Foto: Achim Lammerts/Shutterstock.com
Deutschland

Mannheim: Geheimtipps und Sehenswürdigkeiten für den Städtetrip

Mannheim läuft bei Städtereisen noch immer unter dem Radar, völlig zu Unrecht. Die grüne Stadt zwischen Rhein und Neckar überrascht mit Barockschloss und Streetart, mit Erfindergeist und einem lebendigen Nachtleben. Manche fühlen sich in den schachbrettartigen Quadraten sogar an Manhattan erinnert. reisen EXCLUSIV verrät Sehenswürdigkeiten und Geheimtipps für einen perfekten Kurztrip.

Text: Anja Kocherscheidt

Wer zum ersten Mal durch Mannheim läuft, stolpert über Adressen wie »O4, 5« oder »E2, 8«. Spätestens dann ist klar: Diese Stadt tickt anders. Die besten Tipps auf einen Blick:

Das Barockschloss: Musenhof am Rhein

Mit seiner 440 Meter langen Fassade aus rotem Sandstein, der strengen Symmetrie und den geometrischen Sichtachsen gehört das Mannheimer Schloss zu den Höhepunkten der Stadt. Die Staatlichen Schlösser und Gärten nennen es das zweitgrößte geplante Barockensemble Europas nach Versailles. Der Legende nach hat es sogar genau ein Fenster mehr als die berühmte französische Konkurrenz.

Im 18. Jahrhundert machte Kurfürst Carl Theodor den Hof zum »Musenhof«. Mozart verbrachte 1777 und 1778 viele Monate in Mannheim, Schillers »Räuber« wurden 1782 am Nationaltheater uraufgeführt. Auch Voltaire war zweimal zu Gast am Kurpfälzer Hof. Heute ist im Schloss die Universität Mannheim untergebracht, im Mittelbau zeigt das Schlossmuseum die prunkvollen Räume des Kurfürsten.

Die rote Sandsteinfassade des Barockschlosses in Mannheim mit dem weiten Ehrenhof

Foto: Tourismus Stadt Mannheim GmbH/Michael Brand

Tipp: Einmal über den weiten Ehrenhof flanieren, dann ins Schlossmuseum und anschließend das studentische Treiben vor dem Schloss genießen.

Wasserturm, Friedrichsplatz und Kunsthalle

Das eigentliche Wahrzeichen der Stadt steht am Ende der Planken: der 60 Meter hohe Wasserturm, erbaut zwischen 1886 und 1889. Rund um ihn erstreckt sich der Friedrichsplatz mit Wasserspielen, Arkaden und dem Rosengarten. Er gilt als eine der größten Jugendstilanlagen Deutschlands.

Direkt am Platz liegt die Kunsthalle Mannheim. Zum Jugendstilbau von Hermann Billing aus dem Jahr 1907 kam 2018 ein Neubau des Architekturbüros gmp hinzu, ermöglicht durch eine Spende von 50 Millionen Euro des Mäzens Hans-Werner Hector. Schon die Architektur lohnt den Besuch.

Eis Fontanella: Wo das Spaghettieis erfunden wurde

Mannheim ist eine Stadt der großen und kleinen Erfindungen. Eine besonders leckere stammt von Dario Fontanella. Am 6. April 1969 drückte der damals 17-Jährige in der Eisdiele seines Vaters Vanilleeis durch eine Spätzlepresse, setzte es auf einen Klecks Sahne und garnierte es mit Erdbeersoße und weißen Schokoraspeln. Fertig war das Spaghettieis. Nach Fontanellas eigener Schätzung werden heute jährlich rund 25 Millionen Portionen verkauft, es gilt als meistverkaufter Eisbecher Deutschlands. Wer es am Ort seiner Erfindung probieren möchte, geht in die Eismanufaktur Fontanella in O4. Mehr Eisdielen stellt funkyGERMANY in seinem Beitrag zum Spaghettieis in Süddeutschland vor. Auch dieser Link führt auf das Schwestermagazin funkyGERMANY.

Dario Fontanella, Erfinder des Spaghettieises, mit einem Spaghettieis in Mannheim

Foto: Eis Fontanella Eismanufaktur

Streetart: Ein Museum unter freiem Himmel

Seit Juli 2013 wächst in Mannheim ein Museum ohne Wände. Unter dem Namen Stadt.Wand.Kunst haben lokale und international bekannte Künstler rund 50 großflächige Murals an Hausfassaden gemalt, teils politisch, teils fantastisch. Die meisten Werke liegen in den Quadraten, im Jungbusch und in der Neckarstadt-West. Die Initiatoren verstehen das Projekt als erstes frei zugängliches Museum für Fassadenkunst in Baden-Württemberg. Erkunden lässt es sich bei Führungen oder auf eigene Faust mit einer Karte, die es bei der Tourist-Information und als Download gibt.

Großflächiges Mural an einer Hausfassade in Mannheim

Foto: Anja Kocherscheidt

Jungbusch: Mannheims Ausgehviertel

Wer Mannheims echte Geheimtipps sucht, landet früher oder später im Jungbusch. Das ehemalige Hafenviertel ist heute das kreative Herz der Stadt, mit der Popakademie und vielen kleinen Bars. Zu den besten Adressen zählt das Hagestolz in der Jungbuschstraße, das der Falstaff 2026 hoch bewertet hat. Szenig geht es im Blau zu, gemütlich im Nelson, das es schon seit 2005 gibt. Craft-Beer-Fans steuern das Taproom an.

