Vorfreude darf sich jetzt schon einmal einstellen. Denn in der Hansestadt Bremen kommt viel Gutes auf den Tisch. Schließlich hat die Stadt ihren Wohlstand mit Waren gemacht, die sich schmecken lassen, mit Kaffee, Wein, Kakao und Gewürzen. Wer dieser Spur folgt, spaziert selten länger als zehn Minuten am Stück. Weil es überall etwas zu kosten gibt.
Im Schnoor lockt der Zucker
Die Spur beginnt dort, wo die Gassen am schmalsten sind. Der Schnoor liegt zwei Minuten vom Marktplatz entfernt: Fischerhäuser aus dem 15. und 16. Jahrhundert, Fachwerk, Kopfsteinpflaster. Und genau diese runden Steine hießen früher Schnoorkuller.
Konditormeister Rudolf Dövener nahm das Wort und machte etwas Essbares daraus. Sein Schnoorkuller ist eine Kugel aus Nussbaiser, gefüllt mit Nougat, überzogen mit Vollmilchschokolade und geröstetem Nusskrokant. Hergestellt wird sie nach eigenem Rezeptin der Schnoorkonditorei.
Die übrigen Bremer Spezialitäten verteilen sich über die Stadt, jede in ihrem eigenen Handwerk. Unbedingt probieren: den Klaben! Das ist ein schwerer Hefeteig mit hohem Butter- und Fruchtanteil, rechteckig geformt, nach dem Ofen mit Ei glasiert statt gezuckert. Zu kaufen in vielen guten Bäckereien. Die Ratsakten erwähnen ihn schon 1593, die Gewürze darin stammten aus dem Fernhandel der Hanse.

Foto: WFB/Carina Tank
Kluten kommen aus den Konditoreien, seit 1865: Riegel aus Pfefferminzfondant, halbseitig in Zartbitterschokolade getaucht. Klingt nicht nur lecker, ist es auch!
Und den Babbeler, 1886 vom Waller Konditormeister Albert Friedrich Bruns erfunden, führten traditionell Apotheken und Teegeschäfte. Die mentholhaltige Zuckerstange trägt ihren Namen nach dem plattdeutschen Wort für Mund.
Sechs Meter unter dem Rathaus
Zurück zum Marktplatz sind es zwei Minuten, dabei geht es an einer waschechten Welterbestätte vorbei. Das Rathaus entstand ab 1405, der Roland steht bereits seit 1404 auf dem Platz, beide gehören seit 2004 gemeinsam zum UNESCO-Welterbe, aufgenommen als Symbol bürgerlicher Autonomie.
Nicht minder interessant ist es darunter. Der Bremer Ratskeller lagert und verkauft ebenfalls seit 1405 Wein. Rund 650 Positionen umfasst das Sortiment, ausschließlich deutsche Weine aus allen 13 Anbaugebieten. Ein größeres Sortiment dieser Art existiert nirgends. Im Apostelkeller stehen zwölf Eichenfässer mit Rheinweinen des 18. Jahrhunderts, in der Historischen Halle tragen die Prunkfässer Schnitzereien aus derselben Zeit. Im Rosekeller ruht der älteste Fasswein Deutschlands, ein Rüdesheimer aus dem Jahr 1653. Ausgeschenkt wird er nicht mehr.
Im Ratskeller ist neben reichlich Wein auch noch ein Restaurant untergebracht. Und wer in einem einzigartig-hanseatischen Ambiete tafeln möchte, sollte hier unbedingt einkehren. Ob im altehrwürdigen Gewölbekeller oder unter freiem Himmel direkt auf dem Marktplatz, ein Besuch bleibt im Gedächtnis.

Foto: WFB/Jonas Schmidt
Zwei Schlüssel für eine Tür
Nur eine Tür im Keller bleibt zu, und zwar für (fast) alle. Die Schatzkammer öffnet nur, wenn zwei Menschen gleichzeitig anrücken: der Ratskellermeister und der Präsident des Bremer Senats, jeder mit seinem eigenen Schlüssel. Dahinter lagert der älteste noch käufliche Flaschenwein Deutschlands, ein Rüdesheimer Apostelwein von 1727. So viel zu der Gewissheit, dass Katzen überall hineinkommen. An dieser Tür hilft auch Kratzen nichts.
Andere Häuser öffnen bereitwilliger. 1692 gründete der Reeder Johann Nonnen sein Unternehmen, 1707 brachte sein Schiff den ersten Bordeaux nach Bremen. Daraus wurde Ludwig von Kapff, das älteste Weinhandelshaus der Stadt, heute mit Lagerverkauf im Speicher I in der Überseestadt. Ein weiteres Bremer Haus reicht bis 1773 zurück. Während der Ratskeller deutsche Weine sammelte, versorgten diese Kaufleute die Hansestadt mit Bordeaux, Burgund und Portwein.
Die Stadt, die dem Kaffee das Koffein nahm
1673 genehmigte der Rat das erste öffentliche Kaffeehaus im deutschsprachigen Raum. Die Bohnen kamen über den Hafen, das Getränk über die Niederlande, und in den 1920er-Jahren arbeiteten in Bremen mehrere Hundert Röstereien.

