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Vestige Son Vell

Vestige Son Vell
Camí de Son March, S/N
07769 Ciutadella de Menorca
Telefon: +34 971 93 94 24
www.vestigecollection.com/son-vell

33 Suiten
€€€

getestet von Jenny Latuperisa-Andresen
18

Der erste Eindruck

Menorca ist für viele noch unbekanntes Terrain – und das, obwohl die große Schwester, Mallorca, praktisch das 17. Bundesland ist. Doch Menorca ist noch naturbelassener und leiser. Der Weg ins Son Vell führt durch welliges Hinterland, links Olivenhaine, rechts Weideland, dann taucht es am Horizont auf: ein honigfarbenes Herrenhaus im palladianischen Stil. Wir sind im Westen Menorcas, rund 20 Minuten vom Hafenstädtchen Ciutadella entfernt, und das Meer liegt so nah, dass es nur einen Spaziergang bis zur Cala Son Vell braucht.
Son Vell macht keinen Lärm um sich. Und doch hat das Ankommen hier einen Effekt. Was für ein beeindruckendes Terrain! Der Garten könnte eine Hauptrolle in einem Jane-Austen-Film spielen. Die Außenfassade ist dabei nicht wie ein glatt gelutschtes Bonbon, sondern zeigt Patina und somit Leben. Drei Jahre Restaurierung stecken in diesem Haus aus den 1820er-Jahren, koordiniert vom hauseigenen Vestige Estudio, umgesetzt mit Handwerksbetrieben der Insel. Die alten Wirtschaftsgebäude sind heute Suiten und der Restaurantbereich.
Ringsum 200 Hektar Anwesen: Ackerland, Küchengarten, Duftgärten. Wer hier ankommt, merkt nach zehn Minuten, dass Entschleunigung tatsächlich beschleunigen kann.

Wer wohnt hier?

Son Vell ist für Reisende, die Luxus nicht in Marmorquadratmetern messen, sondern in Raum, Ruhe und der Freiheit, nichts zu müssen. Es spricht natürlich auch alle an, die ein Herrenhaus aus den 1820er-Jahren spannender finden als eine Rooftop-Bar mit DJ.
Paare kommen hierher, weil das Anwesen auch Privatsphäre bietet. Familien, weil zwischen Gärten, zwei Pools und Freiluftkino niemand Langeweile bekommt. Kulturinteressierte, weil Menorca über 1.500 archäologische Stätten zählt und seine Talayot-Kultur seit 2023 zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Und Genießer, weil Executive Chef Joan Bagur schon im ersten Jahr Auszeichnungen in Spanien und Großbritannien einsammelte.
Kurzum: Menschen, die den Unterschied zwischen laut und bedeutend kennen. Die morgens lieber Yoga im Garten praktizieren, als um die beste Liege zu konkurrieren. Die eine Wanderung auf einem Militärpfad aus dem 14. Jahrhundert als Urlaub verstehen. Und die am Abreisetag noch einmal langsam durch den Duftgarten gehen, obwohl der Transfer längst wartet.

Gut geschlafen?

33 Suiten verteilen sich über das Haupthaus, die umgebauten Wirtschaftsgebäude und einige behutsam ergänzte Neubauten. Sechs Schlafzimmer liegen im historischen Herrenhaus und schauen auf wellige Hügel und glitzernde Küste. Die übrigen sind ebenerdige Gartensuiten mit großzügiger eigener Terrasse und dem angenehmen Gefühl, allein auf dem Anwesen zu sein.
Das Design ist ruhig, ohne blass zu werden. Das Hotel wäre ein Highlight in jedem Interieur-Magazin. Kalkgeputzte Wände, freiliegende Eichenbalken, gealterter Terrakottaboden und eine Farbpalette, die wirkt, als hätte jemand menorquinisches Licht in Stoff übersetzt. Dazu Leinen und Jute, maßgefertigte Möbel, ausgesuchte Antiquitäten aus der Familiensammlung und moderne Kunst aus dem Studio Debris.
Manche Zimmer haben einen Kamin voller Kerzen, andere eine frei stehende Wanne unter Gewölbedecke. Nichts davon drängt sich auf. Alles davon bleibt hängen.

