Andere Länder, andere Sitten: Während man hierzulande mit bestimmten Gesten, Handlungen und Wörtern das vermeintlich Normalste der Welt tut, fühlt man sich anderswo dadurch auf den Schlips getreten. Das gilt auch für Vietnam. Wir verraten in unserem Vietnam-Knigge, was du in bestimmten Situationen in dem Land tun solltest – und was besser nicht.
Vorab: Infos zur Einreise nach Vietnam
Zunächst ein rechtlicher Hinweis für alle, die in Vietnam Urlaub machen möchten und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen: Im März 2025 gab die Regierung des Landes bekannt, dass die Visafreiheit für Deutsche (und die für Staatsangehörige aus mehr als einem Dutzend anderer Länder) bis 2028 verlängert wird. Damit gilt weiterhin: Wer nicht länger als 45 Tage in dem Land Urlaub macht, benötigt kein Visum.
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Ha Long Bay im Nordosten Vietnams | Foto: satoriphoto/Shutterstock.com
Hello, Vietnam – richtig begrüßen!
Unser Vietnam-Knigge beginnt mit der Begrüßung im Alltag. Manch einer fragt sich vielleicht: Läuft das so wie bei uns? Die Antwort: teils, teils. Werdet ihr einander vorgestellt, kannst du es bei einem freundlichen, leichten Kopfnicken belassen. Das ist okay. Händeschütteln geht auch, ist aber eher unter Geschäftspartnern verbreitet – privat weniger. Das französische »Bise«, der Wangenkuss zur Begrüßung, ist dagegen verpönt. Ebenso solltest du äußerst zurückhaltend mit Umarmungen sein. Das gilt übrigens auch nicht nur für den Umgang mit Einheimischen: Öffentliche Zuneigungsbekundungen sind in Vietnam allgemein verpönt.

Foto: Natee K Jindakum
Sprache, Gestik und Mimik in Vietnam
Begrüßungen in Vietnam sind enger mit Respekt, Alter und sozialer Hierarchie verknüpft als bei uns. Das zeigt sich auch in der Sprache. Das häufigste Wort für »Hallo« oder »Hi« gebrauchte Wort ist »chào«. Es wird jedoch selten allein verwendet. Um jemanden höflich zu grüßen, kombiniert man »chào« mit einem Verwandtschaftsbegriff oder dem Namen der Person, der ihr Alter, ihr Geschlecht und ihre Beziehung zu ihr widerspiegelt. Beispiel gefällig? Eine Dame, die eine ältere Schwester sein könnte, wird mit den Worten »Chào chị« begrüßt. Das heißt auf Deutsch »Hallo, ältere Schwester«.
Wer im Alltag unsicher ist, sagt einfach »bạn ơi!« (Hallo, Freund!). Damit kann man nicht viel verkehrt machen. Trifft man auf mehrere Vietnamesen, sollte stets der oder die älteste Vietnamese oder Vietnamesin begrüßt werden. Allen wird zur Begrüßung ein Lächeln geschenkt.

Foto: Dragon Images/Shutterstock.com
Neben der verbalen Kommunikation spielt auch das Nonverbale in Vietnam eine herausragende Rolle. Man sollte gegenüber Älteren und Autoritätspersonen stets Respekt zeigen. Dazu gehören neben einer höflichen Sprache eine entsprechende Mimik und Gestik.
Apropos Gestik: Wie bei uns auch, zeigt man nicht mit dem Finger auf andere Leute. Das ist in Vietnam sehr unhöflich. Auch klopft man ihnen nicht auf die Schulter oder gar auf den Kopf; auch nicht, wenn es gutgemeint ist oder man Aufmerksamkeit erheischen möchte. Wer etwas überreicht, etwa einen Teller Essen oder ein Gastgeschenk, tut dies mit der rechten Hand oder – noch besser – mit beiden Händen.
Vietnam-Knigge: Wer ist denn hier unhöflich?
Höflichkeit spielt in Vietnam eine extrem große Rolle. Man will das Gegenüber nicht vor den Kopf stoßen – und sein eigenes Gesicht in der Öffentlichkeit wahren. Das hat zur Folge, dass viele Probleme »weggelächelt« werden. Wenn du also in Vietnam mit etwas nicht einverstanden seid, dann äußerst du sachlich und freundlich deine Kritik. Bestenfalls mit einem Lächeln. Lautes Herumschreien oder Fluchen geht in Vietnam jedenfalls gar nicht.
Wenn ein Vietnamese dir verbal zustimmt, dann heißt das noch lange nicht, dass er das auch tatsächlich tut. Anders ausgedrückt: Ein »Ja« bedeutet nicht immer »Ja«. Es bedeutet sehr häufig nämlich lediglich: »Ja, ich höre dir zu«. Ein »Nein« wird dagegen oft durch die Blume vermittelt. Wenn du ein Anliegen hast und darum bittest, dass es schnell erledigt wird, man dich dann aber mit der Aussage vertröstet, man werde es versuchen, sollten alle Alarmglocken schrillen. Bist du dir unsicher, achte auch auf die Mimik.
Verkehrsregeln in Vietnam: Theorie und Praxis
Der Straßenverkehr in Vietnam unterscheidet sich deutlich von dem bei uns – allerdings eher in der Praxis als in der Theorie. Fangen wir mit den Regeln an, die den meisten hierzulande vertraut sein sollten: Ein oder zwei Gläser Wein – das sollte doch gehen? Nicht in Vietnam. In dem Land ist es strikt verboten, unter Alkoholeinfluss zu fahren. Bereits geringe Mengen Alkohol können zu rechtlichen Konsequenzen führen.
Wie bei uns auch, müssen alle Insassen im Auto angeschnallt sein, und der Fahrer darf während der Fahrt sein Handy nicht benutzen. Wer mit einem Motorrad unterwegs ist, muss einen Helm tragen – dieser ist für Fahrer und Mitfahrer vorgeschrieben.

