Minuten ist alles vorbei, doch die Gassen liegen voller Scherben. Dem Brauch nach nehmen viele Griechen eine davon mit – sie soll für das kommende Jahr Glück bringen.

Verrückte Ostern: Tonscherben auf Korfu

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Löffelei vor dem Weißen Haus

In den USA ähneln die Traditionen denen der Deutschen. Der Osterhase bringt Süßigkeiten und Eier für die Kinder – gefüllte Schokoladeneier und kleine, gelbe Marshmallow-Küken (Marshmallow Peeps) erfreuen sich großer Beliebtheit. Alljährlich veranstaltet die Gattin des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika an Ostermontag vor dem Weißen Haus auch das Ostereierrollen. Kinder bugsieren in einem spielerischen Wettrennen mit einem Löffel Eier über den Rasen. Zusätzlich gibt es noch Tanz, Geschichten und Spiele für die Kinder. Tickets können nicht gekauft, sondern nur in einer Tombola gewonnen werden.

Verrückte Ostern: Easter Egg Roll vor dem Weißen Haus

White House Historical Association

Sehenswert ist auch die Osterparade in New York– hier spielt Spaß die Hauptrolle, denn im Gegensatz zu anderen Paraden in New York ist die Osterparade nicht durchorganisiert. Bands und große Wagen werden umsonst gesucht – dafür ist mitmachen gefragt. New Yorker und Touristen nehmen in schrill-schönen Oster-Outfits daran teil und ziehen bis zum Nachmittag durch die Gegend um die 5th Avenue.

 

Ostern in Buenos Aires: Besuch im Freizeitpark

Die meisten Familien, die in der Umgebung von Buenos Aires leben, unternehmen einen Ausflug in den bekannten Freizeitpark »Tierra Santa« (zu Deutsch: Heiliges Land). Das ist ein Freizeitpark für Gläubige, in dem  Ostern Hochbetrieb herrscht. Aus dem gesamten Land reisen Familien an, um einige Stunden in dem Park zu verbringen und um die religiöse Geschichte hautnah zu erleben. »Tierra Santa« ist der erste und einzige religiöse Themenpark in Lateinamerika und verbindet die Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam. Eine kulturhistorische Brücke, die die Bräuche jeder Religion repräsentiert. Von Papst Franziskus wurde der Park eingeweiht und gesegnet und nimmt Besucher mit in die zweitausend Jahre alte Vergangenheit.

Auf fast sieben Hektar ist die biblische Geschichte für Kinder dargestellt. Aufgebaut wie ein religiöses Dorf wird die Kirchengeschichte ab dem Zeitpunkt der Schöpfung aufgezeigt. Eine Nachbildung der Klagemauer in Jerusalem fehlt ebenso wenig wie die Kreuzigungsszene auf einem Hügel. Zu Ostern gibt es außerdem Inszenierungen, in denen beispielsweise das Abendmahl, der Kreuzweg und die Kreuzigung nachgespielt werden.

Australien: Bilby, der Osterhase!

Während uns hierzulande schon seit Februar zahlreiche Schokohasen aus den Regalen entgegenblicken, findet man in Australiens Supermärkten eine zuckersüße Version des Bilby. Das niedliche Beuteltier hat in etwa die gleiche Größe wie der Hase und ähnelt ihm mit seinen langen Ohren sogar ein wenig. Aufgrund der Kaninchenplage, die eine Bedrohung für Australiens einheimische Tierwelt darstellt, sind Hasen in Australien nicht sonderlich beliebt. Deshalb schlüpft der Bilby in die Rolle des Osterhasen. Und gegenüber seiner Konkurrenz hat er einen entscheidenden Vorteil: In seinen Beutel passen jede Menge Ostereier!

Ostern in Australien: Bilby

Tourism Australia

Nach den Kirchenbesuchen laden besondere Osterveranstaltungen wie die traditionelle Sydney Royal Easter Show zum Feiern ein! Noch bis zum 3. April 2018 erleben Besucher hier eine Mischung aus australischer Kultur, Kulinarik-Angeboten, Tierveranstaltungen, Live-Unterhaltung und Wettbewerben. Die Country Show bietet eine Auswahl an Sehenswürdigkeiten, Gerüchen und Geschmäckern aus dem ländlichen Australien.

Eine traditionelle Osterspeise in Down Under sind übrigens die Hot Cross Buns – gewürzte, süße Brötchen aus Johannisbeeren oder Rosinen. Das mit einem Kreuz gekennzeichnete Gebäck wird am Karfreitag in Australien und anderen Teilen des Commonwealth gegessen.

Tänze und Gesang in Äthiopien

Wer in Äthiopien Ostern verbringt, sollte eine Bootsfahrt auf dem Tanasee unternehmen. Genauer gesagt, zu den Inselklöstern, wo man sich dem koptischen Christentum Äthiopiens nähern kann. Auf den Dächern der Kirchen wartet eine Überraschung: die großen Kreuze sind mit leeren Straußeneiern geschmückt. Allerdings handelt es sich bei den Eiern nicht um den jährlichen Osterschmuck. Vielmehr gelten sie als christliches Schutzsymbol, das auf die Barmherzigkeit Gottes verweist. Dennoch bleiben die Osterfeierlichkeiten nicht aus. Am Karfreitag erleben die Reisenden wie Gläubige aus der ganzen Region zur Marienkirche strömen, um dort mit Tänzen und Gesang den Feiertag nach altem Ritual zu zelebrieren.

Mit der Fackel zum Schwimmen in Mecklenburg

Aber nicht nur in anderen Ländern, gibt es verrückte Ostern zu bestaunen. In Mecklenburg-Vorpommern geht am Ostersamstag vielerorts fernab der Ostereiersuche die Post ab. An der Tauchbasis in Plau am See zum Beispiel steigen hartgesottene Wasserratten mit Fackeln zum Schwimmen in die sechs Grad kalte Elde, gern auch im Hasenkostüm oder mit Haifischmaske über dem wärmenden Neoprenanzug. In Warnemünde entzünden »die Osterhasen« am gleichen Abend direkt am Strand auf Höhe des Leuchtturms ein Osterfeuer. Und auch das Ostseebad Binz hält diese feurige Tradition hoch – mit einer ganzen Flammenmeile aus 17 Feuern am Strand über eine Länge von fünf Kilometern. Die Insel Usedom lädt am 1. April zu einem Osterspektakel ein. Am Strand von Zinnowitz steigt dann die wegen ihrer Frevel verfluchte, sagenumwobene Stadt Vineta symbolisch aus der Ostsee auf – wie jedes Jahr am Ostersonntag. Ein Theaterschauspiel mit Liedern, Tänzen und Kämpfen.

Und wer es traditionell mag, macht sich auf nach Waren in der Müritz – zu Mecklenburgs größtem Osternest. Auf gut 20 Quadratmetern formen Strohballen dort das riesige Versteck für hunderte Schokohasen, die vor findigen Kindern ganz sicher nicht sicher sind. Diese können sich aber auch selbst in Hasen verwandeln, in Schmetterlinge oder in Raubkatzen – beim Kinderschminken im Festzelt.

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