Andere Länder, andere Sitten: Während man hierzulande mit bestimmten Gesten, Handlungen und Wörtern das vermeintlich Normalste der Welt tut, fühlt man sich anderswo dadurch auf den Schlips getreten. Das gilt auch für Vietnam. Wir verraten in unserem Vietnam-Knigge, was man in bestimmten Situationen in dem Land tun sollte – und was besser nicht.

Hello, Vietnam – richtig begrüßen!

Unser Vietnam-Knigge beginnt mit der Begrüßung im Alltag. Manch einer fragt sich vielleicht: Läuft das so wie bei uns? Teil, teils. Werdet ihr einander vorgestellt, könnt ihr es bei einem freundlichen, leichten Kopfnicken belassen. Das ist okay. Händeschütteln geht auch, ist aber eher unter Geschäftspartnern verbreitet – privat eher nicht. Das französische »Bise«, der Wangenkuss zur Begrüßung, ist dagegen verpönt. Ebenso solltet ihr äußerst zurückhaltend mit Umarmungen sein.

Jungen in Vietnam

Natee K Jindakum

Wer ist denn hier unhöflich?

Höflichkeit spielt in Vietnam eine extrem große Rolle. Man will das Gegenüber nicht vor den Kopf stoßen – und sein eigenes Gesicht in der Öffentlichkeit wahren. Das hat zur Folge, dass viele Probleme »weggelächelt« werden. Wenn ihr also in Vietnam mit etwas nicht einverstanden seid, dann äußert ihr sachlich und freundlich eure Kritik. Bestenfalls mit einem Lächeln. Lautes Herumschreien oder Fluchen geht in Vietnam jedenfalls gar nicht.

Wenn ein Vietnamese euch verbal zustimmt, dann heißt das noch lange nicht, dass er das auch tatsächlich tut. Anders ausgedrückt: Ein »Ja« bedeutet nicht immer »Ja«. Es bedeutet sehr häufig nämlich lediglich: »Ja, ich höre dir zu«. Ein »Nein« wird dagegen oft durch die Blume vermittelt. Wenn ihr ein Anliegen habt und darum bittet, dass es schnell erledigt wird, man euch dann aber mit der Aussage vertröstet, man werde es versuchen, sollten alle Alarmglocken bei euch schrillen. Seid ihr euch unsicher, achtet auch auf die Mimik.

Straßenüberquerung leichtgemacht

Eines vorweg: In den kleineren Städten Vietnams habt ihr dieses Problem eher nicht. In den Metropolen Ho-Chi-Minh-Stadt und Hanoi dagegen schon: eine Straße zu überqueren. Die Hauptverkehrsstraßen in den Metropolen quillen über mit Rikschas, Motorrollern, Autos, LKW und Mini-Bussen. Ein wildes Durcheinander, in dem man als Fußgänger mehr schlecht als recht zurechtkommt. Zumindest dann, wenn man keine Übung im Überqueren von Straßen in Asien hat. Darum folgende Tipps, wenn ihr eine große Straße überqueren wollt: keine unberechenbaren Handlungen, kein Zurück, kein Zaudern. Stattdessen solltet ihr bewusst langsam gehen. Klar, es gibt auch Ampeln. Aber dann müsst ihr zuweilen einen längeren Weg zurücklegen. Eine Alternative: Ihr lauft im Windschatten der Vietnamesen. Die wissen, wie man eine Straße überquert.

Straßenverkehr in Vietnam

tran phu

Vietnam-Knigge: der Besuch im Restaurant

Für den Besuch eines vietnamesischen Restaurants können wir euch vor allem drei Tipps geben. Erstens: Wer die Aufmerksamkeit der Kellner erheischen will, sollte klotzen statt kleckern. Will heißen: Macht deutlich auf euer Anliegen aufmerksam. Mit einem schüchternen Herbeiwinken oder Herumgestikulieren werdet ihr scheitern. Man ignoriert euch. Ruft stattdessen laut » em ơi«, was übersetzt so viel heißt wie »junger Bruder/junge Schwester«.

Zweitens: Seid ihr mit Vietnamesen zum Essen verabredet, werdet ihr vielleicht darüber verwundert sein, dass nicht jeder am Tisch eine Speisekarte ausgehändigt bekommt. Normal. Denn in der Regel wird die gesamte Bestellung am Tisch von einer Person vorgenommen. Anschließend wird eine Vielzahl verschiedener Gerichte auf dem Tisch landen, von denen sich nach Belieben bedienen kann. Einzelbestellungen sind verpönt. Meins und Deins gibt es nicht.

Pho-Suppe aus Vietnam

Jennifer Schmidt

Drittens: Wenn es ans Bezahlen geht, händigt eine Person am Tisch dem Kellner das Geld aus. Die gesamte Rechnung wird dann durch den Rest der Truppe geteilt. Es ist Vietnam äußerst unüblich, dass einzelne Posten separat beim Kellner beglichen werden.

Wer stellt sich denn hier in die Schlange?

Wer in der Schlange stehen kann, hat seinen Führerschein in Höflichkeit bestanden, heißt es so schön in Knigge-Ratgebern – und wird ergo auch von vielen Menschen hierzulande befolgt. In Vietnam dagegen eher nicht. Dort gilt: Der Wartende ist immer der Dumme. Es wird sich munter vorgedrängelt, egal ob an der Imbissbude, an der Supermarktkasse oder am Check-in-Schalter im Flughafen. Das mag für Europäer ziemlich befremdlich wirken, ist aber in Vietnam weitverbreitet. Dort kennt man das Schlangestehen schlicht und einfach nicht. Tipp: sich möglichst breitmachen, so dass niemand die Chance hat, sich an euch vorbeizumogeln.

Menschen stehen in Schlange vor Tempel in Vietnam

Chinh Le Duc

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