Foto: Craven A/Shutterstock.com
So weit die vertraute Theorie. In der Praxis sieht es allerdings etwas anders aus. Das wäre zum Beispiel die Hupe. Sie ist in Vietnam ein allgegenwärtiges Kommunikationsmittel im Straßenverkehr. Wer hupt, macht auf sich aufmerksam und beansprucht oft Vorfahrt. Verkehrsregeln werden flexibler ausgelegt als bei uns, besonders in den Großstädten. Darauf sollte man gefasst sein. Vorausschauendes und defensives Fahren ist daher ein Muss. Tipp: Man sollte sich gut überlegen, ob man sich den Straßenverkehr in Vietnam antun will.
Straßenüberquerung leichtgemacht
Eines vorweg: In den kleineren Städten Vietnams hast du dieses Problem eher nicht. In den Metropolen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi dagegen schon: eine Straße zu überqueren. Die Hauptverkehrsstraßen in den Metropolen quillen über mit Rikschas, Motorrollern, Autos, LKW und Mini-Bussen. Ein wildes Durcheinander, in dem man als Fußgänger mehr schlecht als recht zurechtkommt. Zumindest dann, wenn man keine Übung im Überqueren von Straßen in Asien hat.
Darum folgende Tipps in unserem Vietnam-Knigge, wenn du eine große Straße überqueren willst: keine unberechenbaren Handlungen, kein Zurück, kein Zaudern. Stattdessen solltest du bewusst langsam gehen. Klar, es gibt auch Ampeln. Aber dann musst du zuweilen einen längeren Weg zurücklegen. Eine Alternative: Du läufst im Windschatten der Vietnamesen. Die wissen, wie man eine Straße überquert.

Foto: tran phu
Rauchen in Vietnam weitverbreitet
In Vietnam gibt es eine ausgeprägte Raucherkultur, insbesondere bei Männern mittleren Alters und älteren Männern. Fast die Hälfte der der vietnamesischen Männer raucht, während die Quote bei Frauen deutlich niedriger ist. In vielen Bars und Restaurants darf auf den Terrassen geraucht werden, vor allem in den ländlichen Gebieten. Die Preise für eine Schachtel Zigarette sind sehr niedrig, umgerechnet sind es etwa 1,50 Euro.
Vietnam-Knigge: der Besuch im Restaurant
Für den Besuch eines vietnamesischen Restaurants können wir dir vor allem drei Tipps geben. Erstens: Wer die Aufmerksamkeit der Kellner erheischen will, sollte klotzen statt kleckern. Will heißen: Mach deutlich auf dein Anliegen aufmerksam. Mit einem schüchternen Herbeiwinken oder Herumgestikulieren wirst du scheitern. Man ignoriert dich. Ruf stattdessen laut » em ơi«, was übersetzt so viel heißt wie »junger Bruder/junge Schwester«.
Zweitens: Bist du mit Vietnamesen zum Essen verabredet, wirst du dich vielleicht darüber wundern, dass nicht jeder am Tisch eine Speisekarte bekommt. Normal. Denn in der Regel wird die gesamte Bestellung am Tisch von einer Person vorgenommen. Anschließend wird eine Vielzahl verschiedener Gerichte auf dem Tisch landen, von denen sich nach Belieben bedienen kann. Einzelbestellungen sind verpönt. Meins und Deins gibt es nicht.

