Wilhelm von Oranien gilt in den Niederlanden als Gründer des Vaterlandes. Der Papa der Nation sozusagen. Noch nie von gehört? Dann ab nach Holland. Seit dieser Woche widmet sich das Museum Prinsenhof in Delft dem großen Monarchen in einer Sonderausstellung. Wir haben sie uns einmal angesehen.

Janelle Moerman ist die Ruhe in Person. Nichts kann die Direktorin des Museums Prinsenhof in Delft gerade aus dem Konzept bringen. Sie muss gleich eine kleine Begrüßungsrede für die ersten Gäste halten. Um sie herum wuseln die Mitarbeiter umher und bereiten alles für den großen Abend vor. Das letzte Bild, Louise Juliana von Oranien-Nassau (1576-1644), eine Leihgabe des Siegerland Museums, wird an seinem Platz aufgehängt, die Damen aus der Marketing- und Presseabteilung legen die letzten Informationen für die Journalisten aus. Heute Abend erwartet das Museum rund 250 Gäste, überwiegend Honoratioren und Kunstfreunde aus der Region. Denn heute startet die großartige Ausstellung »Wilhelm von Oranien ist hier!«.

William-von-Oranien-Statue im Garten des Prinsenhofes

Frank Störbrauck

Noch bis zum 3. März 2019 lädt das Museum alle Geschichts- und Kunstinteressierten dazu ein, in dem Museum auf die Spuren des großen niederländischen Staatenlenkers zu gehen. Der Ort, um sich Wilhelm von Oranien zu nähern, kann besser nicht sein, denn die Ausstellung findet genau an dem Ort statt, wo sich die Geschichte seinerzeit abgespielt hat: am jahrhundertealten Prinsenhof. Janelle Moerman macht keinen Hehl aus ihrem Stolz, dem Publikum an diesem Ort die Ausstellung zu präsentieren:

»Wir benutzen das Gebäude, um die großartige Geschichte, das großartige Lebenswerk von Wilhelm von Oranien zu erzählen. Wir bringen ihn ganz nah an die Besucher heran«, sagt Moerman.

Der Vater der Niederlande

Nun, wer war Wilhelm von Oranien eigentlich? Wesentlichen Ruhm erlangte er während des Achtzigjährigen Krieges (1568 – 1648) gegen die Spanier, als er in die Rolle des führenden niederländischen Widerstandkämpfers schlüpfte. Wilhelm floh nach Delft, leitete von dort aus den Aufstand, besiegte die Spanier und konnte damit die Basis für die heutigen Niederlande legen. Und genau diese Geschichte erzählt das Museum in all seinen Facetten.

Wie so oft in der Vergangenheit Europas, spielten die Religionen eine unheilvolle Rolle. Damals, im 16. Jahrhundert, wuchs in der holländischen Bevölkerung der Unmut über die katholische Kirche. Immer mehr Menschen wandten sich von ihr ab und interessierten sich mehr und mehr für die protestantische Bewegung.

De Ellendige Staat der Nederlanden

Museum Prinsenhof Delft

Davon war auch Delft betroffen. Deren Stadtoberhäupter entschlossen sich 1572, Seit an Seit mit den aufständischen Protestanten zu kämpfen. Das katholische St. Agathakloster, heute Sitz des Museum Prinsenhofs, wurde beschlagnahmt und ging in die Hände der Stadtverwaltung über.

Wilhelm von Oranien floh ins St. Agathakloster – heute Heimat des Museums

Für Wilhelm von Oranien, der die Nase voll hatte von den Repressalien der Spanier und seit 1568 gegen sie kämpfte, war der Weg frei nach Delft. Er war auf der Suche nach einem sicheren Ort, denn die Spanier hatten ihn für vogelfrei erklärt und ein Kopfgeld auf ihn angesetzt. In dem Kloster war er relativ sicher. Die Stadt war ummauert. Sie zählte zu den sichersten Orten Hollands. Wilhelm von Oranien erschien freilich nicht allein. Sein Hof begleitete ihn.

