Ablegen am Senftenberger See, anlegen am Großräschener See, und dazwischen kein einziges Mal das Boot auf den Trailer wuchten. In der Lausitz fährt man jetzt von See zu See, ohne den Umweg über Land. Fünf geflutete Tagebaue hängen jetzt zusammen: Senftenberg, Geierswalde, Partwitz, Sedlitz, Großräschen. Rund 5.300 Hektar Wasser, eine durchgehende Fahrt, ein neues Wasserreich, das Lausitzer Seenland, zwischen Berlin und Dresden.

Seit dem 29. Juni 2026 ist es offiziell: Die größte Seenwelt Europas befindet sich in der Lausitz. Zur Eröffnung kamen die Ministerpräsidenten beider Bundesländer nicht über die Autobahn, sondern über das Wasser. Brandenburgs Dietmar Woidke und Sachsens Michael Kretschmer steuerten per Boot heran. Aus dem alten Kohlerevier sei »Europas größtes künstliches Wassersportrevier« geworden, sagte Woidke. Der Tourismusverband geht noch weiter und spricht von der größten von Menschenhand geschaffenen Wasserlandschaft Europas.

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Der Sedlitzer See wird zum Drehkreuz

Lange hing nur die halbe Region zusammen. Zwei Wasserwege verbanden den Senftenberger See mit Geierswalde und Partwitz, der Rest lag für sich. Die gerade eröffneten drei neuen Kanäle laufen alle auf den Sedlitzer See zu, der sich mittig befindet. Von dort kommt man in jede Richtung weiter zum nächsten See. Aus fünf einzelnen Gewässern ist jetzt Wasserreich der Superlative geworden.

Dabei gibt der  Sedlitzer See den Takt vor. 1.400 Hektar groß, der weiteste Freizeitsee der Region, seit Ende April enlich auch für’s Baden freigegeben. Neue Strände säumen das Ufer, in der Sedlitzer Bucht stehen Tiny Houses direkt am Wasser. Hier schlägt künftig das Herz des jungen Reviers, das sicherlich zahlreiche Besucher anziehen wird. Denn an Attraktivität mangelt es hier nicht.

Drei Personen fahren bei Sonnenschein mit einem Motorboot ueber einen See im Lausitzer Seenland.

Foto: Tourismusverband Lausitzer Seenland / Nada Quenzel

Zwei Tage von See zu See

Die schönste Strecke beginnt am Senftenberger See und endet am Großräschener, hin und zurück sind es rund 40 Kilometer. Vier Kanäle liegen auf dem Weg, dazu eine Schleuse und immer wieder ein guter Grund an Land zu gehen,

Am Sedlitzer See ragt der Rostige Nagel aus dem Ufer, ein Aussichtsturm aus rostrotem Stahl, schmal und hoch wie ein in die Landschaft getriebener Nagel. Wer die Wendeltreppe hinaufsteigt, kann den Blick über das gesamte Revier streifen lassen. Am Geierswalder See steht ein Leuchtturm mitten im Binnenland, und ganz oben wartet das Restaurant MehrSeen mit Aussicht über die Schwimmenden Häuser, die hier auf dem Wasser dümpeln. Es wird also Aufregendes geboten. Auch in Großräschen, wo Seebrücke und Weinberg bis ans Ufer reichen.

Luftaufnahme eines Bootes, das vom Koschener Kanal auf den weiten Senftenberger See hinausfaehrt.

Foto: Wirtschaftsregion Lausitz / Niklas Arnold

Das ist auch das perfekte Ziel zum Übernachten. Denn der Hafen Großräschen liegt auf halber Strecke und hat die Infrastruktur, die es braucht: Tankstelle, Strom am Steg, Duschen und ein Zielhaus mit Schließfächern. Wer weniger Zeit hat, fährt kürzer: eine Halbtagestour zum Geierswalder See misst etwa 16 Kilometer, eine Tagestour über Partwitz und Sedlitz rund 25.

Mit oder ohne eigenes Boot

Ab August 2026 legt der erste Charter in der Sedlitzer Bucht ab, und das Beste daran: Die Hausboote fahren führerscheinfrei. 24 Quadratmeter groß, buchbar auch über Nacht. Partyboote tragen zehn Gäste, Mischboote acht und bieten vier Schlafplätze. Auch eine Grillstelle an Bord gehört zur Ausstattung.

Bunter Bikini und rotes Kleid haengen an einer Waescheleine vor blauem Himmel mit Wolken.