Foto: WFB/Carina Tank
Ludwig Roselius gründete 1906 die Kaffee Handels-Aktiengesellschaft und ließ das Verfahren zur Entkoffeinierung patentieren. Sein Werk am Holzhafen war die erste Kaffeefabrik Europas. Der Marmorsaal von 1914 steht bis heute: weißer Carrara-Marmor, Jugendstil-Vitrinen, historische Verpackungen hinter Glas. Er gehört inzwischen zur Lloyd Caffee GmbH und lässt sich bei Führungen besichtigen.
Lloyd röstet seit 1930 von Hand in kleinen Chargen und bietet Seminare am Fabrikenufer an. Die Rösterei August Münchhausen arbeitet seit 1935 durchgehend in Familienhand und veredelt ihre Bohnen im Langzeitröstverfahren. Wer beide Häuser hintereinander besucht, schmeckt den Unterschied zwischen zwei Röstphilosophien deutlicher als in jedem Fachbuch.
Markttag am Domshof
Der Wochenmarkt auf dem Domshof versorgt die Stadt seit Generationen mit Fisch aus der Nordsee, Gemüse aus dem Umland und prächtigen Blumen. Nach einem Bummel über den Markt ginge die Führung der Katze auf jeden Fall Richtung Traditionsbetrieb Fisch Bodes. Schließlich weiß das Kätzchen, was gut ist. Und ein herrlich frischer Fisch gehört zum Besuch in Bremen einfach dazu.

Foto: WFB/Carina Tank
Wer auf der Suche nach noch mehr Bremer Leckereien und Spezialitäten ist, sucht die nahe gelegene Markthalle Acht auf, untergebracht in einem ehemaligen Bankgebäude. Unter dem Oberlicht arbeiten Stände vieler Küchen nebeneinander, offen einsehbar, mit Produkten aus der Region. Nördlich davon liegt die Überseestadt, wo Speicher zu Restaurants, Bars und Röstereien geworden sind. Das frühere Eduscho-Gebäude heißt heute Kaffeequartier.
Die Schlachte, seit 1250 am Wasser
Ihr Ende nimmt die kulinarische Tour auf vier Pfoten an der Weser, etwa zehn Minuten vom Marktplatz entfernt. Die Uferpromenade Schlachte trägt ihren Namen seit 1250, abgeleitet vom niederdeutschen »slait«, den eingeschlagenen Holzpfählen, an denen Kaufleute ihre Handelsschiffe vertäuten. Hier lag jahrhundertelang der Hafen. Wein, Kaffee, Kakao und Gewürze kamen an dieser Kante an Land, bevor sie in die Keller der Kaufmannshäuser wanderten. Als die Weser versandete, zog der Umschlag flussabwärts nach Bremerhaven.

Foto: WFB/Melanka Helms-Jacobs
Doch das Trinken blieb. Schon 1822 beherbergte etwa die Hälfte der Häuser an der Schlachte Kaffee-, Bier- oder Weinschenken. Zwischen 1993 und 2000 entstand die heutige Promenade, 660 Meter, Granit, sechzig Bäume, Anleger für Ausflugsschiffe. Im Advent wird daraus der Schlachtezauber, ein Markt mit mittelalterlicher Kulisse.
Knipp steht ganzjährig auf den Karten, eine Grützwurst, die in der Pfanne kross wird. Ab Januar kommen Kohl und Pinkel dazu, die kulinarische Antwort Bremens auf kurze Tage.
Am Ende der Spur
Zwischen Welterbe, Weinkeller, Rösterei, Markt und Weserufer liegen jeweils zehn Gehminuten. Bremen macht es seinen Gästen leicht. Den Stadtmusikanten hätte die Stadt vermutlich ebenfalls gefallen, wären sie je angekommen.
Noch mehr Informationen zu einer Reise nach Bremen gibt’s unter www.bremen.de/tourismus.