Auch diesen Aspekt greift die Ausstellung auf und präsentiert in den Gemälden einige Mitglieder. Ein Glanzstück der Ausstellung ist das Portrait von Louise Juliana. Sie ist eine der Töchter von Wilhelm von Oranien und Mutter des Winterkönigs Friedrich V. von der Pfalz. Es ist das erste Mal, dass Louise Juliana gemeinsam mit ihrer Mutter Charlotte de Bourbon an dem Ort gemeinsam ausgestellt werden, wo Louise auf die Welt kam und beide gewohnt haben.

Mitarbeiter des Museums Prinsenhof Delft hängen das Portrait von Louise Juliana auf

Frank Störbrauck

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist die Apologie – ein Raum, voll mit Verteidigungsschriften, die Wilhelm von Oranien seinerzeit verfasste. Sein Credo: Jeder soll frei in seinem Glauben sein – das war damals geradezu revolutionär. Das Besondere: Wilhelm von Oranien veröffentlichte seine Philippika in hoher Auflage und in mehreren Sprachen; nicht nur die anderen Fürsten sollten davon erfahren, sondern auch die gemeine Bevölkerung. Und so wurden die Briefe, Plakate und vielen Bürgern zugänglich. Wer sich dafür interessiert, kann allein in diesem Apologie-Raum der Ausstellung mehrere Stunden verbringen

Tod durch ein Attentat

Last but not least widmet sich die Ausstellung dem Mord an Wilhelm von Oranien. Am 10. Juli 1584 erschoss Balthasar Gérard, ein Spanien wohlgesinnter Franzose, den Monarchen. Es geschah, als Wilhelm von Oranien nach dem Mittagessen die Treppen im Prinsenhof hinaufsteigen wollte. Noch heute sind die Einschusslöcher im Treppenhaus zu sehen – und natürlich Bestandteil der Ausstellung.

Portrait van Balthasar Gerards

Museum Prinsenhof Delft

Dass die Fans des holländischen Königshauses den Weg nach Delft finden werden, ist sehr wahrscheinlich. Denn Delft hat mehr in petto als »nur« den Rummel um die Geschichte des Königshauses: Die schnuckelige Kleinstadt entzückt Besucher durch ihre pittoresken Straßen und Gässchen sowie ihre idyllischen Grachten, flankiert von Gebäuden, die die Geschichte der Brabanter Gotik und Patrizierhäuser der Renaissance erzählen.

Gracht in Delft

Frank Störbrauck

An allen Ecken laden Cafés und Restaurants zum Verweilen ein, kleine Galeriebesitzer präsentieren ihre Kunstwerke. Und dann ist da natürlich noch das Delfter Blau-Keramik, für das die Stadt weit über die Landesgrenze hinaus bekannt ist.

In diesem und dem kommenden Jahr ist das Museum Prinsenhof freilich nicht allein unterwegs, wenn es darum geht, die Geschichte des Hauses Oranien-Nassau zu erzählen. NBTC Holland, das Tourismusbüro des Landes, hat zur gleichen Zeit wie die Ausstellung die Geschichtslinie »Königliche Niederlande – das Haus Oranien-Nassau« kreiert. Wer also Zeit und Lust hat, sich dem royalen Leben des Könighauses in ganzer Breite zu widmen, kann dies an bekannten und weniger bekannten königlichen Orten in vier Städten des Landes tun.

Die Ausstellung »Wilhelm von Oranien ist hier!« im Museum Prinsenhof (Sint Agathaplein 1, 2611 HR Delft, Niederlande) ist noch bis zum 3. März 2019 zu sehen. Geöffnet ist das Museum von Dienstag bis Sonntag zwischen 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 12 Euro, Ermäßigungen gibt es für Kinder und Jugendliche sowie für Gruppen.

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