Früh morgens liegt das Tal noch im Schatten. Über den Dächern von Trafoi, einem kleinen Ortsteil der Gemeinde Stilfs in Südtirol, ragt der Ortler auf, mit 3.905 Metern der höchste Berg Südtirols. Die ersten Sonnenstrahlen treffen den Gipfel und kriechen langsam den Fels hinunter, bis sie einen Holzbau erreichen, geformt wie ein Nest. Der neue Flügel gehört zum Hotel Bella Vista, das seit 1875 in den Händen der Familie Thöni liegt, inzwischen in fünfter Generation, mitten im Nationalpark Stilfserjoch. Miteigentümer ist Gustav Thöni, eine der größten Skilegenden Italiens. Er wurde 1972 Olympiasieger und gewann in den 1970ern viermal den alpinen Gesamtweltcup.
Wer hat den neuen Flügel entworfen?

Foto: Hotel Bella Vista Trafoi
Den neuen Flügel verantwortet der Südtiroler Stararchitekt Matteo Thun, mit Thöni seit Jahren befreundet. Die Idee dazu reicht in Thuns Kindheit zurück, zu den Adlern über Trafoi und der Stille der Berge. Das Nest, der älteste Rückzugsort überhaupt, wurde zum Leitmotiv. Daraus entstand ein Bau aus leichtem Holz, der sich organisch in den Hang schmiegt. Große Glasflächen holen die Gipfel von Stilfserjoch und Engadiner Dolomiten in die Räume. »Hier hat man das Gefühl, die Natur zu umarmen und dass die Natur dich umarmt«, sagt Thun. Die Innenräume gestaltete Christina Biasi-von Berg vom Meraner Studio Biquadra, eine langjährige Weggefährtin Thuns.
Zirbe, Eiche und Steine aus dem Bach
Gebaut haben den Flügel Handwerker aus der Umgebung, von der ersten Skizze bis zur letzten Fuge. Zirbe, Tanne und Eiche stammen aus dem Alpenraum, der Stein aus der Region. Einige Elemente hat der Trafoier Bach über Jahrhunderte rund geschliffen, die Stoffe greifen Muster aus der Vinschgauer Webtradition auf. Bei der Eröffnung bedankte sich Thun ausdrücklich bei den Handwerkern: »Architektur entsteht aus einer Idee und einer Skizze, aber ohne die Handwerker bleibt ein Plan nur ein Plan.«

Foto: Bella Vista Trafoi
Die Bar erzählt Skigeschichte
Der Anbau wuchs in Etappen. Im Dezember 2025 öffnete die 250 Quadratmeter große Lounge-Bar »Home of Gold« mit Kamin, dazu eine neue Rezeption zwischen Altbau und Flügel. Die Bar erzählt die Geschichte von Gustav Thöni und der »Valanga Azzurra«, der »blauen Lawine«. Die Sportpresse taufte das italienische Ski-Team der 1970er-Jahre auf diesen Namen, jene Generation dominierte den Weltcup. Blau, Weiß und Rot bestimmen den Raum, die Farben von Schnee und Slalomtoren. An den Wänden hängen Fotografien aus jener Zeit, als halb Italien am Fernseher mitfieberte.
Baden über dem Tal
Seit Mai 2026 ergänzen 24 Natura-Suiten den Flügel, alle zur Bergkulisse ausgerichtet. Zusammen mit den 25 Zimmern im Altbau zählt das Bella Vista nun 49 Zimmer und Suiten. Bodentiefe Fenster rahmen den Ortler und die Engadiner Dolomiten, das Tageslicht prägt jeden Raum. Jede Suite wirkt wie ein Logenplatz über dem Tal.

Foto: Matteo Thun & Partners, Hotel Bella Vista © Luca Visciani & Daniel Merler
Das Herzstück bildet der neue Wellnessbereich, Erwachsenen vorbehalten: 550 Quadratmeter innen, über 5.000 Quadratmeter draußen. Naturstein, helle Töne und moosgrüne Akzente halten sich zurück und überlassen den Bergen die Bühne. Der Infinity-Pool öffnet sich wie eine schwebende Terrasse über der Trafoier Schlucht. Ein großes Panoramafenster rahmt die Gipfel, von der Ortlerwand bis in die Engadiner Dolomiten. Panorama-Whirlpools und Räume für Yoga und Fitness ergänzen den Bereich.
Sechs Saunen gehören dazu, darunter Infrarotkabine, Bio-Sauna und türkisches Bad. Im Ruhebereich »Fire and Ice« wechseln Kaminfeuer und Schneedusche einander ab. Draußen führt ein Weg zur Panoramasauna an einem quellgespeisten Naturteich, darüber öffnet sich die »Nature Arena«: ein Oval unter freiem Himmel, das die Gipfel ringsherum freigibt. Für Thun ist genau das der Kern des Projekts: »Der wahre Luxus der Zukunft ist die Stille und die Natur.«

Foto: Matteo Thun & Partners, Hotel Bella Vista © Luca Visciani & Daniel Merler
Was erwartet Familien im Hotel Bella Vista?
Familien haben ihr eigenes Reich: ein 400 Quadratmeter großes Family Spa mit zwei Kinderbecken, einer Familiensauna, der Erlebnisrutsche »Waterfall« und einer Speedrutsche. Kinder wohnen All-inclusive. Hausherr Gustav Thöni begleitet Gäste auf Wunsch beim Wandern und auf der Piste. Wer mit einem Olympiasieger am Lift steht, hat zu Hause etwas zu erzählen.
Was kostet eine Nacht im Hotel Bella Vista Trafoi?
Die Zimmer der Kategorie Edelweiss starten bei 140 Euro pro Person und Nacht. Für Erwachsene ist eine Dreiviertelpension mit Frühstück, Nachmittagsjause und Abendmenü inklusive. Die River Melody Spa Suite, die größte Kategorie im neuen Flügel, beginnt bei 315 Euro pro Person.
Hotel Bella Vista, Trafoi 11, 39029 Trafoi, Südtirol. Infos und Buchungen auf der Hotel-Website.


