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the cōmodo
Bad Gastein

the cōmodo
Kaiserhofstraße 18,
5640 Bad Gastein, Österreich
Telefon: +43 6434 30432
www.thecomodo.com

70 Zimmer und Suiten
€€

getestet von Harald Braun
18

Der erste Eindruck

Das Wissen, dass the cōmodo seine Heimat in einem Gebäude aus den sechziger Jahren gefunden hat, in dem lange Jahre die Stadt Wien Erholungsgäste – sprich Kurklientelempfangen hat, lässt erst einmal Schlimmes befürchten. Ein brutalistischer Kasten? Wäre in Bad Gastein keine Seltenheit. Aber dann ist es da, das erst 2023 neu eröffnete Hotel und löst im Inneren ein behagliches Staunen aus. Ein Haus mit zweifelhafter Vergangenheit, okay, das zeigt der erste Blick sofort. Aber hier hat jemand mit Geschmack eingegriffen.

Die einladende (neue) Holzfassade wirkt wie eine sanfte Verkleidung. Nicht als Tarnung, sondern als Versprechen. Und dieser klare, moderne Schriftzug auf dem Dach, maßgeschneidert im Mid-Century-Style, sendet Selbstbewusstsein, ohne laut zu sein. So wirkt das Gebäude ein wenig wie ein Beamter, der plötzlich Yoga macht. Die alte Strenge schimmert durch, wird aber nicht verleugnet, sondern neu gelesen.

Auch drinnen kein kantiger Alpenkitsch, der erste Schritt über die Schwelle fühlt sich an wie ein Übergang in eine andere Welt, bestimmt von Holz, feinen Stoffen, gedämpften Farben und einem coolen Jazz Sound. Lässig hier, aber mit Haltung. An der Rezeption empfängt Jan Breus, ehemals Betreiber des grandiosen »Rudolfshöhe« in Bad Gastein, jetzt das Gesicht des the cōmodo und Vertrauensperson der Berliner Architektin Barbara Elwardt, die das Haus mit privaten Mitteln gestaltet hat.

Wer wohnt hier?

Der typische Gast trägt keine Funktionsjacke mit fünfzehn Reißverschlüssen. Er fragt auch nicht als Erstes nach dem WLAN-Passwort. Er kommt hierher, weil er sich dazu bewusst entschieden hat und ist nicht einfach irgendwo gelandet. Er dürfte meist so zwischen Mitte dreißig und »noch lange nicht alt« sein, beruflich macht er irgendwas mit Denken, Gestalten oder Entscheiden, privat ist er ein Freund guter Gespräche und schlechter Ausreden, warum er morgen schon wieder nicht wandern gehen will.

Dass the cōmodo Mitglied der Design Hotels ist, merkt man sofort – und zwar daran, dass es einem nicht ständig um die Ohren gehauen wird. Design heißt hier nicht: Schau mal, wie geil wir sind, sondern genieße, wie angenehm sich hier alles anfühlt. Das liegt an diesem souveränen Zusammenspiel aus Vintage-Finesse, Mid-Century-Klassikern und zeitgenössischem Design.

Wer hier absteigt, weiß nicht nur zu schätzen, dass er in der Lobby auf einem Camaleonda-Sofa von B & B Italia sitzt oder auf einem Pacha Lounge Chair von Gubi – er hat Designkostbarkeiten dieser Art vermutlich selbst zu Hause.

Gut geschlafen?

Das Netteste, was sich über die Zimmer sagen lässt: Man fühlt sich nicht wie in einem Hotel, sondern wie in einer gelungenen Interpretation des eigenen Zuhauses – nur mit besserer Aussicht. Alles ist auf das Wesentliche reduziert – allerdings auf eine sehr komfortable Weise. Große Fenster, die den Blick auf Bad Gastein, das Tal und die Berge weisen. Eine Landschaft mit Charakter, manchmal dramatisch, manchmal verschlafen – und immer vom Bett aus zu bewundern.

Die Betten, diese einladend-charmanten Lager, sind die Herzstücke eines jeden Zimmers. Die Räume des Hotels strahlen dabei eine zurückhaltende Ruhe aus, was ebenso am gut eingesetzten hellen Holz in den Zimmern liegt, wie an den klaren Linien und weiten Stoffen. Selbst die spärlich eingesetzten Farbakzente flüstern mehr, als dass sie prahlen. Wer es gern grell, munter und laut mag, ist hier definitiv nicht gut aufgehoben.

Der Wellnessfaktor

Hoch. Ein Wohlfühltag beginnt hier mit der Erkenntnis: Ich muss nichts leisten, außer loslassen! Um das eigene Bett nicht zu beleidigen, wird das Frühstück eher später eingenommen, danach ein kleiner Spaziergang gewagt, bis es schon höchste Zeit ist, eine der beiden (großen) Saunen auszuprobieren, die sich auf den höheren Ebenen des Hotels befinden.

