Foto: Nicolas Dequin/Tourisme Bretagne
Frankreich

Gar nicht eklig: In diesem neuen Museum in der Bretagne steht die Alge im Fokus

Ein ganzes Museum nur für Algen? Das gibt es neuerdings in der Bretagne. Und ein Besuch lohnt sich sogar für die Urlauber, die sich sonst vor dem grünen Meeressalat am Strand ekeln. Denn die Meeresgewächse stecken voller Geheimnisse und Überraschungen.

Im Atlantik vor der rauen Küste der Bretagne erstreckt sich das größte Algenfeld Europas. Die schier endlosen Wassermassen, die unermüdlich von den Gezeiten umhergewälzt werden, sind der ideale Nährboden für eine unglaubliche Biodiversität, ob die weithin bekannten Nori-Algen, der auch »Meeresspaghetti« genannte Riementang oder der großflächige Lappentang. Erfahrenen Bretagne-Urlaubern wird auch die Grünalge ein Begriff sein, die als grüner »Meeressalat« gern mal ganze Strandabschnitte in Beschlag nimmt. Insgesamt wachsen vor den Küsten rund um die Halbinsel zwischen 300 und 800 verschiedene Arten von Algen.

Blick von oben in einen flachen Gezeitentümpel. Zwischen hellen Steinen und grünen Algenpolstern liegt ein gelbbrauner Büschel Knotentang unter klarem Wasser.

Foto: Elodie Villalon

Im Museum Algae: 300 Jahre Algenernte in der Bretagne

So eine Vielfalt prägt eine Region, und auch die Menschen, die dort leben. Keine Frage. So sehr sogar, dass in Plouguerneau im Nordwesten der Bretagne nun extra ein Algenmuseum eröffnet wurde. Das heißt ganz einfach nur »Algae«. Auf den 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche erfahren Besucher alles, aber auch wirklich alles, was es über die kunterbunten Meeresgewächse so zu lernen gibt.

Das fängt bei der Vielfalt der Algen an. Was wächst da denn nun eigentlich im Meer? Ebenso nimmt aber die Bedeutung der Algen für die Menschen Raum im Museum ein. Und so gehen Besucher auf eine kleine Zeitreise, 300 Jahre in die Vergangenheit. Welche Bedeutung hatten die Algen für die Menschen damals, wie wurden sie geerntet, wie und wozu verarbeitet? Schnell wird klar: Bis auf einige moderne Annehmlichkeiten unterscheidet sich die Ernte heute wenig von der damals und bleibt weiterhin ein zehrendes Handwerk.

Ein rot-schwarzes Fischerboot mit der Kennung BR-732942 liegt auf ruhiger See. Der Kran hebt ein tropfendes Bündel Braunalgen über die Reling, die Ladung türmt sich schon an Deck.

Foto: Emmanuel Berthier

Auch der Frage, wo die Algen Anwendung finden, wird nachgespürt. Lange Zeit wurden die Meeresgewächse vor allem aufgrund ihres Jodgehalts in der Medizin, aber auch als Düngemittel in der Landwirtschaft genutzt. Heute hingegen ist die Alge als Rohstoff vielseitiger denn je und kommt beispielsweise im Textilwesen, in der Kosmetik und sogar der Informatik zum Einsatz.

Algen-Safari: Selbst ernten und anschließend verkosten

Wer jetzt denkt: langweilig, alles trockene Theorie – falsch gedacht! An der Küste vor dem Museum liegen die traditionellen Boote der Seetangfischer und können begutachtet werden. Einige davon sind bis heute in Betrieb! Besucher haben so die Möglichkeit, am lebenden Objekt zu erfahren, welche Herausforderungen die Fischer bewältigen müssen, um die Algen an Land zu bringen. In den Dünen wiederum finden sich noch heute die alten Öfen, in denen der Tang früher zur Jodgewinnung verbrannt wurde.

Eine Gruppe von Menschen in Regenjacken und Gummistiefeln steht im Halbkreis auf einem Strand und hört einer Führerin zu. Über ihnen hängt eine dunkle Wolkendecke, im Vordergrund liegen algenbewachsene Felsen.

Foto: Algae

Besonders spannend wird es bei der Algen-Safari. Hier stiefeln die Teilnehmer bei Ebbe ins Watt und haben selbst die Möglichkeit, das Meeresgemüse mit den eigenen Händen zu ernten. Im Anschluss wird der ganze Segen dann zu schmackhaften Gerichten weiterverarbeitet. In welchem Museum gibt’s das noch? Und auch, wenn das Schul-Französisch etwas eingerostet ist, lohnt der Besuch allemal. Deutsche Übersetzungen können an den Exponaten unkompliziert via QR-Code abgerufen werden. Hier geht’s zur Website des Museums.

Wer sich darüber hinaus in die Welt der Algen stürzen will, ist bei Martin Loss an der richtigen Adresse. Der gebürtige Deutsche wohnt seit vielen Jahren mit seiner Familie in Le Guilvinec im Südwesten der Bretagne und bietet zwischen April und Oktober geführte Touren zum Thema Algen an. Hier geht es zu seiner Website.

Häufige Fragen

Wie kommt man zum Algenmuseum?
Entweder mit dem Auto, oder aber mit den Öffentlichen. Von Paris aus fährt der TGV in knapp vier Stunden bis nach Brest, von hier sind es noch einmal 60 Minuten mit dem Bus bis nach Plouguerneau. Von Paris geht außerdem eine Flugverbindung via Air France bis Brest.
Wann hat das Algenmuseum geöffnet?
Das Museum ist Dienstag bis Sonntag je von 10 bis 18.30 Uhr geöffnet. Zwei Mal pro Woche finden Workshops statt.
Was kostet der Eintritt ins Algenmuseum in der Bretagne?
Der Eintritt kostet 8 Euro pro Person.
Konrad Bender
Konrad hat Geschichte studiert, das Mittelalter, um genau zu sein. Logisch, dass es ihm die geschichtsträchtigen Orte Europas besonders angetan haben. Egal ob in den historischen Städten Deutschlands, einsam im Norden Norwegens oder wandernd in den Vogesen – überall findet Konrad eine Story, die es zu erzählen lohnt. Hauptsache, nicht am Strand liegen – das ist so gar nicht Konrads Ding.