Fünf Gletscherskigebiete, fünf ganz unterschiedliche Herausforderungen: In Tirol beginnt die Skisaison 2026/27 bereits im Herbst. Zwischen Sölden, Kaunertal, Stubai, Hintertux und Pitztal warten lange Talabfahrten, ungewöhnlich steile Pisten und anspruchsvolle Freeride-Routen. Wir stellen fünf besondere Strecken vor und berichten, worauf Skifahrer achten sollten.
Sölden: Auf der Schwarzen Schneid sind lange Beine gefragt
15 Kilometer auf Skiern zurücklegen, ohne zwischendurch einen Lift zu benutzen: In Sölden ist das auf der Schwarzen Schneid möglich. Die Abfahrt beginnt an der BIG3-Aussichtsplattform am Rettenbachgletscher auf 3.340 Metern und führt über mehrere Pistenabschnitte bis zur Talstation der Gaislachkoglbahn. Dabei verlieren Skifahrer rund 1.970 Höhenmeter. Das ist selbst für trainierte Wintersportler eine ordentliche Strecke. Vor allem gegen Ende können müde Beine zum Problem werden, wenn die Konzentration nachlässt.

Foto: Ötztal Tourismus/Matthäus Gartner
Die Schwarze Schneid gilt als längste Skiabfahrt Österreichs. Allerdings handelt es sich nicht um eine durchgehend schwarze Piste. Der Name bezeichnet die gesamte Route, die unterschiedliche Schwierigkeitsgrade umfasst. Wer sie komplett fahren möchte, sollte deshalb nicht nur auf die Länge achten. Entscheidend sind die geöffneten Pistenabschnitte und die aktuellen Schneeverhältnisse. Insbesondere zu Beginn der Saison sind lange Abfahrten bis in tiefere Lagen nicht immer möglich.
Sölden steht außerdem traditionell im Mittelpunkt des alpinen Ski-Weltcups. Am 24. und 25. Oktober 2026 sind auf dem Rettenbachgletscher die Riesentorläufe der Frauen und Männer geplant.
Kaunertaler Gletscher: Die Black Ibex verlangt Können
88 Prozent Gefälle klingen zunächst nach einer Zahl aus dem Mathematikunterricht. Auf der Black Ibex am Kaunertaler Gletscher aber bekommt sie eine ziemlich konkrete Bedeutung. Die schwarze Piste beginnt auf 3.113 Metern an der Bergstation der Falginjochbahn. Mit einer maximalen Neigung von 88 Prozent gilt sie als steilste präparierte Skipiste Österreichs. Das entspricht einem Neigungswinkel von rund 41 Grad. Wichtig dabei: 88 Prozent Gefälle bedeuten nicht 88 Grad.

Foto: Nicolas Meder/Shutterstock.com
Die Black Ibex richtet sich an sehr erfahrene Skifahrer. Wer auf schwarzen Pisten ohnehin unsicher unterwegs ist, sollte diese Abfahrt auslassen. Bei hartem Schnee oder schlechter Sicht wird steiles Gelände zusätzlich anspruchsvoll. Der Kaunertaler Gletscher bietet aber auch weniger extreme Möglichkeiten. Eine Besonderheit ist die Gletscherstraße, über die Besucher weit hinauf ins Skigebiet gelangen. Zudem hat sich die Region auf barrierefreien Wintersport eingestellt. Unter anderem sind Gondelbahnen, das Gletscherrestaurant und eine Aussichtsplattform entsprechend ausgestattet.
Wer zwischen den Abfahrten genauer hinschaut, entdeckt außerdem Kunst am Lift: Die Tiroler Künstlerin Hannah Philomena Scheiber hat mehrere Gondeln mit Motiven der umliegenden Bergwelt gestaltet.
Stubaier Gletscher: Die Wilde Grub’n geht in die Beine
Auf dem Stubaier Gletscher wartet mit der Wilden Grub’n eine weitere Abfahrt, bei der weniger die Höchstgeschwindigkeit als die Ausdauer zählt. Die Route führt vom oberen Skigebiet auf rund 3.212 Metern bis zur Talstation der Eisgratbahn auf 1.695 Metern. Damit kommen mehr als 1.500 Höhenmeter zusammen. Allerdings ist auch hier zu beachten, dass die Talabfahrt von der Schneelage abhängt und nicht während der gesamten Gletschersaison geöffnet sein muss.
Wie anspruchsvoll die Strecke sein kann, zeigt das Rennen Stubai Wilde Ride. Am 10. April 2027 sollen Teilnehmer über rund sechs Kilometer durch 160 Riesentorlauftore fahren. Das Motto lautet »Keine Gnade der Wade«. In diesem Fall ist die Warnung durchaus wörtlich zu nehmen.
Der Stubaier Gletscher bietet neben sportlichen Herausforderungen auch zahlreiche Angebote für Familien und Freestyler. Bekannt ist insbesondere der Snowpark Stubai Zoo. Wer sich eine Pause gönnen möchte, kann zur Aussichtsplattform TOP OF TYROL fahren. Bei klarer Sicht reicht der Blick weit über die umliegenden Alpen. Bei schlechtem Wetter dagegen ist die Fahrt auf über 3.000 Meter Höhe allein wegen des Panoramas wenig sinnvoll.

