Das Trentino ist eine der burgenreichsten Regionen Italiens. Wer das nicht weiß, fährt durch, schaut kurz hoch und fährt weiter. Wer es weiß, hat das Problem, dass die meisten Anlagen abseits jeder normalen Reiseroute liegen – verstreut in Tälern, auf Felsen, hinter Obstgärten. Gut, dass es den Trenino dei Castelli gibt.
Was ist der Trenino dei Castelli überhaupt?
Jeden Samstag zwischen dem 6. Juni und dem 5. September 2026 verlässt der Zug um 8:10 Uhr den Bahnhof Trento-Malè in Richtung Val di Sole und Val di Non. Der Trenino dei Castelli – auf Deutsch in etwa: »Burgen-Zug« – ist keine touristische Neuerfindung, aber er hat in diesem Sommer ein Update bekommen: Erstmals gibt es alle Führungen auch auf Englisch. Denn, wer kein Italienisch spricht, hatte bislang einfach Pech.
Die Route führt entlang des Noce-Flusses durch Apfelplantagen und Weinberge, vorbei an vier historischen Burganlagen: Castel San Michele, Castel Caldes, Castel Valer und Castel Thun. Damit alle Burgenanlagen auch richtig gewürdigt werden können, wird auch für das leibliche Wohl gesorgt. Frühstück gibt es an Bord, Mittagessen im Restaurant und am Nachmittag eine Merenda mit regionalen Spezialitäten. So hallen auch keine unangenehmen Magengeräusche durch die altehrwürdigen Gänge und Säle. Um 19:30 Uhr findet der Tag dann sein Ende, dort wo er begonnen hat, in Trient.
Welche Burgen werden besucht – und was ist dort wirklich sehenswert?
Die erste Station, Castel San Michele (hier findest du mehr Informationen) im Val di Sole, beeindruckt vor allem durch den 25 Meter hohen Turm. Die Anlage thront so klischeehaft malerisch über dem Tal, dass es fast unwirklich wirkt. Auch in der heutigen Zeit noch mittelalterlich, wehrbereit und kompromisslos.
Castel Caldes (hier geht es zur Website) folgt mit einer Geschichte, die schon recht düster ist und aus der wir heute hoffentlich gelernt haben: Die junge Adlige Olinda soll hier gefangen gehalten worden sein, weil sie sich in einen einfachen Spielmann verliebte. Was damals Strafe war, ist heute Kulturprogramm. Die Burg beherbergt Ausstellungen und Konzerte und in der Kapelle hängen Fresken des Malers Elia Naurizio, die kunsthistorisch tatsächlich einen Abstecher rechtfertigen.
Das private Castel Valer (hier geht es zur Website) im Val di Non ist bis heute bewohnt. Eine Adelsresidenz mit original eingerichteten Räumen, die keine Museumsatmosphäre hat, sondern sich anfühlt wie ein unangekündigter Besuch bei einer Familie an, die seit Jahrhunderten einfach nicht auszieht. Die Kapellenfresken der Brüder Giovanni und Battista Baschenis gehören dabei zu den stillen Entdeckungen des Tages.
Den Abschluss macht Castel Thun (hier geht es zur Website): eine nahezu vollständig erhaltene Anlage mit prachtvollen Sälen, historischen Möbeln und Obstgärten drum herum. Weil der Zug nicht bis ans Schloss fährt, wir hier in Mezzana in den Bus gewechselt. Mit dem gehts dann auch zurück nach Trento läuft über den Bus.
Was kostet der Ausflug – und für wen lohnt es sich?
Tickets für Erwachsene liegen bei 99 Euro. Kinder unter 16 Jahren zahlen 89 Euro und bis vier Jahre ist der Eintritt kostenlos. Im Preis enthalten sind Frühstück, Mittagessen, Nachmittagssnack, Führungen und die gesamte An- und Rückreise. Wer hier also die einzelnen Positionen durchrechnet, kommt auf einen doch recht fairen Tagessatz.
Der Ausflug richtet sich an alle, die das Trentino nicht über die üblichen Gardasee-Routen kennenlernen wollen. Familien funktionieren hier genauso wie Kulturreisende mittleren Alters, die Architektur und Geschichte lieben. Wer dagegen auf eigene Faust unterwegs sein möchte, wird sich neun Stunden organisierte Reisebegleitung wahrscheinlich schwer vorstellen können.
Buchbar ist alles über iltreninodeicastelli.it/en – ausgenommen sind der 15. und 29. August.





