Im Atlantik vor der rauen Küste der Bretagne erstreckt sich das größte Algenfeld Europas. Die schier endlosen Wassermassen, die unermüdlich von den Gezeiten umhergewälzt werden, sind der ideale Nährboden für eine unglaubliche Biodiversität, ob die weithin bekannten Nori-Algen, der auch »Meeresspaghetti« genannte Riementang oder der großflächige Lappentang. Erfahrenen Bretagne-Urlaubern wird auch die Grünalge ein Begriff sein, die als grüner »Meeressalat« gern mal ganze Strandabschnitte in Beschlag nimmt. Insgesamt wachsen vor den Küsten rund um die Halbinsel zwischen 300 und 800 verschiedene Arten von Algen.

Foto: Elodie Villalon
Im Museum Algae: 300 Jahre Algenernte in der Bretagne
So eine Vielfalt prägt eine Region, und auch die Menschen, die dort leben. Keine Frage. So sehr sogar, dass in Plouguerneau im Nordwesten der Bretagne nun extra ein Algenmuseum eröffnet wurde. Das heißt ganz einfach nur »Algae«. Auf den 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche erfahren Besucher alles, aber auch wirklich alles, was es über die kunterbunten Meeresgewächse so zu lernen gibt.
Das fängt bei der Vielfalt der Algen an. Was wächst da denn nun eigentlich im Meer? Ebenso nimmt aber die Bedeutung der Algen für die Menschen Raum im Museum ein. Und so gehen Besucher auf eine kleine Zeitreise, 300 Jahre in die Vergangenheit. Welche Bedeutung hatten die Algen für die Menschen damals, wie wurden sie geerntet, wie und wozu verarbeitet? Schnell wird klar: Bis auf einige moderne Annehmlichkeiten unterscheidet sich die Ernte heute wenig von der damals und bleibt weiterhin ein zehrendes Handwerk.

Foto: Emmanuel Berthier
Auch der Frage, wo die Algen Anwendung finden, wird nachgespürt. Lange Zeit wurden die Meeresgewächse vor allem aufgrund ihres Jodgehalts in der Medizin, aber auch als Düngemittel in der Landwirtschaft genutzt. Heute hingegen ist die Alge als Rohstoff vielseitiger denn je und kommt beispielsweise im Textilwesen, in der Kosmetik und sogar der Informatik zum Einsatz.
Algen-Safari: Selbst ernten und anschließend verkosten
Wer jetzt denkt: langweilig, alles trockene Theorie – falsch gedacht! An der Küste vor dem Museum liegen die traditionellen Boote der Seetangfischer und können begutachtet werden. Einige davon sind bis heute in Betrieb! Besucher haben so die Möglichkeit, am lebenden Objekt zu erfahren, welche Herausforderungen die Fischer bewältigen müssen, um die Algen an Land zu bringen. In den Dünen wiederum finden sich noch heute die alten Öfen, in denen der Tang früher zur Jodgewinnung verbrannt wurde.

Foto: Algae
Besonders spannend wird es bei der Algen-Safari. Hier stiefeln die Teilnehmer bei Ebbe ins Watt und haben selbst die Möglichkeit, das Meeresgemüse mit den eigenen Händen zu ernten. Im Anschluss wird der ganze Segen dann zu schmackhaften Gerichten weiterverarbeitet. In welchem Museum gibt’s das noch? Und auch, wenn das Schul-Französisch etwas eingerostet ist, lohnt der Besuch allemal. Deutsche Übersetzungen können an den Exponaten unkompliziert via QR-Code abgerufen werden. Hier geht’s zur Website des Museums.
Wer sich darüber hinaus in die Welt der Algen stürzen will, ist bei Martin Loss an der richtigen Adresse. Der gebürtige Deutsche wohnt seit vielen Jahren mit seiner Familie in Le Guilvinec im Südwesten der Bretagne und bietet zwischen April und Oktober geführte Touren zum Thema Algen an. Hier geht es zu seiner Website.


