Im Oktober lassen die Teichwirte im Waldviertel das Wasser ab. In Heidenreichstein, am Klosterteich von Stift Geras und in der Erlebniswelt Gallien stehen dann Zuschauer am Ufer, während Männer in Wathosen die Netze durch den Schlamm ziehen. Ein Volksfest mit Fischgeruch. Und seit Mai 2025 eines mit Welterbe-Status, fast jedenfalls.
Adel mit Flossen
Die Auszeichnung kam von der Welternährungsorganisation FAO. Sie nahm die Waldviertler Karpfenteichwirtschaft in ihr Programm für landwirtschaftliches Welterbe auf, ein eigenes Register, mit dem die Unesco nichts zu tun hat. Den Karpfen dürfte die Unterscheidung wenig kümmern.
Über 2.200 Teiche zählt die Region, rund 150 Teichwirtinnen und Teichwirte halten sie in Schuss, mit einem Wissen, das rund 900 Jahre zurückreicht. Die FAO würdigte vor allem die nachhaltige Bewirtschaftung und die Artenvielfalt an den Ufern. Die Teichranger erklären das auf einer Führung in zwölf Stationen. Wer mehrere Tage bleiben will, bucht das Paket »Karpfen hautnah erleben«.
Die Wachau: Unesco-Welterbe mit Eidechse
Neben dem Karpfen wirkt die Wachau wie eine alte Aristokratin. Seit 2000 trägt die Flusslandschaft zwischen Melk und Krems den Unesco-Titel: 40 Kilometer Donau, gesäumt von Marillengärten, Winzerdörfern und Weinterrassen, die so steil ansteigen, dass nur Handarbeit hilft. Trockensteinmauern halten sie, Stein auf Stein geschichtet, ohne Mörtel. Die gehaltvollsten Weine der Region heißen Smaragd, benannt nach der Smaragdeidechse, die sich zwischen den warmen Steinen sonnt.
Am westlichen Ende thront Stift Melk über dem Fluss. Umberto Eco schickte den Erzähler seines Romans »Der Name der Rose« als Adson von Melk ins Rennen. Donauabwärts folgt Dürnstein mit seinem blau-weißen Kirchturm und der Burgruine, in der Richard Löwenherz 1192 als Gefangener festsaß. Gegenüber von Krems thront Stift Göttweig so hoch über dem Tal, dass die Österreicher es ihr Montecassino nennen. Die Strecke lässt sich auf dem Donauradweg abfahren, mit dem Schiff oder einer hölzernen Zille befahren, oder in 14 Etappen auf dem Welterbesteig erwandern.
Weinviertel: Einkehr nach Gewohnheitsrecht
Nordöstlich der Wachau ducken sich die Presshäuser der Weinviertler Kellergassen in die Lösshänge. Früher kelterten und lagerten die Winzer dort ihren Wein, heute treffen sich Nachbarn und Freunde zur »Köllastund«, ohne Anlass und ohne Uhr.
Wer zufällig vorbeikommt, sitzt bei der »Köllapartie« mit am Tisch, so will es das alte Kellerrecht. Auf den Tisch kommt dazu die »Köllajausn« mit Brot, Speck und Aufstrichen aus eigener Herstellung. Seit 2022 steht die Weinviertler Kellerkultur im österreichischen Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Die Gastfreundschaft war allerdings schon vorher da. Am geselligsten zeigt sie sich bei den Tagen der offenen Kellertür und in der Langen Nacht der Kellergassen.
Semmering: Eine Bahn, schneller als ihre Lokomotive
Als Carl Ritter von Ghega 1848 mit dem Bau der Semmeringbahn begann, gab es noch keine Lokomotive, die solche Steigungen schaffte. Die suchte man erst 1851 per Wettbewerb. Drei Jahre später rollte der Verkehr über 41 Kilometer, durch 15 Tunnel und über 16 Viadukte, bis auf 898 Meter Seehöhe. Seit 1998 steht die erste Hochgebirgsbahn der Welt auf der Unesco-Liste. Sie brachte Wiens Bürgertum und Adel in die Sommerfrische, deren Villen noch heute an den Hängen stehen. Der rund 20 Kilometer lange Bahnwanderweg führt zum 20-Schilling-Blick. Das Panorama mit dem Viadukt über die Kalte Rinne zierte einst die österreichische Banknote.
Baden bei Wien: Kur mit Kaiser und Komponist
Seit 2021 gehört Baden zu den Great Spa Towns of Europe, gemeinsam mit Karlsbad, Baden-Baden und Bath. Schon die Römer badeten in den Schwefelquellen, deren Geruch bis heute niemanden im Unklaren lässt, wo er sich befindet. Kaiser Franz verbrachte hier seine Sommer, und Beethoven schrieb in Baden große Teile seiner Neunten Symphonie. Kurpark, Kurhaus und der Villengürtel am Helenental erzählen von der Glanzzeit. Die Therme führt die Tradition fort, mit deutlich weniger Etikette.
Carnuntum: Rom an der Donau
Seit 2021 zählt auch der Donaulimes zum Welterbe, die alte Grenze des Römischen Reiches. In Carnuntum östlich von Wien lebten einst rund 50.000 Menschen. Heute stehen dort das Heidentor und ein rekonstruiertes Stadtviertel, in dem sich römischer Alltag erstaunlich wohnlich ausnimmt.
Dürrenstein-Lassingtal: Hier räumt niemand auf
2017 erklärte die Unesco das Wildnisgebiet Dürrenstein-Lassingtal im Mostviertel, zusammen mit dem Nationalpark Kalkalpen, zum ersten Weltnaturerbe Österreichs. Im Zentrum liegt der Rothwald, der größte zusammenhängende Urwaldrest des Alpenbogens. Umgestürzte Buchen bleiben liegen, wo sie fallen, und vermodern in Ruhe zu neuem Waldboden. Das Haus der Wildnis in Lunz am See erklärt, warum diese Unordnung so wertvoll ist. In die Kernzone führen Exkursionen nur nach Anmeldung.
Den Eulenweg mit seinen Wissensstationen schaffen auch Familien, per Fuß oder Fahrrad. Wer höher hinaus will, übernachtet auf der Ybbstalerhütte, dem Ausgangspunkt des Luchs Trails mit 13 Etappen.
Die Termine fürs Abfischen im Oktober und die Führungen der Teichranger stehen unter www.waldviertel.at/waldviertler-karpfenteichwirtschaft.