Frei nach Schiller die perfekte Meditation für Geist und Körper: »Schwitzen ist auch nur Nachdenken ohne Gedanken.« Dergestalt vorbereitet driftet man rüber zum Indoor-Pool, dessen Vergangenheit als Kurgasttümpel gerade noch zu erahnen ist. Was eine gute Nachricht ist: Er ist von einer angenehmen Schlichtheit, warmes Wasser, gedämpftes Licht, klare Linien. Keine Erlebnisrutsche, kein Schnickschnack. Man schwimmt zwei, drei Bahnen und merkt schnell: So darf es bleiben.

Schließlich der Ruheraum. Große Liegen, gedämpfte Farben – und schon wieder dieser Blick auf der Outdoor-Terrasse hinauf auf die Berge, die das Treiben gelassen beobachten. Dass man hier auch Spa-Behandlungen buchen kann, in einem sonnigen Yoga-Raum an Kursen und Workshops teilnehmen und einen modernen Fitnessraum nutzen kann, erwähnen wir nur noch aus reinem Pflichtgefühl. War doch klar, oder?

Bauchgefühl

Morgens wird sich vor dem Frühstück fest vorgenommen, Maß zu halten. Ein Flat White, dazu ein Apfel. Doch schon bröckelt der Vorsatz: das Brot zu gut, die Butter exquisit, der Käse eindeutig aus einer Gegend, in der Kühe Namen tragen. Dann noch ein Omelett, frisch bestellt und mit einem freundlichen Lachen am Tisch serviert.

Später, nach einem Gang durch den Ort oder ein paar Bahnen im Pool, führt der Weg »nur kurz« durch die Lobby. Ein Espresso wäre angemessen. Leider liegt da auch Kuchen, nichts Aufdringliches. Ein Stück wird geteilt. Theoretisch. Praktisch landet es allein auf einem Teller und zählt gedanklich nicht als Mahlzeit, sondern als Übergang.

Am Nachmittag wird es gefährlich. Ein Glas Wein in der lässigen Lobby, ganz harmlos, dazu ein kleiner Snack, die anderen machen das doch auch? Da sitzt man, schaut dem rosa Dämmer zu, rechnet innerlich Kalorien gegen Höhenmeter, verliert den Überblick und gewinnt zunehmend an Lebensfreude.

Am Abend dann das Restaurant »De Leit«, der Moment, in dem jede Selbstdisziplin endgültig kapituliert. Auf der Karte stehen Dinge wie geschmorte Rindsbacken mit Wurzelgemüse, Saibling aus heimischen Gewässern, Rote-Bete-Variationen mit Ziegenkäse. Dreimal hintereinander ließe sich auch das Kalbsschnitzel mit Kartoffelsalat wählen, diese kutschradgroße Köstlichkeit. Und noch ein Dessert mit Topfen, Beeren und einem Hauch von Kindheit. Alles regional, alles saisonal korrekt. Man nimmt sich vor, nur ein Hauptgericht zu bestellen – und landet am Ende beim Menü. Der Wein passt auch (Tipp: Der Löss Grüne Veltliner 2024, aus der Schlosskellerei Gobelsburg), und ein Nachtisch wäre ja auch unhöflich abzulehnen.

Und die Gefühle am Ende des Tages? Satt, zufrieden, aber leicht reumütig und erneut der Vorsatz: Ab morgen früh wird Maß gehalten!

Das besondere Etwas

Neben dem »Design trifft Seele«-Ding, das den Aufenthalt in the cōmodo allein schon zum besonderen Ereignis macht, dürfte es das mit 21 orangen (!) Sesseln ausgestattete Kino sein! Es liegt gleich hinter der Rezeption und gibt den Gästen des Hauses die Möglichkeit, eine Privatvorstellung zu buchen. Kostenlos. Es gibt über 100 gelistete Filme zur Auswahl, die via DVD gezeigt werden. Oder, andere Möglichkeit: Den eigenen Netflix-Account ans System koppeln und schauen, was immer man sehen will. Malus: Um 23 Uhr ist leider Schluss im Privatkino.

3 gute Gründe, dort zu buchen

1. Der Eindruck, man besuche mal ein paar alte Freunde für ein paar Tage, die allerdings einen besseren Geschmack in Interieur-Fragen haben als man selbst.

2. Das Restaurant »De Leit«, in dem regionale Speisen auf gutem Niveau zu korrekten Preisen angeboten werden. Ein Zusatzpunkt gebührt dem herzlichen und kompetenten Service des Restaurants.

3. Prima Lage: Gleich hinter dem Haus beginnt ein schmucker Wanderweg, wählt man die Stadtseite, geht’s vorbei am legendären »Haus Hirt« bis hin zum neu erbauten Stadtkern des Ortes mit dem Badeschloss und dem hypermodernen Urban Nature.
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Photocredits: PION Studio

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