Foto: Jennifer Schmidt
Drittens: Wenn es ans Bezahlen geht, händigt eine Person am Tisch dem Kellner das Geld aus. Die gesamte Rechnung wird dann durch den Rest der Truppe geteilt. Es ist Vietnam äußerst unüblich, dass einzelne Posten separat beim Kellner beglichen werden.
Trinkgeld ist in Vietnam in Restaurants eher unüblich. Wer dennoch mit dem Service sehr zufrieden war, kann aber natürlich dem Servicepersonal etwas geben.
Schuhe ausziehen in Privat-Häusern und -Wohnungen
In Vietnam ist es eine tief verwurzelte kulturelle Tradition, die Schuhe auszuziehen, bevor man ein Haus oder eine Wohnung betritt. Dieser Brauch hat seine Wurzeln in den Werten der Sauberkeit und des Respekts. Vietnamesen glauben, dass Schuhe Schmutz und Verunreinigungen von außen mit sich bringen. Darüber hinaus zeigt das Ausziehen der Schuhe den Respekt gegenüber dem Haushalt und seinen Bewohnern und spiegelt konfuzianische Werte wider, die Bescheidenheit und Ehrerbietung gegenüber anderen betonen

Foto: ahmad.faizal/Shutterstock.com
In einigen Häusern und Wohnungen gibt es einen ausgewiesenen Bereich für Schuhe in der Nähe des Eingangs. Einige Bewohner stellen Gästen Hausschuhe für den Innenbereich zur Verfügung. Aber nicht nur in Privat-Häusern oder Wohnungen sollte man die Schuhe ausziehen. Auch in religiösen Räumen gilt das Ausziehen der Schuhe als Zeichen der Ehrfurcht und zur Wahrung der Reinheit. Gleiches gilt in Örtlichkeiten, in denen Hygiene eine große Rolle spielt, etwa in Arztpraxen oder Kliniken.
Wer stellt sich denn hier in die Schlange?
Wer in der Schlange stehen kann, hat seinen Führerschein in Höflichkeit bestanden, heißt es so schön in Knigge-Ratgebern – und wird ergo auch von vielen Menschen hierzulande befolgt. In Vietnam dagegen eher nicht. Dort gilt: Der Wartende ist immer der Dumme. Es wird sich munter vorgedrängelt, egal ob an der Imbissbude, an der Supermarktkasse oder am Check-in-Schalter im Flughafen. Das mag für Europäer ziemlich befremdlich wirken, ist aber in Vietnam weitverbreitet. Dort kennt man vielerorts das Schlangestehen schlicht und einfach nicht. Tipp: sich möglichst breitmachen, so dass niemand die Chance hat, sich an dir vorbeizumogeln.
Kriminalität und Sicherheit in Vietnam
Zunächst die wichtigste Nachricht: Vietnam gilt als sicheres Reiseziel für Touristen. Wie in jedem anderen beliebten Urlaubsland gibt es jedoch auch hier ein gewisses Risiko für Kriminalität – insbesondere Kleindiebstahl und Betrug kommen gelegentlich vor. Gewaltverbrechen gegenüber Ausländern sind selten. Die meisten Touristen verbringen einen problemlosen Aufenthalt im Land.
Kleinkriminalität wie etwa Taschendiebstahl und kleinere Betrügereien ist das größte Risiko für Touristen, vor allem in Großstädten wie Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi. Touristen sollten besonders bei Taxifahrten wachsam sein. Es kommt vor, dass Fahrer behaupten, das Taxameter sei defekt, um einen überhöhten Fahrpreis zu verlangen. Gut achtgeben sollte man auch bei Straßenverkäufern. Schwarze Schafe können Touristen zum Kauf überteuerter Waren drängen oder für unaufgeforderte Fotos Geld verlangen. Apropos Fotos: Wer Fotos von Einheimischen machen möchte, fragt vorher um Erlaubnis.
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Häufige Fragen
Wann ist die beste Reisezeit für Vietnam?
Die beste Reisezeit hängt von der Region ab, da Vietnam verschiedene Klimazonen hat. Für Nord- und Südvietnam gelten meist die Monate November bis April als ideal. Zentralvietnam eignet sich besonders zwischen Februar und August für Reisen.
Welche Highlights sollte man in Vietnam sehen?
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten gehören die Halong-Bucht, die Altstadt von Hoi An und die Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt. Auch die Reisterrassen in Sapa und das Mekong-Delta sind beliebte Reiseziele. Vietnam verbindet Natur, Kultur und Geschichte auf besondere Weise.
Was ist typisches Essen in Vietnam?
Die vietnamesische Küche ist bekannt für frische Zutaten und aromatische Kräuter. Besonders beliebt sind Pho, eine traditionelle Nudelsuppe, sowie Banh Mi und frische Sommerrollen. Viele Gerichte kombinieren süße, saure und würzige Aromen.
Welche sind die schönsten Strände in Vietnam?
Zu den schönsten Stränden zählen Phu Quoc, Nha Trang und My Khe Beach in Da Nang. Auch die Insel Con Dao begeistert mit ruhigen Buchten und klarem Wasser. Viele Strände eignen sich ideal zum Baden, Tauchen und Entspannen.