Foto: Antonio Verdin

Wer das Steuer lieber anderen überlässt, geht an Bord eines Fahrgastschiffs. Die MS Santa Barbara zieht ihre Runden über den Senftenberger See. Die MS Wilde Ilse schafft als bislang einziges Schiff gleich zwei Seen und kreuzt samstags und sonntags zwischen Sedlitz und Großräschen. Der heimliche Höhepunkt liegt im Dunkeln: die Durchfahrt durch den 186 Meter langen Ilse-Kanal-Tunnel.

Anreise zur Seenlandschaft in der Lausitz

Das Seenland liegt an der A13, fast genau auf halbem Weg zwischen Berlin und Dresden. Von Dresden braucht die Regionalbahn gut eine Stunde bis Senftenberg oder Sedlitz Ost. Vom Bahnsteig sind es nur ein paar Schritte bis ans Wasser.

Vom Tagebau zum Wasserreich

Mehr als 150 Jahre lebte diese Gegend von der Braunkohle. Bagger holten über zwei Milliarden Tonnen aus mehr als 60 Metern Tiefe. Über 100 Dörfer verschwanden ganz oder teilweise. Tausende Menschen verloren ihr Zuhause. Den Wendepunkt brachte eine einzige Entscheidung: Stillgelegte Gruben fluten statt zu verfüllen (nicht wundern, das ist ein Fachbegriff aus dem Bergbau. Es ist die schönere Form von zuschütten). Der Senftenberger See machte vor fast 60 Jahren den Anfang. Mit der Fahrt von See zu See schließt sich nun ein langer Kreis.

Kleines Fahrgastschiff mit Flaggen auf dem Grossraeschener See, im Hintergrund eine Seebruecke.

Foto: Tourismusverband Lausitzer Seenland / Nada Quenzel

Ausblick: Das Rheinische Revier zieht nach

Was die Lausitz vormacht, plant Nordrhein-Westfalen noch eine Nummer größer. Rund um Garzweiler, Hambach und Inden liegt das größte Braunkohlerevier Europas, heute eine Mondlandschaft aus Kratern und Abraum. Daraus soll das Rheinische Seenland werden, mit Indesee, Garzweiler See und Hambacher See.

Den Startschuss gab im März 2026 der Spatenstich für die Rheinwassertransportleitung. Ab 2030 fließt Rheinwasser in den Tagebau Hambach, ab 2036 nach Garzweiler. Der Garzweiler See soll rund 2.200 Hektar messen und bis zu 165 Meter tief werden, tiefer als jeder natürliche See in Deutschland. Der Masterplan zeichnet schon heute Sporthäfen, Strände, einen Rundweg und schwimmende Häuser ins künftige Ufer.

Erste Anlaufpunkte stehen bereits. Auf der Sophienhöhe entsteht ein Besucherzentrum mit Blick auf den werdenden Hambacher See, in Elsdorf ein Welcome Center. Das Dokumentationszentrum Tagebau Garzweiler öffnet noch 2026.

Eine ehrliche Einordnung gehört dazu: Die Lausitz brauchte rund 60 Jahre bis zu diesem Sommer. Im Rheinland zieht sich die Befüllung bis etwa 2070. Die blühende Landschaft am Garzweiler bleibt also ein Versprechen an die nächste Generation. Wer heute zur Sophienhöhe hinauffährt, sieht den ersten Spatenstich eines Jahrhundertprojekts.

Häufige Fragen

Was ist der Fünf-Seen-Verbund im Lausitzer Seenland?

Fünf ehemalige Tagebauseen, die seit dem 29. Juni 2026 schiffbare Kanäle verbinden. Boote fahren ohne Umsetzen über rund 5.300 Hektar Wasserfläche.

Welche Seen gehören zum Verbund?

Senftenberger See, Geierswalder See, Partwitzer See, Sedlitzer See und Großräschener See. Fünf Kanäle verknüpfen sie zu einem Revier.

Braucht man für ein Hausboot einen Führerschein?

Nein. Ab August 2026 vermietet ein Charter am Sedlitzer See führerscheinfreie Hausboote, auch für Übernachtungen.

Wie erreicht man das Lausitzer Seenland?

Über die A13 zwischen Berlin und Dresden. Die Regionalbahn fährt von Dresden in gut einer Stunde bis Senftenberg.

Kann man ohne eigenes Boot über die Seen fahren?

Ja. Die MS Wilde Ilse kreuzt samstags und sonntags über Sedlitzer und Großräschener See, mit Fahrt durch den 186 Meter langen Ilse-Kanal-Tunnel.

Entsteht auch im Rheinischen Revier ein Seenland?

Ja. Aus den Tagebauen Hambach, Garzweiler und Inden formt sich das Rheinische Seenland. Die Befüllung beginnt 2030 und dauert bis etwa 2070.