Paris kann Neueröffnungen. Noch besser kann die französische Hauptstadt allerdings Wiederauferstehungen. In diesem Herbst sorgen gleich drei Adressen für Aufsehen, die zeigen, wie unterschiedlich das funktionieren kann. In Montparnasse verwandelt Vincent Darré ein ehemaliges Theater in das neue Hotel Le Magnifique. Nahe der Champs-Élysées kehrt das legendäre Doobie’s nach langer Pause zurück. Und in Saint-Germain-des-Prés versucht L’Alcazar, an jene Nächte anzuknüpfen, in denen hier David Bowie, Serge Gainsbourg und andere Berühmtheiten ein und aus gingen.
Le Magnifique: Ein Hotel wie eine Theaterkulisse
Wer in der Rue de la Gaîté in Paris ein Hotel eröffnet, bekommt die Dramaturgie gewissermaßen mit der Adresse geliefert. Theater prägen die Straße in Montparnasse bis heute. Auch dort, wo nun Le Magnifique empfängt, wurde einst gespielt: Das Gebäude beherbergte im frühen 19. Jahrhundert das Theater Les Mille Colonnes, dessen historische Fassade erhalten geblieben ist.

Foto: Christophe Bielsa
Hinter dem neuen Vier-Sterne-Hotel steht Jacques Blanc, dem bereits das von Christian Lacroix gestaltete Bellechasse gehört. Für sein neues Haus engagierte er Vincent Darré. Der Designer und Künstler wurde selbst im 14. Arrondissement geboren und durfte sich bei der Gestaltung der 62 Zimmer und öffentlichen Räume ziemlich hemmungslos austoben.
Schon die Lobby macht klar, dass Minimalismus hier Hausverbot hat. Handbemalte Säulen erinnern an die berühmte Brasserie La Coupole, eine Zirkusmalerei führt zur Rezeption. Selbst der gläserne Aufzug spielt mit: Meerjungfrauen, Seepferdchen und Sterne begleiten die Fahrt durch fünf Etagen, die jeweils eine eigene Fantasiewelt bilden. Mal geht es in den Garten Eden, mal unter Wasser, mal bis in die Milchstraße.

Foto: Christophe Bielsa
Keines der 62 Zimmer gleicht vollständig dem anderen. Möbel, Leuchten, Keramik und Stoffe entwarf Darré eigens für das Haus. Im Untergeschoss setzt sich die Inszenierung fort. Dort liegen ein beheizter Innenpool mit mythologischen Mosaiken, Hammam und Whirlpool.
Das Ergebnis ist ein Hotel, das seine Vergangenheit als Theater nicht versteckt, sondern weiterspielt. Nur die Bühne fehlt. Genau genommen braucht Le Magnifique die auch nicht mehr.
Hier geht es zur Website des Hotel Le Magnifique.
Doobie’s: Die Nacht der 90er bekommt ein neues Wohnzimmer
Doobie’s wiederum ist neu und alt zugleich. Die Geschichte der Adresse reicht bis 1938 zurück, der Name Doobie’s prägte das Lokal allerdings erst ab 1993. In den 1990er- und frühen 2000er-Jahren gehörte der Club zu den bekannten Treffpunkten des Pariser Nachtlebens. Ex-Tennisprofi Yannick Noah und der Schauspieler Mouss Diouf zählten etwa zu den prominenten Gästen.
Nach langer Pause und drei Jahren Umbau ist Doobie’s nun zurück. Das neue Konzept hat mit einer bloßen Rekonstruktion des alten Clubs wenig zu tun. Architekt Arnaud Behzadi gestaltete die Räume als »Maison de collectionneur«, als imaginäre Wohnung eines weit gereisten Sammlers.

Foto: Amaury Laparra
Entsprechend führt der Weg durch Salons, Wintergarten und Boudoir bis zum Nachtbar. Marmor, Lack, edle Hölzer, Kunst und gesammelte Objekte sollen eher an ein exzentrisches Privathaus als an einen klassischen Club erinnern. Herzstück ist eine Rotunde mit vier Gesichtern, im Wintergarten lässt sich durch eine Glaswand in die offene Küche schauen.

Foto: Doobie’s
Auch zeitlich verschwimmen die Grenzen. Doobie’s beginnt als Restaurant und endet als Nachtlokal. Nach dem Essen übernimmt die Musik zunehmend das Kommando. Die Bandbreite reicht von R’n’B der 1990er-Jahre über Madonna und The Cure bis zu Daft Punk und Chicago House. Bis zwei Uhr nachts bleibt die Bar geöffnet.
Doobie’s versucht damit etwas Schwieriges: die Erinnerung an die Pariser Clubnächte der 1990er und 2000er zu nutzen, ohne daraus einen Retro-Themenpark zu bauen. Ob das gelingt, entscheidet sich vermutlich erst nach Mitternacht …
Weitere Infos auf der Website des Doobie’s.
L’Alcazar: Saint-Germain will wieder feiern
Bei L’Alcazar reichen die Anfänge noch weiter zurück. Jean-Marie Rivière eröffnete das Cabaret in der Rue Mazarine im Jahr 1968. Die Adresse entwickelte sich ab dann zu einem der schillernden Treffpunkte von Saint-Germain-des-Prés. David Bowie, Serge Gainsbourg und andere Größen aus Musik, Film und Kunst gehörten zur Geschichte des Hauses.

Foto: Gaëlle Le Boulicaut/L’Alcazar
Später wurde aus dem Cabaret vor allem ein Restaurant. Nun dreht der neue Eigentümer Walter Butler die Zeit ein Stück zurück. Nach umfangreicher Renovierung soll L’Alcazar wieder Restaurant, Bühne, Bar und Nachtleben miteinander verbinden. Auch optisch wurde dafür aufgerüstet. Roter Samt, Gold, Mosaike, ein monumentales Treppenhaus und die große Glasdecke machen aus dem Restaurant wieder einen Raum, in dem die Bühne nicht wie nachträglich hineingestellt wirkt.
Das Programm folgt einem festen Wochenrhythmus. Montags bis mittwochs bleibt es vergleichsweise entspannt: Zum À-la-carte-Dinner gibt es je nach Abend Piano und Gesang oder eine Live-Band. Von Donnerstag bis Sonntag wird daraus »Paris s’éveille«, ein ausgewachsenes Dinner-Spektakel mit Gesang, Tanz und visuellen Performances.

Foto: The Bearded Gemini/L’Alcazar
Dabei gibt es zwei Varianten. Wer zwischen 18 und 18.30 Uhr kommt, zahlt 90 Euro für Menü und Show. Die große Abendvorstellung beginnt für die Gäste ab 20.15 Uhr, kostet 145 Euro und führt nach dem Dinner weiter in die Nacht. Nach den Showeinlagen übernimmt ein DJ, gefeiert werden kann bis zwei Uhr morgens.
Kulinarisch verantworten Zouhair Bouhlal und Guillaume Lutard die Küche. Sie orientiert sich an französischen Klassikern mit mediterranen und italienischen Einflüssen. Damit soll das Essen mehr sein als die notwendige Beschäftigung zwischen zwei Auftritten.

Foto: The Bearded Gemini/L’Alcazar
Gerade darin liegt die Herausforderung. Dinner-Shows gibt es in Paris schließlich genug. L’Alcazar muss beweisen, dass aus rotem Samt, Live-Musik und großer Vergangenheit tatsächlich wieder eine große Nacht wird.
Weitere Infos gibt’s auf der Website des L’Alcazar.