Foto: Stubaier Gletscher/Tom Bause
Hintertuxer Gletscher: Vom Hochgebirge bis ins Dorf
Auf dem Hintertuxer Gletscher beginnt eine besonders lange Abfahrt auf rund 3.250 Metern Höhe. Von dort führt die Strecke bis hinunter ins Ortszentrum von Hintertux. Insgesamt liegen etwa 1.750 Höhenmeter zwischen Start und Ziel. Zum Abschluss geht es über die Schwarze Pfanne zur Talstation. Gerade dieser untere Abschnitt setzt entsprechende Schneeverhältnisse voraus. Wer im Herbst oder späten Frühjahr unterwegs ist, sollte daher vorab prüfen, wie weit die Abfahrt tatsächlich geöffnet ist.
Eine Besonderheit des Hintertuxer Gletschers befindet sich nicht auf, sondern unter dem Eis. Im Natur Eis Palast können Besucher das Innere des Gletschers erkunden. Neben Führungen werden dort auch ungewöhnliche Aktivitäten wie Kajakfahren, Stand-up-Paddling und Eisschwimmen angeboten. Das klingt zunächst eher nach einem Ausflug an einen Badesee. Tatsächlich bewegen sich Besucher in einer natürlichen Eiswelt, in der die Temperaturen entsprechend niedrig sind. Warme Kleidung gehört deshalb auch dann ins Gepäck, wenn draußen die Sonne scheint.
Eine weitere Ausflugsmöglichkeit ist die Spannagelhöhle, eine Marmorhöhle im Hochgebirge. Für beide Attraktionen empfiehlt sich eine vorherige Prüfung der Führungszeiten und Zugangsmöglichkeiten.
Pitztaler Gletscher: Die Goldene Spur ist keine gewöhnliche Skirunde
Die Goldene Spur im Pitztal verbindet zwei Skigebiete miteinander: den Pitztaler Gletscher und das Rifflseegebiet. Auf der rund 33 Pistenkilometer umfassenden Route geht es mit den Bergbahnen insgesamt knapp 3.000 Höhenmeter bergauf. Der höchste Punkt liegt auf 3.440 Metern. Anschließend führt eine lange Abfahrt mit rund 1.700 Höhenmetern zurück ins Tal. Für die Runde werden etwa zwei Stunden veranschlagt.
Allerdings unterscheidet sich die Goldene Spur deutlich von einer gewöhnlichen Tour über markierte Skipisten. Sie umfasst auch Freeride-Gelände. Deshalb empfehlen die Verantwortlichen ausdrücklich, die Runde ausschließlich mit einem Skiguide zu unternehmen. Das ist keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme. Abseits gesicherter Pisten können Lawinen, schlechte Sicht und andere alpine Gefahren auftreten. Ob eine Tour möglich ist, hängt wesentlich von den aktuellen Bedingungen ab.
Wer lieber auf gesicherten Pisten bleibt, muss trotzdem nicht auf einen Ausflug in große Höhe verzichten. Das Café 3.440 gilt als höchstgelegenes Kaffeehaus Österreichs. Hier wird unter anderem Frühstück angeboten. Der Ausblick ist bei gutem Wetter inklusive, die Höhenluft ebenfalls.

Foto: Alexander Haiden
Was Tirols Gletscher abseits der Skipisten bieten
Nicht jeder möchte den ganzen Tag auf Skiern verbringen. Auf den fünf Tiroler Gletschern gibt es deshalb auch Angebote für Besucher, die zwischendurch etwas anderes unternehmen wollen. Im Ötztal können erfahrene Sportler beispielsweise an gefrorenen Wasserfällen eisklettern. Teilweise ist das sogar abends bei künstlicher Beleuchtung möglich. Wer diese Sportart ausprobieren möchte, sollte sich einer geführten Tour anschließen.
Am Kaunertaler Gletscher stehen im November und Dezember Lawinencamps mit Bergführern auf dem Programm. Dort geht es um die Einschätzung von Gefahren und den richtigen Umgang mit Sicherheitsausrüstung. Besonders für Wintersportler, die künftig abseits der Pisten unterwegs sein möchten, kann das eine sinnvolle Vorbereitung sein.
Auch Materialtests gehören zum Winterprogramm. Auf dem Hintertuxer Gletscher ist vom 31. Oktober bis 8. November 2026 der Original+ Skitest geplant, auf dem Stubaier Gletscher vom 12. bis 15. November das Intersport Testival. Wichtig für die Reiseplanung: Viele Veranstaltungen hängen von Wetter und Schneeverhältnissen ab. Termine und Teilnahmebedingungen sollten deshalb vor der Anreise geprüft werden.
Weitere Informationen zu den fünf Skigebieten gibt es auf der Website der Tiroler Gletscher.