Technoseum: Eine Zeitreise durch die Technik

Auf rund 9.000 Quadratmetern führt das Technoseum von den Handwerkstechniken des 18. Jahrhunderts über die Industrialisierung bis zu Robotik und künstlicher Intelligenz. Besonders spannend sind die Vorführungen: Eine Dampflok fährt mit echtem Dampf, das Wasserrad der Weberei dreht sich, und ein Abschnitt einer Porsche-Fertigungsstraße läuft in Betrieb. Der Bereich »Es begann mit Carl Benz« erzählt außerdem, wie der Mannheimer sein Automobil erfand, das manche Zeitgenossen als »stinkende Teufelskarre« verspotteten. Auch Exponate zu Karl Drais, dem Erfinder der Laufmaschine, sind zu sehen.

Kinder an einer Mitmachstation im Technoseum in Mannheim

Foto: TECHNOSEUM/Klaus Luginsland

Luisenpark und Fernmeldeturm: Mannheim von oben

Mannheim ist erstaunlich grün, und das nicht nur an den Ufern von Rhein und Neckar. Davon überzeugt der Blick vom fast 218 Meter hohen Fernmeldeturm. Seine Aussichtsplattform liegt auf rund 125 Metern, darüber dreht sich das Restaurant Skyline. Zu Füßen des Turms liegt der Luisenpark. Sein oberer Teil entstand zur Bundesgartenschau 1975, seitdem schippert die Gondoletta über die Kanäle.

Zur Bundesgartenschau 2023 bekam der Park eine neue Mitte mit Südamerikahaus, neuem Pinguingehege, einer begehbaren Freiflugvoliere und einer Unterwasserwelt mit 21 Becken. Ruhe findet man im Chinesischen Teehaus, laut Park dem größten seiner Art in Europa. Im Frühjahr lohnt außerdem der Blick nach oben: Seit 1985 brüten im Luisenpark Weißstörche, inzwischen mehr als 40 Paare.

Blick von oben über die Dächer der Mannheimer Innenstadt

Foto: Anja Kocherscheidt

Quadrate, Little Istanbul und Café Herrdegen

Schon 1606 legte Kurfürst Friedrich IV. den Grundstein für seine Festungsstadt und ließ die Straßen nach dem Ideal der Renaissance als Gitter planen. Daraus entstanden die Quadrate. Statt Straßennamen tragen die Blöcke Buchstaben und Zahlen. Wer das System einmal durchschaut hat, verirrt sich in der Innenstadt kaum noch.

Zwischen Schloss, Jesuitenkirche und Paradeplatz liegen die Planken, Mannheims Einkaufsmeile. Hinter dem Marktplatz Richtung Neckar beginnt »Little Istanbul« mit türkischen Bäckereien, Juwelieren und Brautmodengeschäften. Ein Muss für Naschkatzen ist das Café Herrdegen in E2, 8. Seit 1838 in Familienbesitz, backt es in fünfter Generation den »Mannemer Dreck«, eine Lebkuchenspezialität, die es im Original nur hier gibt.

Frühstück in Mannheim

Für einen guten Start in den Tag empfiehlt sich das Kaffee Kult in der Schwetzingerstadt, bekannt für Kaffee aus eigener Röstung und ein gutes Frühstücksangebot. Mitten in den Quadraten liegt das Café Fräulein Schiller in B2. Wer es herzhaft und orientalisch mag, frühstückt türkisch im Lale am Marktplatz.

drei Menschen halten Kaffee

Foto: Nathan Dumlao

Mannheim an einem Tag

Wer nur einen Tag hat, beginnt mit dem Frühstück in den Quadraten und spaziert dann zum Schloss. Mittags geht es über die Planken zum Wasserturm und auf ein Spaghettieis zu Fontanella. Der Nachmittag gehört entweder dem Technoseum oder dem Luisenpark mit dem Blick vom Fernmeldeturm. Auf dem Weg zum Abendessen liegen einige Murals von Stadt.Wand.Kunst, bevor der Tag in einer Bar im Jungbusch ausklingt.

Weitere Tipps für Deutschland

Schöne Ziele für Kurztrips stellt reisen EXCLUSIV im Beitrag zu Wochenendausflügen in Deutschland vor. Noch mehr Ideen für Urlaub in Deutschland hat das Schwestermagazin funkyGERMANY. Dieser Link führt auf die Startseite von funkyGERMANY.

Häufige Fragen

Wie kommt man mit der Bahn nach Mannheim?
Mannheim ist ein wichtiger ICE-Knoten. Von Frankfurt Hauptbahnhof dauert die Fahrt ab rund 35 Minuten, vom Frankfurter Flughafen rund eine halbe Stunde, von Stuttgart ab etwa 37 Minuten.
Wie funktionieren die Adressen in den Mannheimer Quadraten?
Jeder Block trägt einen Buchstaben und eine Zahl, dahinter folgt die Hausnummer. »O4, 5« bedeutet also Quadrat O4, Haus Nummer 5.
Was kostet der Eintritt ins Schloss Mannheim?
Das Schlossmuseum kostet 9 Euro, ermäßigt 4,50 Euro, Familien zahlen 22,50 Euro, ein Audioguide ist inklusive. Geöffnet ist dienstags bis sonntags, die aktuellen Zeiten stehen auf der Website des Schlosses.
Kann man auf den Fernmeldeturm in Mannheim?
Ja, ein Aufzug fährt zur Aussichtsplattform auf rund 125 Metern, der Eintritt kostet 11 Euro. Darüber liegt das Drehrestaurant Skyline.
Gibt es in Mannheim einen Stadtstrand?
Einen öffentlichen Sandstrand gibt es nicht. Im Sommer treffen sich viele Mannheimer auf der Neckarwiese, einer großen Liegewiese am Fluss.