Der Wellnessfaktor

Ein Spa im klassischen Sinn sucht hier niemand. Erholung passiert in Son Vell beiläufig, dafür umso gründlicher. Zwei Pools liegen mitten in den Gärten: ein ovaler, eleganter aus dem 19. Jahrhundert, der eher zum Treibenlassen verführt, und ein moderner, geradliniger für morgendliche Bahnen. Beide haben eine Poolbar mit leichten Snacks und kalten Getränken, was die Distanz zwischen Wasser und Aperitif erfreulich kurz hält.
Tägliche Yoga-Sessions sind für Gäste kostenfrei und finden unter freiem Himmel statt, auf einem Deck zwischen Bäumen. Massagen gibt es auf Wunsch in eigenen Behandlungsräumen. Das eigentliche Treatment aber sind die 200 Hektar drumherum: über 1.400 neu gepflanzte Bäume, ausschließlich heimische Arten, ein biologisch bewirtschafteter Küchengarten und Duftgärten, die ihre Stimmung mit dem Sonnenstand wechseln.
Und abends? Menorca ist starlight-zertifiziert. Eine geführte Sternbeobachtung ersetzt hier jede Meditations-App.

Bauchgefühl

Tagsüber gehört die Bühne dem Sa Clarisa. Knackige Gartensalate, fangfrischer Fisch, Pasta oder lokal gegrilltes Fleisch, serviert unter freiem Himmel im Wechselspiel aus Licht und Schatten. Leicht genug, um danach wieder in den Pool zu passen.
Abends wird es ernst. Das Vermell sammelte bereits im ersten Jahr Auszeichnungen. Das ist für ein Hotelrestaurant auf einer Insel dieser Größe alles andere als selbstverständlich. Executive Chef Joan Bagur kocht modern und trotzdem tief in Menorcas Kultur und Geschichte verankert. Gemüse und Kräuter stammen aus dem Küchengarten, der Rest aus dem Meer vor der Tür und von Erzeugern der Insel. Locals reservieren hier ebenfalls, und das ist das ehrlichste Qualitätssiegel, das ein Hotelrestaurant bekommen kann.
Wer es entspannter mag, landet in der Bar Son Vell beim Tapas-Menü. Die kuratierte Weinkarte reicht vom menoquinischen Negroni bis zum teuren Single Malt.

Das besondere Etwas

Boutique-Hotels in historischen Gemäuern gibt es viele. Häuser, die ihre Geschichte nicht als Dekoration benutzen, deutlich weniger.
Son Vell eröffnete 2023 als erstes Hotel der Vestige Collection und wurde damit zum Beweis, dass die Philosophie der asturischen Familie Madera trägt: historische Gebäude vor dem Verfall retten und sie so herrichten, als wären sie nie vernachlässigt worden. Restauriert wurde unter anderem mit historischen Techniken. Das interne Vestige Estudio, geleitet von Maria Obdulia Fernández und ihren Töchtern Marta und Claudia, überwachte jeden einzelnen Schritt.
Der schönste Nebeneffekt liegt einen Kilometer vom Haus entfernt: der Camí de Cavalls, ein 185 Kilometer langer Pferdeweg, der die gesamte Insel umrundet. Im 14. Jahrhundert patrouillierten hier Reiter zwischen Wachtürmen und hielten Ausschau nach Piratenschiffen. Vom Frühstückstisch direkt in eine Route mit 700 Jahren Geschichte, das schafft kaum ein Haus. Und auch das geht auf den hauseigenen Pferden. Und Glück und Pferd ist eben sehr nah miteinander verknüpft. Das können wir nur bestätigen.

3 gute Gründe, dort zu buchen

    1. Nachhaltigkeit: Über 1.400 neue Bäume, ausschließlich heimische Arten, ein biologisch bewirtschafteter Küchengarten, der die Küchen versorgt, und ein Energiemonitoringsystem auf dem gesamten Anwesen. Selbst die Kaffeekapseln sind kompostierbar. Hier profitiert die Biodiversität vom Hotel und nicht umgekehrt.

    2. Aktivitäten: Geführte Ausritte zu den Stränden von Son Saura, Wanderungen und Radtouren auf dem Camí de Cavalls, Stand-up-Paddling, Jeep-Safaris, Kochkurse, Bootstouren und Besuche archäologischer Stätten. Dazu Ciutadella mit Altstadt, Kathedrale, Galerien und Boutiquen, zwanzig Minuten entfernt. Fahrräder und E-Bikes stehen im Haus für die Gäste bereit.

    3. Team: Der Service in Son Vell hat keinen Trainingsplancharme, sondern echte Wärme. Beim Frühstück kennt das Team nach zwei Tagen die Kaffeebestellung und fragt nach dem gestrigen Ausritt, als säße es selbst mit im Sattel. Und wer tatsächlich mit den Pferden losreitet, bekommt unterwegs ganz nebenbei eine kleine Inselführung dazu: welche Bucht sich wann leert, wo die besten Feigen wachsen, warum genau dieser Steinwall seit Jahrhunderten so verläuft.
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    Photocredits: © Vestige Collection

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