Wer heute ein Ticket für den Orient Express sucht, landet schnell im Wirrwarr. Mal heißt der Zug »La Dolce Vita«, mal »Venice Simplon-Orient-Express«, und 2027 kommt ein dritter dazu. Alle klingen nach großer Geschichte, keiner meint denselben Zug.
Der Name reicht zurück bis 1883, als der erste »Train Express d’Orient« aus Paris rollte. Seither steht er für Abendgarderobe im Speisewagen und für Agatha Christies berühmtesten Mordfall. Die Markenrechte am Zugnamen liegen bis heute bei der französischen Staatsbahn SNCF, und sie hat sie zweimal vergeben. So kommt es, dass drei Züge dieselbe Legende für sich beanspruchen, mit ganz unterschiedlichen Strecken, Epochen und Preisen.
»La Dolce Vita«: Kino auf Schienen
Der jüngste der drei Züge macht am wenigsten Aufhebens um Nostalgie. Hinter »La Dolce Vita Orient Express« stehen das italienische Unternehmen Arsenale und die Marke Orient Express, an der Accor die Hälfte hält. Die erste Fahrt führte am 4. April 2025 ins toskanische Montalcino.
Beim Einsteigen fällt der Blick auf Messing, Rauchglasspiegel und Decken aus Holzlamellen. Das Mailänder Dimorestudio gestaltete die Innenräume in Terrakotta, Violett und Salbeigrün, als Hommage an den Designer Gio Ponti, eine Ikone des italienischen Mid-Century-Stils. Das Vorbild ist Federico Fellinis Filmklassiker »La Dolce Vita« von 1960, der Inbegriff des süßen italienischen Lebensgefühls. Hier regiert das Italien der Wirtschaftswunderjahre, nicht das Art déco der Zwanziger.

Foto: La Dolce Vita Orient Express/Mr. Tripper
Sechs Züge sind geplant, gestartet ist der erste im April 2025. Die Zahlen an Bord bleiben exklusiv: Pro Zug reisen maximal 62 Gäste, verteilt auf zwölf Deluxe-Kabinen und 18 Suiten. Als Basis dienten italienische Schnellzugwagen, die in Süditalien komplett entkernt und neu aufgebaut wurden. Abends wird die Lounge Bar zum Zentrum, bei Live-Musik und Cocktails. Für das Essen sorgt Drei-Sterne-Koch Heinz Beck, die Empfangslounge am römischen Bahnhof Roma Ostiense stammt von Hugo Toro, der auch das erste Orient-Express-Hotel in Rom gestaltet hat.

Foto: La Dolce Vita Orient Express/Mr. Tripper
Strecken: Acht Routen führen durch 14 italienische Regionen, alle mit Start in Rom. Kurze Fahrten über ein bis drei Tage gehen etwa nach Matera, über Siena nach Venedig oder an die ligurische Küste nach Portofino. Die fünftägige »Grand Tour« verbindet Venedig, Matera, Taormina und Palermo. Auf der Fahrt nach Sizilien rollt der ganze Zug auf eine Fähre und setzt über die Straße von Messina. Danach geht der Blick auf den Ätna, direkt vom Bett der eigenen Suite. Neu ab Herbst: eine Strecke von Rom nach Istanbul, erste Abfahrt am 22. Oktober 2026.










